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Archiv für den Monat August 2014

Dario Argentos Dracula – Der tiefe Fall des Giallo-Altmeisters

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Dracula 3D

Von Simon Kyprianou

Horror // Man wird wehmütig, wenn man an die Hochphase von Dario Argento zurückdenkt. Damals in den 60ern, 70ern und 80ern drehte er Gialli und Horrorfilme von außergewöhnlicher Güte und Brillanz, etwa „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“, „Suspiria“, „Deep Red“, „Phenomena“ und „Opera“ und hat unzählige Filmemacher, vornehmlich Horrorregisseure, mit seiner einzigartigen Handschrift beeinflusst.

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„In was für einen Film hat mein Agent mich denn nun wieder bugsiert?“

Argentos Filme von damals sind von unglaublicher visueller Pracht, fantastische Bildkompositionen, eine ausgeklügelte Farbdramaturgie, intelligent sexualisiert, sinnlich, rauschhafte Gewalt, ein hypnotisches Kino, voller Ästhetik und Schönheit. Mit interessant und zärtlich gezeichneten Figuren war es ein Kino von tödlicher Anmut. Viel übrig geblieben ist davon in seinem Spätwerk bedauerlicherweise nicht.

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„Menno – gegen Tiere kann man eben nicht anspielen.“

„Opera“ aus dem Jahr 1987 kann man wohl als Wendepunkt in seiner Karriere sehen, sein letzter großer Film, vielleicht sogar sein bester, eine geschickte, ultraradikale Reflexion über Gewalt im Genrekino. Danach ging es wie bei vielen Regisseuren steil bergab. Mit jedem Film dekonstruierte sich Argento selbst ein wenig mehr, am schlimmsten wurde es mit seinen beiden jüngsten Filmen „Giallo“ (2009), der bestenfalls als Groteske denn als Thriller taugte und nun mit „Dracula 3D“.

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„Wie lautete noch die Regieanweisung? Ach ja: Beißerchen auf!“

Der Film erzählt die klassische Dracula-Story, rund um die Konfrontation von Graf Dracula (Thomas Kretschmann) mit dem Vampirjäger Van Helsing (Rutger Hauer), angesiedelt in den Karpaten.

Argentos miesester Film

„Dracula“ ist furchtbar. Nichts zeugt von Argentos alter Größe, nichts zeugt von seinem früheren Talent, der Film ist hässlich und unästhetisch, da gibt es keinen sinnlichen Gewaltrausch, keine schönen Bilder, keine wilden Kamerafahrten, keinen hypnotischen Soundtrack, keinen Horror. Es ist nur ein dumpfes und langweiliges, dilettantisch inszeniertes, peinliches Blut-und-Titten-Schmuddelfilmchen ohne Sinn und Zweck.

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„Papi, geh in Rente!“

Asia Argento und Thomas Kretschmann sind ebenfalls furchtbar, nicht einmal Rutger Hauer kann da noch etwas rausreißen. Zweifellos einer der schlechtesten Filme des Jahres, ist „Dracula“ wohl auch der mit Abstand schlechteste Film von Argento, der vielleicht besser daran tun würde, sich Gedanken über ein Karriereende zu machen. Tiefer fallen kann er jedenfalls nicht.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Dario Argento sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Rutger Hauer in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 28. August 2014 als 3D Blu-ray, Blu-ray und DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 106 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Dracula 3D
IT/F/SP 2012
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento, Enrique Cerezo, Stefano Piani, Antonio Tentori, nach der Vorlage von Bram Stoker
Besetzung: Thomas Kretschmann, Marta Gastini, Asia Argento, Unax Ugalde, Rutger Hauer
Zusatzmaterial: Making-of, Musikvideo, Original Kinotrailer, Aufnahmen von Argentos Besuch in Wien
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2014 Koch Media

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Only Lovers Left Alive – Vampire im Hamburger Kir

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Only Lovers Left Alive

Von Volker Schönenberger

Vampir-Melodram // Meine geschätzte Autorin Anja Rohde hat zum Kinostart von „Only Lovers Left Alive“ im Dezember 2013 bereits formidable Worte über den Film gefunden, daher kann an dieser Stelle auf eine Inhaltsangabe verzichtet werden. Die Geschichte des melancholischen Vampir-Ehepaars Adam (Tom Hiddleston) und Eve (Tilda Swinton) ist für Anja ihr Film des Jahres, für mich immerhin ein berückendes Erlebnis voll morbiden Charmes.

Traumhaft als Vampire: Tilda Swinton und Tom Hiddleston

Swinton und Hiddleston sind einfach hinreißend, Regisseur Jim Jarmusch hat für die Parts die beiden perfekten Schauspieler gefunden. Das ist umso bemerkenswerter, als Swinton und John Hurt – er spielt einen alten Freund Eves – schon sieben Jahre vor Entstehung des Films ihr Mitwirken zugesagt hatten, als Jarmusch einen ersten Drehbuchentwurf fertiggestellt hatte.

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Adam liebt die Musik …

Jeder Filmgucker denkt bei Adam und Eve sofort ans Alte Testament – und liegt in diesem Fall doch falsch: Im Presseheft zum Film verrät Jarmusch: Mein Drehbuch ist teilweise durch Mark Twains letzten Roman inspiriert, „Die Tagebücher von Adam und Eva“, auch wenn es im Film keinen anderen Verweis auf das Buch gibt als die Namen der Charaktere.

