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Dritte Person – Autor in Sinnkrise

04 Dez

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Third Person

Kinostart: 4. Dezember 2014

Gastrezension von Simon Kyprianou

Drama // „Dritte Person“ hat leider den biederen, oberflächlichen Charme des hochgezüchteten Hollywood-Gefühlskinos und ertränkt sich zum Ende hin dann auch mehr und mehr im Kitsch der schlechten Sorte – wird zu blödem Twist-Kino. Regisseur Paul Haggis („L. A. Crash“) hat große Vorbilder. Drei Städte als Handlungsorte – Rom, Paris, New York –, das erinnert an Krzysztof Kieslowskis Drei-Farben-Trilogie, und natürlich: So offensichtlich wie nur möglich eifert „Dritte Person“ Paul Thomas Andersons Menschlichkeits-Mosaik „Magnolia“ nach.

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Finden Anna und Michael zusammen?

Haggis macht zu Beginn einiges richtig. Er erzählt sein Gefühls-Kaleidoskop stimmig und springt gekonnt zwischen den Episoden hin und her. Im Verlauf werden sie aber ziemlich unnatürlich und krampfhaft miteinander verbunden. Ein natürlich fließender Filmrausch wie bei Paul Thomas Anderson jedenfalls gelingt Haggis bei Weitem nicht.

Die Episoden sind an sich gut geschrieben und inszeniert: die Liebe zwischen Pulitzer-Preisträger Michael (Liam Neeson) und der jungen Autorin Anna (Olivia Wilde), der Kampf zwischen Julia (Mila Kunis) und Rick (James Franco) um das Sorgerecht des gemeinsamen Sohns und der Kampf gegen einen Kindesentführer von Sean (Adrian Brody) und seiner geheimnisvollen Reisebekanntschaft Monika (Moran Atias). All diese Episoden kreisen um kaputte Beziehungen und um gescheiterte Elternschaft, die Themen reichen von Ehebruch bis hin zu Inzest, ein weites Spektrum also.

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Rick kämpft um seinen Sohn

Haggis will einen Sog der Gefühle und einen vielfältigen Blick auf menschliche Verfehlungen und Schicksale entstehen lassen. Bedingt erreicht der Film das auch, verdichten und klar konturieren kann der Film seine Themenvielfalt aber nicht, alles bleibt unbefriedigend uneindeutig.

Warnung vor dem Spoiler

Der Regisseur kann sich auf sein Ensemble verlassen, doch am Ende wird „Dritte Person“ zum billigen Taschenspielertrick, der sich ganz und gar auf seinen unsinnigen Twist verlässt, der lange nicht so klug oder interessant ist, wie er denn gern sein will. Die Geschichten geradlinig zu Ende zu erzählen und ehrlich mit den Figuren zu sein – das wäre die bessere Wahl gewesen. Der Autor als Meta-Erzähler, als Erschaffer einer Welt, wie oft hat man das schon gesehen.

Zum Ende hin zerfällt der Film leider völlig. Ein großer Wurf ist „Dritte Person“ somit nicht gerade geworden, gescheitert ist Haggis‘ Film aber auch nicht wirklich. Einen Blick kann man jedenfalls riskieren.

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Sean und Monika – verbirgt sie etwas?

Liam Neeson bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

High Spirits – Die Geister sind willig (1988)
Darkman (1990)
Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung (1999)
Tatsächlich … Liebe (2003)
A Million Ways to Die in the West (2014)
Dritte Person (2014)
The Lego Movie (2014)
96 Hours – Taken 3 (2014)
Non-Stop (2014)
Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones (2014)
Entourage (2015)

Länge: 137 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Third Person
USA 2014
Regie: Paul Haggis
Drehbuch: Paul Haggis
Besetzung: Liam Neeson, Maria Bello, Mila Kunis, Adrien Brody, James Franco, Kim Basinger, Olivia Wilde, Michele Melega
Verleih: Sony Pictures Releasing GmbH

Copyright 2014 by Simon Kyprianou

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2014 Sony Pictures Releasing GmbH

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