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The Zero Theorem – Philosophie und Mathematik

24 Nov

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The Zero Theorem

Kinostart: 27. November 2014

Von Matthias Holm

SF-Drama // Ja, ich gebe es zu: „The Zero Theorem“ war mein erster Terry-Gilliam-Film. Ich weiß zwar um seine großen Klassiker wie „Brazil“ oder „12 Monkeys“, und natürlich auch seine anderen gefeierten Filme wie „König der Fischer“ und „Fear and Loathing in Las Vegas“, allerdings bin ich nie dazu gekommen, die mal nachzuholen. Ich hoffe dabei inständig, dass die Filme ihren Ruf gerecht werden. Denn nach „The Zero Theorem“ bin ich skeptisch.

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Aus dem gläsernen Büro …

Finde das Zero Theorem!

Qohen Leth (Christoph Waltz) ist ein Mathematik-Genie. In einer nicht näher bestimmten Zukunft arbeitet er für einen Mann, den man nur unter dem Namen „Management“ kennt (Matt Damon). Dieser gibt dem Sonderling Qohen, welcher auch immer nur in der dritten Person von sich redet, einen speziellen Auftrag: Er soll das „Zero Theorem“ finden. An dieser Aufgabe sind jedoch schon viele kluge Köpfe gescheitert.

Viel interessanter wird die Geschichte nicht. Qohens Aufgabe, nach dem „Zero Theorem“, das angeblich die Antwort auf die wichtigen Fragen des Lebens bereithält, scheint für Gilliam nur ein Aufhänger zu sein, um philosophische Phrasen auf die Zuschauer loszulassen. Dabei gibt es einige wunderbare Anspielungen auf unsere Gesellschaft. Zum Beispiel ist Qohens Arbeitsplatz unangenehm offen – er wird rund um die Uhr überprüft. Des Weiteren ist nicht wirklich nachzuvollziehen, was genau er da eigentlich macht – er drückt Knöpfe, zieht Hebel und gibt farbige Ampullen ab. Ein anderer offensichtlicher Seitenhieb auf unsere Zeit ist eine Party, bei der jeder Besucher über Kopfhörer seine eigenen Lieder hört. Für wen das nach Zukunftsmusik klingt: Sucht einfach mal bei Google nach „Silent Disco“!

Wohnen in der Kirche

Das alles ist in einer Welt angesiedelt, die stark nach einer trashigen Variante von „Das fünfte Element“ ausschaut. Hier rennt die Werbung den Menschen hinterher, es ist eng und über merkwürdige Anzüge gelangt man per Gedankenkraft ins Internet. So blöd sich das anhört, so charmant wirkt es auf der großen Leinwand. Doch sobald der Plot um das Zero Theorem in Fahrt kommt, offenbart sich der offensichtliche Budgetmangel. Dann spielt sich der Film nämlich fast ausschließlich in der Wohnung von Qohen ab, einer alten, verfallenen Kirche.

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… ins Home-Office mit eigener Psychologin

Und ab da beginnen die wenigen Figuren, die der Zuschauer kennengelernt hat, über die wichtigen Dinge im Leben, wie die Liebe oder das Erreichen von persönlichen Zielen zu diskutieren. Für mich wird ein Film wie dieser dann allerdings unglaubwürdig, wenn sogar ein 15-Jähriger und eine Prostituierte über diese Dinge reden, als hätten sie gerade ihren Master in Philosophie gemacht.

Jazzige Coverversion: Radiohead’s „Creep“

Dann entwickelt sich der Film zum Instrument des Drehbuchschreibers, um seine Gedanken unters Volk zu bringen. Wenn dabei eine interessante Geschichte erzählt wird, könnte ich damit leben. Doch die Suche nach dem Zero Theorem, die auch eher an ein Computerspiel erinnert, ist trotz guter Besetzung ziemlich öde und langweilig. Immerhin gibt es eine nette Schlusspointe mit gelungener musikalischer Untermalung – einer Jazz-Variante von Radioheads „Creep“.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Terry Gilliam sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Matt Damon und/oder Christoph Waltz in der Rubrik Schauspieler, Filme mit Tilda Swinton in der Rubrik Schauspielerinnen.

