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Hooligan Factory – Helden ohne Hirn und Tadel: Rabauken unter sich

21 Aug

Hooligan_Factory-Cover

The Hooligan Factory

Von Volker Schönenberger

Komödie // Darf man sich über Hooligans lustig machen? Man sollte es sogar! Tipp: Beim Lustigmachen ausreichenden Abstand zu Hooligans wahren! Hoffen wir, dass Regisseur Nick Nevern das beachtet hat. Für seine als Parodie angelegte zweite Regiearbeit nach dem Krimidrama „Terry“ (2011) bringt er jedenfalls ausreichend Erfahrung im Bereich englischer Gewaltdramen mit: Als Schauspieler hat Nevern unter anderem in „The Rise & Fall of a White Collar Hooligan“, „The Sweeney“, „The Hooligan Wars“ und „The Fall of the Essex Boys“ mitgewirkt.

Auftritt Danny Dyer

Was wäre eine Parodie auf diese Art Filme ohne einen Gastauftritt des unverwüstlichen Danny Dyer? Richtig – gar nichts. Und so wird dieser Pflichtpunkt gleich ganz zu Anfang abgehakt, wenn in einer sehr gelungenen – „schönen“ wäre zynisch – Szene die Hauptfigur Danny (Jason Maza) eingeführt wird. Danny ist 1995 mit seinem Kumpel Jeff (Danny Dyer) und einem weiteren Mann einem Range Rover in Essex unterwegs, als …

Die Essex Boys sind am Start

Range Rover? Essex? Klingelt da was? Richtig – der Dreifachmord von Rettendon ist Thema, „Essex Boys“, „Rise of the Footsoldier“ und „Bonded by Blood“ sind die parodierten Filme. Der. ist es, Auch die aus einschlägigen Filmen bekannten Craig Fairbrass und Tamer Hassan haben in dieser Szene Gastauftritte. Aber seht selbst!

Hooligans über alles

Danny begegnet der gerade aus dem Knast entlassenen Hooligan-Legende Dex (Regisseur Nick Nevern persönlich). Dex will seinen Rang als König der Hooligans zurück, dafür reaktiviert er seine alte Gang, die „Hooligan Factory“. Zudem gilt es, Rache am Hooligan-Rivalen „The Baron“ (Keith-Lee Castle) zu nehmen. Danny darf auch mitmischen, muss sich aber erst den Respekt der „Hooligan Factory“ erarbeiten. Der Weg zurück an die Spitze ist hart und mit der einen oder anderen Schlägerei gepflastert.

Very British

„The Hooligan Factory“ macht glücklicherweise nicht den Fehler, klamaukige US-Parodien vom Schlag „Scary Movie“, „Not Another Teen Movie“, „Date Movie“ und dergleichen kopieren zu wollen, der Film findet seinen eigenen, britischen Weg. Regisseur Nevern nimmt seine Protagonisten und das Setting ernst – natürlich nur bis zu einem gewissen Grad. Das führt dazu, dass manche Szenen erst vergleichsweise spät ins Humorige kippen, was mal gut, mal nicht ganz so gut funktioniert. In anderen Sequenzen hingegen merkt man sofort, wie der Hase läuft. In einer wunderbaren Szene stehen sich Dex‘ „Hooligan Factory“ und eine rivalisierende Bande brusttrommelnd und pöbelnd gegenüber, als sich Danny ein Herz fasst, zur Gegenseite schreitet und einem Typen einen Nasenstüber verpasst. In die plötzliche Stille mischt sich Empörung – es war doch erst die Phase des verbalen Schlagabtausches. Nach einer kurzen Entschuldigung Dannys für die zerbrochene Brille darf das Gepöbel weitergehen. Schön!

Verzicht auf Brachialhumor

Brüller und Schenkelklopfer sind Mangelware. Das ist einerseits begrüßenswert, auf der anderen Seite hätten ein paar etwas derbere Gags nicht geschadet. Geprügelt wird erst spät, dann mit allerlei heftigen Schlag- und Stichwaffen. Die Verletzungen bleiben aber relativ harmlos. Ein paar Schwulengags stören, da stößt eine Parodie womöglich an die Grenze des Parodierbaren. Vielleicht bin ich auch nur zu pingelig politisch korrekt, aber erwähnt wollte ich es haben.

Hooligans ohne Fußball

Der eine oder andere Rezensent im Netz bemängelt das Fehlen von Fußball im Film. Das kann aber nur jemand ohne Ahnung des Hooligan-Wesens (fast hätte ich „Unwesens“ geschrieben, uiuiui, ich Gefahrensucher) als Kritikpunkt anführen. Das ist doch gerade der Punkt! Wer einen Fußballfilm sehen will, schaue sich „Fever Pitch“ an. „Hooligan Factory – Helden ohne Hirn und Tadel“ geht nicht als großer Wurf ins Ziel, aber als liebevolle Parodie mit manchmal etwas zu viel Respekt vor den Originalen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Danny Dyer sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 12. August 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 89 Min. (Blu-ray), 86 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Hooligan Factory
GB 2014
Regie: Nick Nevern
Drehbuch: Michael Lindley, Nick Nevern
Besetzung: Jason Maza, Nick Nevern, Tom Burke, Ray Fearon, Steven O’Donnell, Morgan Watkins, Josef Altin, Danny Dyer
Zusatzmaterial: Deleted Scenes (Ecstasy Extended / Extended Opening), Making-of, Outtakes, Viral Short, alternativer Trailer, Originaltrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2014 Ascot Elite Home Entertainment

 

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