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The Sacrament – Aberwitzige Brutalität

10 Nov

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The Sacrament

Von Simon Kyprianou

Horrorthriller // Die ersten Bilder machen es bereits deutlich: Ti West wendet sich mit „The Sacrament“ ab von seinen beiden vollends klassischen, radikal durchkomponierten, formvollendeten, auf Film gedrehten Horrorgemälden „The House of the Devil“ und „The Innkeepers – Hotel des Schreckens“ und kombiniert hier Found-Footage-Ästhetik mit dem Genre der Mockumentary.

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Die Reporter treffen in Eden Parish ein

Die Geschichte ist angelegt an den Jonestown-Massensuizid vom 18. November 1978. West verlegt das Geschehen in die Gegenwart. Bei ihm dringen drei Vice-Magazine-Reporter (Kentucker Audley, AJ Bowen, Joe Swanberg) zur von der Außenwelt abgeriegelten christlichen Gemeinde Eden Parish vor, die von „Vater“ (Gene Jones) regiert wird. Dort werden sie Zeugen eines unerträglich brutalen Schauspiels.

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Vater mit einem seiner Schäfchen

Gerade die Exposition war für West immer von außerordentlicher Bedeutung, nahm in „The House of the Devil“ und „The Innkeepers – Hotel des Schreckens“ eine wichtige Rolle ein, war essenziell für Wests Spannungsaufbau. In „The Sacrament“ gibt es keine. Texttafeln werfen den Zuschauer unmittelbar ins Geschehen herein und so merkt man, wie intelligent und klug West mit dem Found-Footage-Stil umzugehen vermag. Mit dem Verzicht auf Exposition erzeugt er eine Rohheit, die Unmittelbarkeit des Materials bewirkt ein Gefühl von Unsicherheit und fehlendem Halt. Teilweise ist der Film auch mit Zwischen-Überschriften strukturiert, was ihn fragmentarisch und unzuverlässig erscheinen lässt.

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Das Massaker nimmt seinen Lauf

Zum Anfang hin interviewen die Reporter einige Bewohner von Eden Parish, für eine kurzer Zeit lässt uns West teilhaben an einer makellosen, bittersüßen Utopie, wir werden von ihrer Schönheit geblendet und vom Zweifel zerfressen. Dann, wenn die Welt aus den Fugen gerät, die Gewalt überhandnimmt, verdichtet West den Found-Footage-Stil mit dem Mockumentary-Genre endgültig zu einem aberwitzigen, ultrabrutalen, nicht mehr stillstehenden Terrorfilm-Ungeheuer. Ein wundervoll aufregender, interessanter Horrorfilm. Die Vorfreude auf Wests kommendes Werk, der Western „In a Valley of Violence“ mit Ethan Hawke und John Travolta, könnte größer nicht sein.

Ti West bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

The House of the Devil (2009)
The Innkeepers – Hotel des Schreckens (2011)
The Sacrament (2013)

Veröffentlichung: 6. November 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: The Sacrament
USA 2013
Regie: Ti West
Drehbuch: Ti West
Besetzung: Joe Swanberg, AJ Bowen, Kentucker Audley, Kate Lyn Sheil, Amy Seimetz
Zusatzmaterial: Deutscher und englischer Trailer, Wendecover
Vertrieb: Highlight Communications / Constantin Film

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2014 Highlight Communications / Constantin Film

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