Länge: 107 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Zero Theorem
GB/RUM/F/USA 2013
Regie: Terry Gilliam
Drehbuch: Pat Rushin
Besetzung: Christoph Waltz, Tilda Swinton, Matt Damon, Lucas Hedges, David Thewlis, Mélanie Thierry, Gwendoline Christie, Rupert Friend, Lily Cole
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

Copyright 2014 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2014 Concorde Filmverleih GmbH

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3 Kommentare

Verfasst von - 2014/11/24 in Film, Kino, Rezensionen

 

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3 Antworten zu “The Zero Theorem – Philosophie und Mathematik

  1. Fatherleft

    2014/11/24 at 11:59

    Ich vermute, man sollte nicht unbedingt mit diesem Film anfangen, sich ins Terry-Gilliam-Universum zu begeben. Wie schon beim „Imaginarium des Doktor Parnassus“ ist das definitiv ein Film, der beim ersten Mal überfordert.

    Ich erinnere mich noch an mein erstes Mal Brazil, auf VHS. Mein Freund schaltete den Film ungelogen zwei Minuten vor Ende aus, weil er „den Scheiß nicht mehr erträgt“. Kurz darauf hat es sich ergeben, dass ich den Film drei Mal hintereinander im Kino gesehen habe, und ich musste feststellen, dass sich Terry-Gilliam-Filme einfach dadurch auszeichnen, dass sie von Mal zu Mal kurzweiliger (und brillianter) werden.

    Das hat sich bislang eigentlich bei jedem Gilliam Film bestätigt. Vermutlich liegt das daran, dass Herr Gilliam die klassische 3-Akt-Struktur sehr geschickt zu verstecken weiß und man beim ersten Schauen nicht wirklich weiß, wo das noch hinführen soll. Prinzipiell ist das nicht das schlechteste, was man über einen Film sagen kann.

     
    • Matthias

      2014/11/25 at 09:54

      Vielleicht kann das sein, dass man den Film mehrmals gucken muss. Ich habe jedoch bereits auf anderen Portalen gelesen, dass Gilliam im Grunde genommen nur eine schlechte Brazil-Variante gedreht hat. Die Rezension wäre auch weitaus positiver ausgefallen, wenn irgendein roter Faden in der Story gewesen wäre – doch die dümpelt nur vor sich hin und hier geht es mir nicht mal und die 3-Akt-Struktur. 😉

      Keine Angst, ich bin durch diesen Film nicht abgeschreckt. Natürlich werde ich mir noch andere Gilliams angucken. Allerdings, wenn ich jetzt „The Zero Theorem“ mit anderen Werken vergleiche, die mehrmaliges Gucken benötigen (Mulholland Drive, A Tale of two Sisters …), dann hatte der Film beim ersten Mal nicht annähernd diese Sog-Wirkung auf mich, die ein Film dieser Art eigentlich haben sollte.

       
      • Fatherleft

        2014/11/26 at 10:05

        Ja dass einige Blogger das mit Brazil in einen Topf werfen, kann ich schon verstehen. Nach dem Motto: Beides ist eine reizüberflutete Zukunftsvision. Dann muss das zweite ja eine schlechte Kopie sein.

        Ich glaube aus diesem Brazil-Vergleich spricht eher die Enttäuschung, dass es kein neuer Brazil ist. Die beiden Filme sind thematisch meilenweit voneinander, und ich vermute, dass man es niemanden übel nehmen kann, wenn er The Zero Theorem nicht mag, aber Brazil ist eine Hommage an Kafkas Prozess (mit einer Prise 1984) und als Mittelteil von Giliams Fantasie-Trilogie (zwischen Time Bandits und Münchhausen) konzipiert, und The Zero Theorem ist … Naja, da muss ich nochmal nachdenken, wie man diese esotherische Meditation am besten umschreibt.

        Wie gesagt: Ich kann es verstehen, dass man ihn nicht mag. Terry Gilliam überfordert sein Publikum doch sehr und die Schauwerte alleine verführen nicht unbedingt zu einem zweiten Ansehen. Vielleicht tut es Terry Gilliam ganz gut, wenn er von einem strengen Produzenten zu etwas mehr Publikumsgefälligkeit gezwungen wird. Bei Brazil musste er ja auch lange kämpfen, damit in Amerika nicht die um 50 Minuten gekürzte „Love Conquers All“-Version in die Kinos kam und in Twelve Monkeys hat sich seine großartige visionäre Kraft hervorragend in eine Geschichte um die Frage „Was ist Realität?“ eingefügt, die nicht nur Philosophie-Doktoranden ins Kino gebracht hat. Als Einstieg in Terry Gilliams Welt und auch seine Probleme mit der Realität eignet sich „Der Hamsterfaktor“ von der Twelve-Monkeys-DVD hervorragend. Dann versteht man, warum er immer am Rande der Pleite entlang schlittert und warum es um jeden Film schade ist, den er nicht drehen kann.

         

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