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Ein Brief an Momo – Die Geister, die ich rief

07 Sep

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Momo e no tegami

Gastrezension von Matthias Holm

Anime-Drama // Die introvertierte Momo zieht nach dem Tod ihres Vaters mit ihrer Mutter aus Tokio in ein Dörfchen auf der kleinen Insel Shio. Das Teenager-Mädchen verkraftet das tragische Ereignis nicht gut und grübelt darüber nach, was der Vater ihm in einem unvollendeten Brief sagen wollte. Doch eines Tages wird ihr Leben gehörig auf den Kopf gestellt: Plötzlich kann sie drei Geisterwesen sehen. Diese sogenannten Yōkai sorgen für allerhand Unruhe auf der Insel und Momo hat alle Hände voll zu tun, sich um die drei zu kümmern. Doch warum sind die Geister wirklich in der materiellen Welt?

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Momo zieht mit ihrer Mutter aufs Land

Hört sich erst mal an wie eine Geschichte, für die das Studio Ghibli bekannt ist. Doch der kreative Kopf hinter „Ein Brief an Momo“ stammt nicht aus dem Hause Ghibli. Drehbuchautor und Regisseur Hiroyuki Okiura hat bisher erst bei einem anderen Film Regie geführt: bei der Anime-Perle „Jin-Roh“. Doch die Klasse seines Erstlings von 1999 erreicht Okiura mit „Ein Brief an Momo“ nicht annähernd.

Die Geschichte hat viele interessante Aspekte: Momos innere Verschlossenheit, ihr Alleinsein, die nervigen Geister. Doch die vielen Konflikte werden immer nur oberflächlich angekratzt. Dadurch entsteht keine richtige Dramaturgie, sodass der Film knapp 90 Minuten vor sich hin plätschert. Erst gegen Ende geschieht etwas Aufregendes, doch da sind die meisten Zuschauer wohl bereits eingeschlafen.

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Wer würde solchen Gestalten schon vertrauen?

Schade ist es um den Look des Films. Die Figuren haben einen deutlich realistischeren Stil als im Rest des Genres, was auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig ist. Auch kann „Ein Brief an Momo“ in Sachen Detailverliebtheit nicht mit den Großen des Genres mitspielen. Dennoch strahlt der Film einen wunderbaren, schrägen Charme aus.

Wer also auf der Suche nach einem geruhsamen Feierabend-Ausklang ist, kann sich „Ein Brief an Momo“ unbesorgt zulegen. Wer aber nicht zusehen möchte, wie ein Mädchen zwei Stunden durch ein einsames Dorf geht, der sollte lieber die Finger davon lassen.

Veröffentlichung: 5. September 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 120 Min. (Blu-ray), 115 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Momo e no tegami
JAP 2011
Regie: Hiroyuki Okiura
Drehbuch: Hiroyuki Okiura
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2014 by Matthias Holm
Szenenbilder & Packshot: © 2014 Universum Film

 
 

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2 Antworten zu “Ein Brief an Momo – Die Geister, die ich rief

  1. kinderkanalhasser

    2014/10/25 at 12:04

    Es ist schon schade wenn nicht sogar unverschämt, dass die deutsche Version (mal wieder) keine Extras wie das das Making-of (38:14 min) und Interview mit Hiroyuki Okiura (25:00 min) beinhaltet. Wenn hier keine Special Edition wie in Frankreich herauskommt, werde ich auf jeden Fall auf den Kauf verzichten. Traurig, hätte man echt besser machen können wie unsere Nachbarn.

     
    • Matthias

      2014/10/26 at 17:55

      Definitiv, gerade über den Zeichenstil hätte ich gerne mehr erfahren, war das doch das Interessanteste am gesamten Film. Allerdings schauen wir, wie du bereits angesprochen hast, beim Thema „Heimkino-Extras“ ja doch häufiger in die Röhre. So richtig ist mir das auch erst aufgefallen, seitdem ich für diesen Blog schreibe, aber die ganzen Animes kommen wirklich fast immer ohne Extras (außer es sind die Studio-Ghibli-Blu-rays). ALlerdings haben die auch nur das gleiche Bonusmaterial wie die Special Edition DVDs …)

       

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