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Clint Eastwood (II): Jersey Boys – Auf ausgetretenen Biopic-Pfaden

17 Dez

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Jersey Boys

Gastrezension von Simon Kyprianou

Drama // Die Geschichte einer Band, die Geschichte eines Zeitgeistes, die Geschichte von Individuen bei ihrer Selbstverwirklichung, ihr Aufstieg und Fall, all das versuchte Eastwood in seiner Adaption des Bühnenstücks „Jersey Boys“ unterzubringen. Nichts davon ist ihm letztlich gelungen.

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Die Four Seasons begeistern auf der Bühne

Die Jersey Boys, das sind „The Four Seasons“, die Band rund um Frankie Valli (John Lloyd Young), der Film dreht sich um ihren Werdegang im Showbusiness und ihre persönlichen Sorgen und Nöte. Es ist bemerkenswert, wie uninspiriert der eigentlich doch großartige Regiehandwerker Eastwood hier vorgeht, wie er in langweiligstem Biopic-Duktus lediglich einzelne Stationen in der Karriere der Formation abhakt, wie lust- und kraftlos er das alles vorträgt, in quälenden zwei Stunden und, am schlimmsten: wie wenig die Musik selbst in diesem Film über Musiker eine Rolle spielt, wie wenig Musik vorkommt, wie wenig Musik-Leidenschaft zelebriert wird. Es scheint als würde sich Eastwood, der selbst hingebungsvoller Musikfan ist, sogar Jazz studieren wollte, um die Musik gar nicht kümmern, er erzählt schmerzhaft über sie hinweg.

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Auch privat gehen die Dinge den Bach herunter: Frankie Valli mit Ehefrau Mary

Die Akteure spielen ihre Rollen ganz solide runter, ebenso lustlos wie der Regisseur. Selbst Christopher Walken als Mobster Gyp DeCarlo spielt auf Sparflamme, auch hier gibt es also keine Höhepunkte zu verzeichnen, sondern nur Langeweile. Am schlimmsten ist aber, dass sich Eastwood wirklich ausschließlich auf bereits elend oft durchexerzierten und plattgetretenen Minimalkonsens-Biopic-Pfaden bewegt, nicht ein einziges Mal aus dem einengenden Korsett ausbricht, gar großes Drama oder großes Musical inszeniert. Alles ist bieder, alles ist brav – ein totaler Flop. Man wird wehmütig wenn man an Eastwoods vergangene Musikfilme wie „Bird“, „Honkeytonk Man“ oder seinen wild durchgejazzten Erstling „Sadistico“ denkt.

Clint Eastwood bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Die Rache des Ungeheuers (1955)
Tarantula (1955)
Noch heute sollst du hängen (1956)
Für eine Handvoll Dollar (1964, geplant)
Für ein paar Dollar mehr (1965, geplant)
Zwei glorreiche Halunken (1966, geplant)
Coogans großer Bluff (1968)
Agenten sterben einsam (1968)
Ein Fressen für die Geier (1970)
Stoßtrupp Gold (1970)
Betrogen (1971, geplant)
Sadistico – Wunschkonzert für einen Toten (1971)
Ein Fremder ohne Namen (1973, geplant)
Die Letzten beißen die Hunde (1974, geplant)
Im Auftrag des Drachen (1975)
Der Texaner (1976)
Firefox (1982)
Pale Rider – Der namenlose Reiter (1985, geplant)
Heartbreak Ridge (1986)
Weißer Jäger, schwarzes Herz (1990, geplant)
Die Brücken am Fluss (1995, geplant)
Gran Torino (2008)
Jersey Boys (2014)
American Sniper (2014)
Sully (2016)

Veröffentlichung: 18. Dezember 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 134 Min. (Blu-ray), 129 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Französisch, Audiodeskription für Blinde: Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch und Italienisch für Hörgeschädigte, Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Niederländisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch
Originaltitel: Jersey Boys
USA 2014
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Marshall Brickman, Rick Elice
Besetzung: Vincent Piazza, John Lloyd Young, Erich Bergen, Michael Lomenda, Christopher Walken
Zusatzmaterial: From Broadway to the Big Screen, Too Good to Be True, „Oh What a Night“ to Remember, Digital Ultraviolet Copy, Wendecover
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2014 by Simon Kyprianou

Fotos, Packshot & Trailer: © 2014 Warner Home Video

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2 Antworten zu “Clint Eastwood (II): Jersey Boys – Auf ausgetretenen Biopic-Pfaden

  1. Simon Kyprianou

    2014/12/24 at 09:54

    Ja, hat man noch nie ein Biopic gesehen, dann wäre das womöglich erträglicher gewesen. Der Abspann hat mir auch am besten gefallen!

     
  2. friedlvongrimm

    2014/12/17 at 09:59

    Und beim tollen Abspann sitzt man dann da und wünscht, dass der ganze Film so inszeniert worden wäre… Ich kann die Kritik absolut nachvollziehen. Lustigerweise hatte mich der Film durchaus gut unterhalten. Und die Freundin, die mit im Kino war auch. Und nach der Vorstellung saßen wir nett irgendwo und ich schüttelte ungläubig den Kopf, weil ich selbst keine Ahnung hatte, warum wir den Film mochten. Ich glaube, sie hat in ihrem Leben noch nie ein Biopic gesehen, was die Erklärung wäre. Und bei mir…mhmm..da ist wohl die Liebe zu Vincent Piazza enorm. Und zu Frankie Valli & The Four Seasons.

     

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