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Good Vibrations – Der Einäugige ist König

17 Okt

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Good Vibrations

Gastrezension von Anja Rohde

Drama // Viele Musikliebhaber kennen die Geschichte von John Peel und seinem Lieblingssong. Als der legendäre britische DJ zum ersten Mal „Teenage Kicks“ von der nordirischen Band „The Undertones“ im Radio auflegt, setzt er direkt nach dem Lied die Plattennadel erneut auf und spielt das Stück ein zweites Mal. Er erklärt es zu seinem Lebenslieblingssong, wünscht sich eine Liedzeile daraus auf seinem Grabstein. Und natürlich wird bei seiner Trauerfeier „Teenage Kicks“ gespielt.

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Ein Plattenladen im Krisengebiet – Terry traut sich was

Weniger überliefert ist die Story, unter welchen Umständen die Platte zu Peel gelangt. Wie Terry Hooley, der „Godfather of Punk“ aus dem irischen Belfast in den späten Siebzigern den Punk für sich entdeckt und schließlich mit der selbst verlegten Single nach London reist, erzählt dieser wunderbare Gutelaunefilm.

Ein Feel-Good-Movie, das während des irischen Bürgerkriegs spielt? Ja, das funktioniert. Denn es geht dem Protagonisten Terry Hooley (Richard Dormer) genau darum: der Gesellschaft zu zeigen, wie unsinnig diese Auseinandersetzungen sind, und dass vor allem die jungen Leuten nach ganz anderen Ideen und Werten leben wollen.

Statt Politik und Religion: Musik!

Als die Ausgehlust in Belfast aufgrund der Unruhen schwindet und Terry dies als Kneipen-DJ zu spüren bekommt, eröffnet er einen Plattenladen mitten im umkämpften Gebiet. Er nennt ihn „Good Vibrations“. Bald wird der Laden zur Oase für Andersdenkende jenseits von Politik und Religion.

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Freude über eine musikalische Revolution

Als sich Punk in Gestalt von Bands wie „Rudi“ („Big Time“) und „The Outcasts“ („Justa Nother Teenage Rebel“) auch in Irland ausbreitet, ist Terry sofort Feuer und Flamme. Selbst voller Energie und Optimismus, organisiert er Konzerte und bringt sogar Platten heraus, weil die Bands keine Chance haben, bei großen Labels unterzukommen. Auch „The Undertones“ schaffen es, ihm eine Veröffentlichung abzuringen – siehe oben!

Gastauftritt des echten Terry Hooley

Wäre die Geschichte erfunden, würde man die warmherzige Naivität des Protagonisten belächeln. Terry Hooley aber existiert. Er lebt immer noch in Belfast und er mag den Film sehr. Sogar einen kleinen Gastauftritt gibt es zu entdecken. Und er hat wirklich nur ein sehendes Auge – das andere wurde ihm in jungen Jahren von Nachbarskindern mit einem Pfeil verletzt.

„Good Vibrations“ steht nicht nur für den Namen des Labels, sondern auch für den optimistischen Auftritt dieses Mannes, der ein so ganz anderer Superheld ist. Einen Menschen mit so viel Herz, so viel Idealismus und einer so großen Liebe zur Musik muss man einfach bewundern. Obwohl er gar nicht aussieht wie ein Punk und obwohl er fast zu alt fürs Herumhüpfen und Mitgrölen wirkt, ist er ein wahrer Vertreter dieser Lebensphilosophie: Punk ist Idealismus, Punk ist Lebensfreude und Leidenschaft, Punk bedeutet, sich nicht nach gesellschaftlichen Normen auszurichten. All das ist Hooley – nicht ohne die eine oder andere Niederlage im privaten Bereich einstecken zu müssen.

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„Good Vibrations isn’t a record shop. It’s not a label. It’s a way of life!“

Hüpfend auf dem Sofa

Auch viele andere Darsteller sind perfekt besetzt, doch es gelingt vor allem Richard Dormer, dieser wahren Geschichte so viel Glaubwürdigkeit einzuhauchen, dass man sich selbst wie auf einem Konzert fühlt, auf dem gerade etwas sehr Besonderes passiert. Und wenn nach mehreren Abenden mit dem Ohr am Radio Terry und seine Frau Ruth (Jodie Whittaker) endlich John Peel die für ihn abgegebene Single spielen hören, möchte man mit ihnen aufs Sofa hüpfen und sich mitfreuen.

Zu Recht hat „Good Vibrations“ einige Nominierungen und Auszeichnungen erhalten. Auch wir empfehlen einen gut gelaunten Abend mit Terry und seiner bunten Gang – am besten im englischen Original, denn Terrys Akzent ist ausgesprochen charmant!

Veröffentlichung: 17. Oktober 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 102 Min. (Blu-ray), 98 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Good Vibrations
GB/IRL 2012
Regie: Lisa Barros D’Sa, Glenn Leyburn
Drehbuch: Colin Carberry, Glenn Patterson
Besetzung: Richard Dormer, Jodie Whittaker, Liam Cunningham, Dylan Moran, Killian Scott, Andrew Simpson, Mark Ryder, David Wilmot, Adrian Dunbar
Zusatzmaterial: Booklet (Erstauflage), Making-of, Kinotrailer, B-Roll, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2014 by Anja Rohde

Fotos, Packshot & Trailer: © 2014 Rapid Eye Movies / Al!ve AG

 
 

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2 Antworten zu “Good Vibrations – Der Einäugige ist König

  1. Anja

    2014/10/19 at 16:05

    Es war mir ein Vergnügen — viel Spaß dabei!

     
  2. friedlvongrimm

    2014/10/17 at 09:55

    Das klingt absolut nach mir. Ich muss ihn unbedingt sehen. Danke für den Tipp!

     

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