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Herz aus Stahl – Im Panzer durchs Feindesland

30 Dez

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Fury

Kinostart: 1. Januar 2015

Gastrezension von Simon Kyprianou

Kriegs-Action // Kaum ein Genre ist so schwierig zu bedienen wie der Kriegsfilm. Die Nachstellung eines Krieges birgt die Gefahr, Krieg und Kampfhandlungen als spannendes Abenteuer wirken zu lassen, ihn zu ästhetisieren, sprich: ihn in eine leicht konsumierbare filmische Form zu bringen, was sich an sich verbietet (und dennoch oft genug vorkommt). Eine ästhetische Form, brachialer Actionfilm-Duktus oder leichte Konsumierbarkeit brechen radikal mit dem Anspruch an einen Kriegsfilm, der nach meiner Auffassung der sein sollte, den Horror und das Grauen des Krieges zu offenbaren, fühlbar und fassbar zu machen.

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Sergeant Don Collier ist der ruppige Anführer der Panzer-Truppe

Humanistische Botschaft für Kriegsfilme essenziell

Ein Kriegsfilm sollte also stets humanistisch sein und gänzlich frei von Pathos. Gute Beispiele dafür sind „Komm und sieh“ (1985), „Der schmale Grat“ (1998), auch „Apocalypse Now“, obwohl der letztgenannte das hinter seiner zynisch wirkenden Rock-‘n‘-Roll-Attitüde gut verbirgt. Die besten Kriegsfilme sind aber natürlich jene, die den Schrecken deutlich machen, ohne einen kämpfenden Soldaten zu zeigen: „Johnny zieht in den Krieg“ (1971) – wem läuft es da nicht eiskalt den Rücken herunter? Auch „Der dritte Mann“ (1949) und „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (1965) zähle ich dazu, auch wenn es sich dabei im engen Sinne um Nachkriegs- bzw. Agentendramen handelt.

Trotz „End of Watch“ – seit „Street Kings“ und „Sabotage“ müsste man vor dem Namen David Ayer eigentlich Angst haben. Und so ist ihm dem mit „Herz aus Stahl“ leider auch kein guter Kriegsfilm gelungen. Er scheitert, wenn auch lange nicht auf so groteske Art und Weise wie bei „Lone Survivor“. Schon der deutsche Titel „Herz aus Stahl“ mutet seltsam pathetisch an und der Slogan auf dem Kinoplakat „Krieg endet niemals leise“ wirkt wie eine geschmacklose Durchhalteparole.

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Ein kurzer Moment der Ruhe inmitten der Kriegshölle

Eine Gruppe von Panzersoldaten (unter anderen: Brad Pitt, Logan Lerman, Shia LaBeouf) muss zum Ende des Zweiten Weltkriegs auf deutschem Territorium eine entscheidende und gefährliche Mission durchziehen und gerät dabei an ihre Grenzen.

Große Schauspielkunst von Brad Pitt und Logan Lerman

Sicher ist einiges an „Herz aus Stahl“ sehr gelungen: etwa die Kampfszenen, vor allem die Panzerszenen, wie sich Panzer gegenseitig belauern. Das ist roh, brutal, und äußerst spannend. Auch das Schauspiel ist famos: Brad Pitt, der wahrscheinlich aufgrund seines irrsinnigen Superstar-Status immer noch stark unterschätzt wird, als ruppiger und harter Anführer und Logan Lerman, der schon in „Vielleicht lieber morgen“ faszinierend spielte, als junger Soldat.

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Stoßtrupp hinter feindliche Linien

Trotz der vom Krieg verrohten und verzweifelten Soldaten und der vielen Brutalitäten und Hässlichkeit, die Ayer mehr oder weniger schonungslos zeigt, fühlt sich „Herz aus Stahl“ oft zu einfach an. Im Endeffekt ist der Film dann doch zu sehr auf unterhaltsamen Blockbuster ausgelegt, um den schwierigen Ansprüchen an ein ernsthaftes Kriegsdrama gänzlich standzuhalten. Dennoch ist er sehenswert.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Brad Pitt sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 134 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Fury
GB/CHN/USA 2015
Regie: David Ayer
Drehbuch: David Ayer
Besetzung: Brad Pitt, Shia LaBeouf, Logan Lerman, Michael Peña, Jon Bernthal, Jason Isaacs, Kevin Vance, Brad William Henke, Anamaria Marinca, Alicia von Rittberg, Scott Eastwood, Laurence Spellman
Verleih: Sony Pictures Releasing GmbH

Copyright 2014 by Simon Kyprianou

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2014 Sony Pictures Releasing GmbH

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