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Lautlos – Mehr deutsche Genrefilme!

21 Dez

Lautlos-Cover-DVD

Lautlos

Gastrezension von Simon Kyprianou

Thriller-Drama // Was dem deutschen Kino fehlt sind – abgesehen von generell mehr Wagnis, Freiheit und Experimentierfreude – nicht etwa die Kunst- oder Arthaus-Filme. Wir haben die Berliner Schule mit den großartigen Christian Petzold und Christoph Hochhäusler, wir haben neuerdings das Fogma-Manifest (Love Steaks) und wir haben den großartigen Andreas Dresen, dieser Bereich ist also durchaus abgedeckt.

Es mangelt an Genrefilmen

Woran es in Deutschland fehlt, sind die Genrefilme, die das Kino von der unerträglichen Last erlösen können, eine seriöse Kunstform sein zu müssen, die Genrefilme, die Kino erst einmal als Handwerk verstehen. Dominik Graf („Die Katze“) und Thomas Arslan („Dealer“) sind vielleicht die einzigen, die das befriedigend abdecken.

Der Auftragskiller und das unschuldige Opfer

Mennan Yapos „Lautlos“ ist ein solcher Genrefilm – ein reiner obendrein. Die Geschichte kennt man auswendig: Der Auftragskiller Victor (Joachim Król) verliebt sich in sein Opfer Nina (Nadja Uhl). Noch ein letzter Job, dann will er aussteigen, doch die Polizei unter der Führung von Lang (Christian Berkel) ist ihm auf den Fersen.

Die Stadt als Abgrund

Yapo erzählt seinen Thriller gekonnt, treibend und pulsierend in den Actionszenen, weiß aber auch genau, wann Entschleunigung nötig ist. Die Bilder sind stimmig, düster und atmosphärisch, die Stadt wird als versiffter, trister Abgrund inszeniert. Am Ende fliehen Victor und Nina aus der erdrückenden Dunkelheit der Stadt in die Natur und „Lautlos“ verdichtet sich zu einem wunderbar inszenierten Finale auf einem Friedhof.

Behutsame Inszenierung von Gefühlen

Emotionen inszeniert Yapo behutsam und zärtlich, die Beziehung zwischen Victor und Nina nimmt er ernst und behandelt sie nicht nur als Beiwerk. Dabei sind seine ausländischen Vorbilder zwar stets klar und deutlich, dennoch findet Yapo fast immer eine eigenständige Bildsprache. „Lautlos“ wirkt auch nicht wie ein mieser, biederer Fernsehthriller, obgleich die Inszenierung manchmal noch etwas hölzern, sperrig und überambitioniert erscheint.

Gute Akteure helfen über ein paar Schwachstellen

Joachim Król, Nadja Uhl und Christian Berkel tragen den Film aber über die Schwachstellen hinweg, ihr Spiel ist verbissen und konzentriert. „Lautlos“ ist ein schöner Genrefilm, der sich nicht übernimmt, der genau das schafft, was er möchte. Schade, dass Yapo danach nur noch einen Film gedreht hat – „Die Vorahnung“ (2007), noch dazu in den USA. Regisseure wie ihn braucht die deutsche Filmlandschaft.

Veröffentlichung: 15. Oktober 2004 als DVD

Länge: 92 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel:
Originaltitel: Lautlos
D 2004
Regie: Mennan Yapo
Drehbuch: Mennan Yapo (Story), Lars-Olaf Beier (Skript)
Besetzung: Joachim Król, Nadja Uhl, Christian Berkel, Rudolf Martin, Lisa Martinek
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Packshot: © 2014 Warner Home Video

 

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