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… und ist doch voll Todessehnsucht

Die weitere Lektüre des Pressehefts offenbart, dass sich mir bei der ersten Sichtung des Films eine Ebene nicht erschlossen hat, denn der Regisseur verrät: Adam und Eve seien Metaphern für den derzeitigen Zustand menschlichen Daseins – sie sind verletzbar und bedroht von den Naturgewalten und dem kurzsichtigen Verhalten derjenigen, die an der Macht sind. Ob mir der Blick fehlt, dies bei „Only Lovers Left Alive“ zu erkennen, oder Jim Jarmusch es nicht deutlich genug herausgestellt hat, kann dahingestellt bleiben, ein interessanter Aspekt zum Reflektieren über den Film ist die Information allemal.

Drehort Hamburg

Was Pressehefte alles so enthüllen: Die Aufnahmen zum Konzert im Film ist in einem Club in Hamburg entstanden. Kurzes Googeln offenbart: Es ist das Kir. Da ich das neue Kir bislang nur einmal besucht habe, verzeihe ich mir, es als Hamburger Jung nicht sogleich erkannt zu haben.

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Macht die Liebe über Jahrhunderte …

Wer einen Horrorfilm erwartet, weil Vampire Wesen der Finsternis sind, sei gewarnt: Das Genre Vampir-Melodram haben Anja und ich bewusst gewählt, das Wort Horror bewusst vermieden. Mit Horror hat „Only Lovers Left Alive“ nichts zu tun, es ist vielmehr eine intelligente Reflexion über die Liebe. Es geht gar um die ewige Liebe, und welche Figuren eignen sich dafür besser als die nahezu unsterblichen Vampire?

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… die beiden zu den only lovers left alive?

So oder so hat „Only Lovers Left Alive“ verdient, auch von Fans der von Max Schreck, Bela Lugosi, Christopher Lee, Gary Oldman und anderen verkörperten Blutsauger geschaut zu werden. Jim Jarmusch ist ein hinreißendes Werk gelungen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jim Jarmusch sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Tilda Swinton, Tom Hiddleston und Anton Yelchin unter Schauspielerinnen bzw. Schauspieler.

Veröffentlichung: 11. Juli 2014 als Blu-ray, 27. Juni 2014 als DVD

Länge: 118 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Original (Englisch, Französisch, Arabisch), Audiokommentar für Sehbehinderte
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Only Lovers Left Alive
GB/D/F/ZYP/USA 2013
Regie: Jim Jarmusch
Drehbuch: Jim Jarmusch
Besetzung: Tilda Swinton, Tom Hiddleston, John Hurt, Anton Yelchin, Mia Wasikowska, Jeffrey Wright
Zusatzmaterial: Deleted and extended scenes, Musikvideo „Hal“ (Yasmin Hamdan), Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2014 Pandora Film Verleih / Al!ve AG

 

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The Congress – Es geht futurologisch zu

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The Congress

Von Volker Schönenberger

Science-Fiction // Robin Wright spielt sich selbst – als abgehalfterte Schauspielerin, die mit Mitte 40 auf eine leidlich erfolgreiche, aber letztlich gescheiterte Karriere zurückblickt und auf Anraten ihres Agenten (Harvey Keitel) das letzte Angebot einer Filmproduktionsfirma annimmt: sich scannen zu lassen und für 20 Jahre die Rechte an ihrem Abbild abzutreten. Robins Scan wird fortan als computeranimierte Figur Rollen annehmen, sie selbst sich ohne jedes Mitspracherecht mit einem üppigen Honorar aufs Altenteil zurückziehen.

Für weitere Details zum Inhalt sei auf die Rezension zum Kinostart im September 2013 verwiesen. Der lose auf Motiven von Stanislaw Lems Roman „Der futurologische Kongress“ basierende Film ist eine perfekte Mischung aus Real- und Computertrickfilm. Der betörende Bilderrausch wurde mehrfach prämiert, darunter mit drei Preisen beim Fantastic Fest in Austin (Texas) und dem Kritikerpreis beim Catalonian International Film Festival im spanischen Sitges. Auch einen Europäischen Filmpreis als bester Animationsfilm gab’s 2013.

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Robin Wright erhält ein letztes Angebot

Letztlich ist der Film schwer zu ergründen. Man kann ihn als Stückwerk kritisieren, das seine Fragmente nicht zu Ende erzählt – etwa die Reflexion über Hollywood, die drogengeschwängerte Realitätsverschiebung sowie die Sozialkritik zum Ende. Manch ein Bruch wirkt obendrein abrupt. Aber hätte das Stückwerk wirklich weitergesponnen gehört? Muss jede Frage beantwortet werden? Dem einen missfällt das Rätselhafte, offen Bleibende, dem anderen – zum Beispiel dem Blogger von „Die Nacht der lebenden Texte“ – reicht das völlig aus, zumindest in diesem Fall (gemeinhin bin ich auch gern mal unzufrieden, wenn Fragen offen bleiben). So wirkt „The Congress“ auf jeden Filmgucker anders, und das ist womöglich das, was Regisseur Ari Folman erreichen wollte.

Zur Rezension anlässlich des Kinostarts geht’s auch hier.

Veröffentlichung: 20. Juni 2014 als Blu-ray, 13. Juni 2014 als DVD

Länge: 122 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Congress
ISR/D/POL/LUX/F/BEL 2013
Regie: Ari Folman
Drehbuch: Ari Folman, nach einem Roman von Stanislaw Lem
Besetzung: Robin Wright, Harvey Keitel, Paul Giamatti, Danny Huston, Jon Hamm
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Ari Folman, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Foto & Packshot: © 2014 Pandora Film Verleih / Al!ve AG

 

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