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Dario Argentos Dracula – Der tiefe Fall des Giallo-Altmeisters

30 Aug

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Dracula 3D

Gastrezension von Simon Kyprianou

Horror // Man wird wehmütig, wenn man an die Hochphase von Dario Argento zurückdenkt. Damals in den 60ern, 70ern und 80ern drehte er Gialli und Horrorfilme von außergewöhnlicher Güte und Brillanz, etwa „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“, „Suspiria“, „Deep Red“, „Phenomena“ und „Opera“ und hat unzählige Filmemacher, vornehmlich Horrorregisseure, mit seiner einzigartigen Handschrift beeinflusst.

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„In was für einen Film hat mein Agent mich denn nun wieder bugsiert?“

Argentos Filme von damals sind von unglaublicher visueller Pracht, fantastische Bildkompositionen, eine ausgeklügelte Farbdramaturgie, intelligent sexualisiert, sinnlich, rauschhafte Gewalt, ein hypnotisches Kino, voller Ästhetik und Schönheit. Mit interessant und zärtlich gezeichneten Figuren war es ein Kino von tödlicher Anmut. Viel übrig geblieben ist davon in seinem Spätwerk bedauerlicherweise nicht.

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„Menno – gegen Tiere kann man eben nicht anspielen.“

„Opera“ aus dem Jahr 1987 kann man wohl als Wendepunkt in seiner Karriere sehen, sein letzter großer Film, vielleicht sogar sein bester, eine geschickte, ultraradikale Reflexion über Gewalt im Genrekino. Danach ging es wie bei vielen Regisseuren steil bergab. Mit jedem Film dekonstruierte sich Argento selbst ein wenig mehr, am schlimmsten wurde es mit seinen beiden jüngsten Filmen „Giallo“ (2009), der bestenfalls als Groteske denn als Thriller taugte und nun mit „Dracula 3D“.

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„Wie lautete noch die Regieanweisung? Ach ja: Beißerchen auf!“

Der Film erzählt die klassische Dracula-Story, rund um die Konfrontation von Graf Dracula (Thomas Kretschmann) mit dem Vampirjäger Van Helsing (Rutger Hauer), angesiedelt in den Karpaten.

Argentos miesester Film

„Dracula“ ist furchtbar. Nichts zeugt von Argentos alter Größe, nichts zeugt von seinem früheren Talent, der Film ist hässlich und unästhetisch, da gibt es keinen sinnlichen Gewaltrausch, keine schönen Bilder, keine wilden Kamerafahrten, keinen hypnotischen Soundtrack, keinen Horror. Es ist nur ein dumpfes und langweiliges, dilettantisch inszeniertes, peinliches Blut-und-Titten-Schmuddelfilmchen ohne Sinn und Zweck.

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„Papi, geh in Rente!“

Asia Argento und Thomas Kretschmann sind ebenfalls furchtbar, nicht einmal Rutger Hauer kann da noch etwas rausreißen. Zweifellos einer der schlechtesten Filme des Jahres, ist „Dracula“ wohl auch der mit Abstand schlechteste Film von Argento, der vielleicht besser daran tun würde, sich Gedanken über ein Karriereende zu machen. Tiefer fallen kann er jedenfalls nicht.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Rutger Hauer sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 28. August 2014 als 3D Blu-ray, Blu-ray und DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 106 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Dracula 3D
IT/F/SP 2012
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento, Enrique Cerezo, Stefano Piani, Antonio Tentori, nach der Vorlage von Bram Stoker
Besetzung: Thomas Kretschmann, Marta Gastini, Asia Argento, Unax Ugalde, Rutger Hauer
Zusatzmaterial: Making-of, Musikvideo, Original Kinotrailer, Aufnahmen von Argentos Besuch in Wien
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2014 Koch Media

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