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Audition – Partnersuche à la Miike

09 Nov

Audition-Cover

Ôdishon

Gastrezension von Matthias Holm

Horrorthriller // Ich habe mich auf diesem Blog bereits zweimal mit Takashi Miike auseinandergesetzt. Und obwohl ich sowohl „Lesson of the Evil“ als auch „Wara no tate – Die Gejagten“ durchaus etwas abgewinnen konnte, hatten beide ein ähnliches Problem: Sie hatten teilweise anstrengende Längen. Nun kommt mit „Audition“ eines der wohl bekanntesten Werke des japanischen Regisseurs auf Blu-ray zu uns.

Witwer sucht neue Liebe

Shigeharu Aoyama (Ryo Ishibashi) hatte einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften. Vor sieben Jahren verstarb seine Frau, seitdem zieht er seinen Sohn Shigehiko (Tetsu Sawaki) allein groß. Doch als der ihm sagt, dass er immer älter wirkt, sieht Shigeharu die Zeit gekommen, etwas zu verändern. Zusammen mit einem Arbeitskollegen beim Fernsehen veranstaltet er ein Vorsprechen (engl.: audition). Vordergründig geht es um eine Frauenrolle für eine TV-Produktion, doch Shigeharu möchte dabei eine neue Dame fürs Leben kennenlernen. Und tatsächlich wird er fündig. Doch hinter der Fassade der schönen Asami (Eihi Shiina) gibt es tiefe Abgründe.

Oder etwa doch nicht? Meine erste Reaktion nach dem Film war: Google anschmeißen und nach „Audition Interpretation“ suchen. Denn ab einem bestimmten Punkt driftet der Film in einen Wahnsinn ab, den man selten zuvor gesehen hat. Bis es zu diesem Punkt kommt, muss der Zuschauer allerdings einiges an Sitzfleisch mitbringen.

Takashi Miike erneut mit Längen

Denn wie die beiden oben genannten Miike-Streifen, kommt auch „Audition“ nicht ohne Längen aus, in diesem Fall befinden sie sich vor allem am Anfang. Nach dem Tod der namenlosen Mutter, der in seiner Inszenierung fast schon die Grenze zum Kitsch überschreitet, dauert es eine ganze Weile, bis sich der Wahnsinn in das Leben von Herrn Aoyama schleicht. Bis dahin redet er mit Asami und seinen Weggefährten über die verschiedensten Dinge – von geplatzten Träumen über die Arbeit bis hin zur großen Liebe werden alle Themen abgedeckt.

Torture Porn lässt grüßen

Das kann für den Zuschauer schnell ermüdend sein. Auch ich habe mich dabei erwischt, wie ich lieber etwas anderes gemacht hätte, als weiter den ausschweifenden Reden der Protagonisten zuzuhören. Doch sobald Aoyama weiter in der Vergangenheit seiner angeblichen Traumfrau gräbt, umso bizarrere Ausmaße nehmen die Albträume an, die er dort vorfindet. Eine besondere Erwähnung gilt dabei der Final-Sequenz, die heutige Torture-Porn Filme nicht unangenehmer gestalten können. Selten hat sich die Pein einer Filmfigur so intensiv auf mich als Zuschauer übertragen.

Schwierig zu entschlüsseln

Um den Film komplett zu entschlüsseln, scheint eine Frage zentral zu sein: Träumt Aoyama etwa? Oder ist alles, was er erlebt, bittere Realität? Ich spare es mir und dem Leser dieser Rezension, eine vollständige Interpretation zu schreiben. So viel sei gesagt: Die Farbkompositionen einzelner Sequenzen deuten schon sehr auf eine Art Fiebertraum hin.

Miike-Fans werden die Blu-ray schon ewig auf ihrer Wunschliste stehen haben. Allen anderen empfehle ich, einen Blick auf diesen äußerst ungewöhnlichen Film zu werfen – man darf sich nur vom zähen Anfang nicht abschrecken lassen.

Takashi Miike bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Audition (1999)
Lesson of the Evil (2012)
Wara no tate – Die Gejagten (2013)
Yakuza Apocalypse (2015)

Veröffentlichung: 24. Oktober 2014 als Blu-ray

Länge: 115 Min. (Blu-ray)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch (Synchronfassung von 2007), Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Ôdishon
JAP 1999
Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Daisuke Tengan, nach einem Roman von Ryû Murakami
Besetzung: Ryo Ishibashi, Eihi Shiina, Tetsu Sawaki, Miyuki Matsuda, Jun Kunimura, Renji Ishibashi, Toshie Negishi
Zusatzmaterial: Exklusives Interview mit Takashi Miike (ca. 50 Min.),
Kinotrailer, Verpackung: Softbox in hochwertigem Schuber, Booklet
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2014 by Matthias Holm
Packshot: © 2014 Rapid Eye Movies / Al!ve AG

 

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