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Brothers – Zwei Brüder. Eine Liebe: Vom Schicksal der Kriegsheimkehrer

11 Jan

Brothers-Cover

Brothers

Gastrezension von Simon Kyprianou

Drama // Jim Sheridan ist mit „Brothers“ ein kluger Film gelungen, ein Film über den Krieg, ein Film über Heimkehrer, ein Film über das, was der Krieg mit den Menschen anstellt, ein Film über eine Gesellschaft, die aus ihren Fehlern nicht lernt. Fast beiläufig erzählt er auch eine sensible Familienchronik.

Aus der Familienidylle in den Krieg gerissen

Ein letztes Mal vor seinem Einsatz in Afghanistan will Sam Cahill (Toby Maguire) noch mit seiner Frau Grace (Natalie Portman) schlafen. Wir sehen sie im Bett behutsam miteinander kuscheln, doch dann reißt ein abrupter Schnitt zu einer Kanone auf einer Militärbasis den Zuschauer aus der zärtlichen Idylle. Sheridan zeigt, dass sich der Krieg unweigerlich auch im innigsten Privatleben festfrisst, so weit entfernt er auch scheinen mag, dass er zwangsläufig Besitz von den Menschen ergreift. Sam gerät in Kriegsgefangenschaft und wird gezwungen, seine eigenen Kameraden zu töten, Während seiner Abwesenheit freunden sich Grace und Sams auf die schiefe Bahn geratener Bruder Tommy (Jake Gyllenhaal) vorsichtig an.

Besonders klug werden die Kinder der Cahills inszeniert, denn sie werden nicht etwa auf inszenatorisches und emotionales Beiwerk reduziert. Sheridan nimmt sie ernst, sie sind praktisch Dreh- und Angelpunkt des Films.

„Wärst du doch nur weggeblieben!“

Wenn der labile Sam dann nach Kriegsgefangenschaft ausgezehrt und von Depressionen und Gewaltausbrüchen geplagt heimgekehrt ist und die Familienidylle an seinen Traumata zerbricht, schmettert ihm eins seiner Kinder wütend entgegen: „Wärst du doch nur weggeblieben!“ Damit spricht es einen furchtbaren Gedanken aus, den wohl auch alle Erwachsenen teilen, den womöglich auch der Zuschauer teilt, natürlich ohne sich zu trauen, ihn je in dieser Direktheit auszusprechen. Ein Gedanke, der sich natürlich verbietet und doch nur allzu menschlich ist.

Wie gehen wir mit Kriegsheimkehrern um?

Es ist eine entlarvende Wahrheit und eine schmerzhafte Frage, die Cahills Tochter in ihrer kindlichen Aufrichtigkeit ausspricht, nämlich die, wie man mit Kriegsheimkehrern umgehen soll, wie man mit geliebten Menschen umgehen soll, wenn sie als Wracks, als Schatten ihrer Selbst heimkehren. Portman, Gyllenhaal, Maguire und Shepard spielen angenehm zurückhaltend und doch kraftvoll, bringen Ruhe in dieses sich langsam und bedächtig entwickelnde Drama.

Zum Schluss gibt es glücklicherweise kein amerikanisch verklärtes Happy End, der Schmerz wird nicht relativiert. Sheridan findet ein unheimlich ehrliches und fragiles und darum auch so berührendes Schlussbild.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Natalie Portman sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Jake Gyllenhaal in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 24. Juni 2011 als Blu-ray und DVD

Länge: 105 Min. (Blu-ray), 100 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Brothers
USA 2009
Regie: Jim Sheridan
Drehbuch: David Benioff
Besetzung: Tobey Maguire, Jake Gyllenhaal, Natalie Portman, Sam Shepard, Mare Winningham
Zusatzmaterial: audiokommentar des regisseurs
Featurette: Remade in the USA. „Brødre“ wird „Brothers“ (13 min.), Featurette: Jim Sheridan: Film und Familie (16 min.), Original-Kinotrailer
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

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