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Leichen pflastern seinen Weg – Italowestern in seiner Essenz

20 Dez

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Il grande silenzio

Gastrezension von Simon Kyprianou

Western // Selten hat es ein Regisseur geschafft, ein Genre so brutal, absolut und erbarmungslos zu dekonstruieren wie „Django“-Schöpfer Sergio Corbucci den Western in „Leichen pflastern seinen Weg“. Es gibt keine Schönheit mehr, keine visuelle Pracht wie etwa bei Sergio Leone. Die Bilder sind trist und schwer, dunkel und deprimierend, da ist kein Humor mehr, um die Unmenschlichkeit und die Kälte der Welt zu relativieren.

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Loco, das Instrument des Kapitalismus

Kopfgeldjäger Klaus Kinski

Der Kopfgeldjäger Loco wütet mit seiner Schergen im verschneiten Dorf Snowhill, unterdrückt die Bevölkerung, beutet sie aus. Klaus Kinski spielt Loco hier ganz ohne seinen üblichen nervtötenden, aufgesetzten Irrsinn, im Gegenteil: Hier spielt er abgeklärt und in sich ruhend als allgegenwärtige Bedrohung. Ihm gegenüber steht der stumme Revolverheld Silence, der von Jean-Louis Trintignant gewohnt streng gespielt wird. Loco und Silence stehen für den Krieg der Ideologien, der eine für das System, der andere für die zum Scheitern verurteilte Revolution.

Die Umwelt gibt die Marschrichtung vor: Die Seelen der Menschen und das hoffnungslose politische Statement sind genauso hart, frostig und unwirsch wie die schneebedeckten, zerfallenen, menschenfeindlichen Winterlandschaften, durch die sich die Figuren kämpfen müssen.

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Silence, die Revolution

Der kalte Kapitalismus triumphiert

Corbucci wirft einen präzisen und intelligenten Blick auf den Kapitalismus und seine Auswirkungen auf die Menschen, die Ausbeutung der Arbeiter unter dem verlogenen Deckmantel eines gescheiterten, inhumanen Rechtssystems. Dabei analysiert er die Kollision der Ideologien sehr präzise, Kinski als Instrument des Kapitalismus, als gewissenloser, gesetzlich geschützter Verbrecher. Auf der anderen Seite Trintignant als die Gegenbewegung, die scheitert, weil sie sprichwörtlich stumm ist, weil sie der kapitalistischen Übermacht keine Worte, sondern lediglich Gewalt entgegensetzen kann. Der Kapitalismus bleibt am Ende natürlich bestehen, es gibt keine strahlenden Helden und auch keine Erlösung, nur Kinskis diabolisch grinsende Fratze, die die letzten Hoffnungsschimmer des Zuschauers blutig und gnadenlos in Stücke schießt. Ein hässlicher, ehrlicher Film und in seinem Pessimismus die Essenz des Italowestern.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Sergio Corbucci sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Klaus Kinski in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 5. Juni 2014 als Bestandteil der Sergio Corbucci Western Edition (auch enthalten: „Django“ und „Fahrt zur Hölle, Ihr Halunken“), 25. September 2001 als Einzel-DVD

Länge: 100 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Il grande silenzio
Internationaler Titel: The Great Silence
IT/F 1968
Regie: Sergio Corbucci
Drehbuch: Mario Amendola, Bruno Corbucci, Sergio Corbucci, Vittoriano Petrilli
Besetzung: Jean-Louis Trintignant, Klaus Kinski, Frank Wolff, Luigi Pistilli, Vonetta McGee, Mario Brega, Carlo D’Angelo, Marisa Merlini
Zusatzmaterial: Alternatives Ende (für Japan gedreht ohne Ton), Trailer, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

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Die Umgebung ist karg und kalt

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2014 Studiocanal Home Entertainment

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