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Dracula Untold – Blutleerer Blutsauger

01 Okt

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Dracula Untold

Kinostart: 2. Oktober 2014

Gastrezension von Matthias Holm

Fantasy-Action // Was ist nur in letzter Zeit aus Vampiren geworden? Schon in der Serie „True Blood“ verliebten sich einige der Blutsauger in Menschen, was dort jedoch zu blutigen Konflikten führte. Über eine gewisse Buch- und Filmreihe um glitzernde Exemplare legen wir den Mantel des Schweigens. Regisseur Gary Shore hingegen will in seinem ersten Langfilm zurück zu den Wurzeln der Vampire, zum ersten und grausamsten: Vlad Țepeș, auch bekannt unter dem Namen Dracula. So suggeriert es zumindest der Titel. Dass man auf der Leinwand allerdings einen schlechten 08/15-Fantasy-Streifen vorgesetzt bekommt, der mit der Horrorfigur von Bram Stoker außer dem Namen nichts gemeinsam hat, ist die andere Seite der Medaille.

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Für seine Familie tut Vlad alles

Prinz Vlad Țepeș (Luke Evans) hat es geschafft, seinen Untertanen eine lange Friedensperiode zu schenken. Die Türken unter der Führung von Sultan Mehmed (Dominic Cooper) jedoch wollen von den Transylvanniern alle Jungen haben, die zu kämpfen in der Lage sind. Ein Schicksal, das der Prinz nur zu gut kennt: Auch er wurde von den Türken zu einem brutalen Kämpfer ausgebildet, der seine erlegten Feinde auf Holzpfählen pfählte. Um seinen Sohn (Art Parkinson) vor dem gleichen Schicksal zu bewahren, stellt sich Vlad gegen das türkische Imperium. Doch da seine Streitmacht nicht annähernd groß genug ist, um es mit dem gegnerischen Heer aufzunehmen, sucht der Prinz sein Heil in einer dunklen Macht.

Fehler Nummer eins: Gary Shore dreht einen Vampir-Film, der ab zwölf Jahren freigegeben ist. Es gibt den einen oder anderen Jump-Scare und einige unangenehme Bilder. Ansonsten präsentiert sich „Dracula Untold“ zart wie ein Lamm. Es gibt keine Szene, die auch nur im entferntesten daran erinnert, dass wir es hier mit einer Figur aus der Horror-Literatur zu tun haben. Hin und wieder gelingt es Shore zwar, eine bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen, die betont coole Inszenierung hebelt das aber aus.

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Mehmed weiß nicht, gegen welch dunkle Kräfte er kämpft

Fehler Nummer zwei: Drehbuchschreiber und Regisseur ignorieren jegliche Logik und jegliche Regel des Ausgangsmaterials. Vampire haben kein Problem mit Silber. Nun liegt es Shore anscheinend daran, einen eigenen neuen Kosmos zu schaffen, in dem Vampire allergisch gegen Silber auf ihrer Haut reagieren, da es sie verbrennt. Kann ich mit leben. Aber wieso wird ein Vampir durch einen Raum voller Silbermünzen geschwächt, wenn er sie nicht einmal berührt? Anderes Beispiel: Vlad achtet nach seiner Verwandlung, die sich im Übrigen komplett anders vollzieht als üblicherweise bei Vampiren, sehr darauf, nicht in die Sonne zu treten. Doch als er seinem Sohn eine Waffenkammer zeigt – wieso er das tut, bleibt im Dunkeln – hat er kein Problem, durch einen dicken Sonnenstrahl zu gehen, der durch die Decke scheint. Und dass man Vampire in Spiegelungen eigentlich nicht sehen kann, wird für eine, zugegebenermaßen sehr gut anzusehende Kampfsequenz auch ignoriert.

Fehler Nummer drei: die komplette Story. Man kann es hinnehmen, dass „Dracula Untold“ kein Horrorfilm ist. Diese Schlussfolgerung hatte ich bereits nach dem ersten Trailer gemacht. Allerdings ist es unverständlich, wieso man einen Film abliefert, der im Grunde genommen eine weitere Superhelden-Ursprungsgeschichte ist. Als Vlad seine neuen Kräfte entdeckt, habe ich mich ernsthaft an ähnliche Szenen aus dem ersten „Spider-Man“ mit Tobey Maguire erinnert gefühlt. Ich habe andauernd erwartet, dass gleich eine der Figuren „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“ sagt. Dass die komplette Geschichte – nicht zuletzt aufgrund eines bereits im Vorfeld bekannten Ausgangs – in komplett vorhersehbaren Bahnen verläuft, ist da nur das i-Tüpfelchen. Schade um den charismatischen Luke Evans, der sich nach Rollen in dem beinharten Horror-Slasher „No One Lives – Keiner überlebt!“, „Fast & Furious 6“ und dem zweiten und dritten Hobbit-Film anschickt, zum Star zu werden.

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Der Prinz in voller Kampfmontur

„Dracula Untold“ ist ein typischer Gehirn-Ausschalten-Film. Doch selbst dabei versagt der Film, da trotz der geringen Laufzeit einfach zu wenig stattfindet. Die Entwicklung der Figur Dracula ist langweilig und einfallslos. Am Ende wird deutlich, dass „Dracula Untold“ der Auftakt zu einer neuen Filmreihe sein soll. Ich hoffe inständig, dass es dazu nie kommen wird.

Länge: 92 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Dracula Untold
USA 2014
Regie: Gary Shore
Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless
Besetzung: Luke Evans, Dominic Cooper, Sarah Gadon, Art Parkinson, Charles Dance
Verleih: Universal Pictures Germany

Copyright 2014 by Matthias Holm


Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2014 Universal Pictures

 

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