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St. Vincent – Paraderolle für Bill Murray

06 Jan

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St. Vincent

Kinostart: 8. Januar 2015

Gastrezension von Anja Rohde

Tragikomödie // Ach je. Ein griesgrämiger alter Trinker und ein neu hinzugezogener Nachbarjunge freunden sich nach anfänglichen Schwierigkeiten an. Am Schluss profitieren beide davon – das Happy End ist programmiert. Einen Preis für Originalität bekommt diese Idee nicht.

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Grumpy Man, grumpy cat: Vincent in seinem Wohnzimmer

Ohne Bill Murray wäre der Film nichts – aber zum Glück ist er ja da. Dass man trotz der kitschigen Story glücklich lächelnd im Kino sitzt und vielleicht auch mal eine kleine Träne aus dem Augenwinkel wischen muss, liegt an der Bravour, mit der Bill Murray die Titelrolle Vincent verkörpert.

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Neu in der Klasse: Oliver

Misanthrop Vin lebt missgelaunt und glücklos in einem verwahrlosten Häuschen in Brooklyn. Er verliert regelmäßig beim Pferderennen, hat Ärger mit der Bank, flucht, trinkt und raucht. Der einzige Mensch, der sein Haus betreten darf, ist die russische Prostituierte Daka (wunderbar gegen den Strich besetzt: Naomi Watts), die er natürlich für ihre Dienste bezahlt. Als die alleinerziehende Mutter Maggie (Melissa McCarthy) mit ihrem zwölfjährigen Sohn Oliver (Jaeden Lieberher) beim Einzug ins Nachbarhaus gleich erstmal seinen Baum und sein Auto ruiniert, beginnt für den Zyniker erster Güte eine harte Zeit.

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Würden Sie diesen Mann Ihr Kind von der Schule abholen lassen?

Oliver kommt nach dem ersten Schultag ohne Schlüssel nach Hause und fragt Vin, ob er in dessen Haus auf seine Mutter warten darf. Als die dann noch Überstunden machen muss und Vin bittet, dass das Kind länger und auch öfter bei ihm bleiben kann, verkauft er sich wegen seiner chronischen Schulden als Babysitter.

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Babysitter Vin bei der Arbeit: auf der Rennbahn, …

Einen schlechteren kann man kaum finden: Gesundes Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung gibt es natürlich nicht. Stattdessen nimmt Vin Oliver einfach mit auf seine Touren zur Rennbahn und in die Kneipe – warum sollte er seine tägliche Routine auch ändern? Immerhin bringt er dem Kind etwas bei, nämlich, wie man sich mit Fäusten gegen gemeine Klassenkameraden wehrt. Vincent ist also mitnichten ein Heiliger – wie und warum er dann doch zu dem Titel „Sankt Vincent“ kommt, erfahren wir durch eine Schularbeit, die Oliver im Auftrag von Brother Geraghty (wunderbar in der Nebenrolle als katholischer Lehrer: Chris O’Dowd) schreiben muss.

Denn natürlich steckt mehr in unserem Titelheld als purer Sarkasmus. Dass der weiche Kern unter der harten Schale ohne Heraustriefen von Kitsch ausgepackt wird, verdankt der Film seinem Hauptdarsteller. Murray sagt laut Presseheft, er möchte Emotionalität ohne Sentimentalität transportieren – das gelingt ihm. Und so ergänzt er seine Liste der lakonischen, missverstandenen Figuren aus zum Beispiel „Broken Flowers“ und „Lost in Translation“ um eine weitere starke Rolle.

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… in der Stammkneipe …

Glücklicherweise kann Jaeden Lieberher mithalten. Der zum ersten Mal auf der Leinwand zu sehende Junge zeigt Präsenz und spielt absolut glaubwürdig. Mal sehen, wie es mit seiner Karriere weitergeht!

Dies ist der erste Kinofilm von Ted Melfi, vom dem auch das Drehbuch stammt. Bill Murray nennt er „the coolest person on the planet“, und ein ebenso glückliches Händchen wie bei der Besetzung hatte er auch bei Ausstattung und Filmmusik. Das Plastikköfferchen, in dem Vin seine Musikkassetten aufbewahrt, ist ebenso sensationell wie der Tanzstil, den Murray zu „Somebody to Love“ hinlegt. So entsteht ein rundes Feelgood-Movie mit witzigen Dialogen, erinnerungswürdigen Szenen und großem Unterhaltungswert.

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… und bei der Kindererziehung

Gäbe es eine Oscar-Kategorie „Bester Abspann“, müsste dieser Film ihn bekommen. Es passiert nicht mehr als dass Vincent rauchend und Walkman hörend mit einem Gartenschlauch seine vertrocknete Hinterhofpflanze wässert und dabei laut und falsch Bob Dylans „Shelter from the Storm“ mitsingt. Großartig!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Bill Murray sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 102 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: St. Vincent
USA 2014
Regie: Theodore Melfi
Drehbuch: Theodore Melfi
Besetzung: Bill Murray, Jaeden Lieberher, Melissa McCarthy, Naomi Watts, Chris O’Dowd, Terrence Howard
Verleih: Sony Pictures Releasing GmbH

Copyright 2014 by Anja Rohde

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2014 Sony Pictures Releasing GmbH

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