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Dancer in the Dark – Meisterhaftes Musical

02 Nov

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Dancer in the Dark

Von Simon Kyprianou

Drama // Ich hatte schon immer ein Faible für das Musical-Genre. Vor allem amerikanische Musicals wie „Singin‘ In The Rain“ haben es mir angetan.

Lars von Trier ist einer der vielseitigsten Regisseure des Weltenkinos, kaum ein Genre hat er noch nicht bedient: in „Breaking the Waves“ das Melodram, in „Europa“ und „Element of Crime“ den Film noir, bzw. den Krimi, in „Idioten“ die Komödie, in „Antichrist“ den Horrorfilm, sogar einen Actionfilm will er angeblich drehen. Wie kaum ein Regisseur kann von Trier mit Genres und ihren Regeln spielen und sie mit seinen eigenwilligen Arthouse-Filmen kombinieren: „Dancer in the Dark“, der dritte Teil seiner Golden-Hearts-Trilogie nach „Breaking the Waves“ und „Idioten“, ist ein Musical, vermischt mit von Triers Dogma-95-Ästhetik.

Musical als Flucht aus dem tristen Alltag

Amerika, 1960er Jahre: Die tschechische Einwanderin Selma Jezkowa (Björk), Arbeiterin in einer Metallfabrik, erblindet langsam. Sie will verhindern, dass ihrem Sohn Gene (Vladica Kostic) das gleiche Schicksal wiederfährt, und versucht, das Geld für die rettende Augenoperation zusammenzusparen. Ihre einzige Erlösung aus dem harten, tristen Alltag ist die Welt der Musicals, in die sie sich begeben kann, in der die Welt stets in Ordnung ist. Durch üble Verstrickungen und Machenschaften gerät Selmas Leben jedoch schneller als gedacht aus den Fugen.

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Selma will ihren Sohn vor der Erblindung bewahren

Vielfach prämiert, unter anderem mit der Goldenen Palme in Cannes, ist „Dancer in the Dark“ ein wundervoller Film, auf der einen Seite ein grandioses Drama über eine im Industrialismus erkaltete Welt, die keine Schwächen zulässt, die Menschen ausbeutet und abarbeitet, aus dem Blickwinkel eines „goldenen Herzens“, einem reinen Menschen. Auf der anderen Seite sehen wir eine herrliche Ode an die Kraft des Kinos – immer dann, wenn sich Selma in die Musical-Welt flüchtet, in die Welt der Kunst, die Welt des Kinos, in der es kein Leid gibt. Das Kino als Ausweg aus dem Leid, als bessere Welt – wundervoll!

Großartiger Soundtrack

Wenn am Ende dann auch die Musicalwelt zusammenbricht, wenn die brutale Realität den Kampf gewinnt, dann ist das von Triers bittere, traurige, aber auch zutiefst ehrliche Konklusion. Der Soundtrack ist großartig, energiegeladen, gefühlvoll, akzentuiert, von von Trier und Björk gemeinsam geplant. Der Regisseur spielte Björk zur Inspiration Abba und die Backstreet Boys vor.

„Dancer in the Dark“ ist ein zeitloser Film, zeitlos gültig als Betrachtung einer kalten Welt und zeitlos gültig als Betrachtung der Kunst als Ausweg, eins von vielen Meisterwerken von Triers. Alle seine bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 14. August 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 140 Min. (Blu-ray), 134 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Dancer in the Dark
DK 2000
Regie: Lars von Trier
Drehbuch: Lars von Trier
Besetzung: Björk, Catherine Deneuve, David Morse, Peter Stormare, Vladica Kostic, Jean-Marc Barr, Udo Kier, Jens Albinus
Zusatzmaterial: Interviews (ca. 16 Min.), B-Roll – Blick hinter die Kulissen (ca. 4 Min.)
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Foto & Packshot: © 2014 Koch Media

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