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Schändung – Die Fasanentöter: Düsterer, gewaltiger Skandinavien-Krimi

12 Jan

SCHAENDUNG_Filmplakat

Fasandræberne

Kinostart: 15. Januar 2015

Von Anja Rohde

Thriller // Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) lächelt nicht. Nie. Er hat auch keinen Grund dazu: Eigentlich steht er morgens nur auf, weil er weiß, dass es Menschen gibt, für die seine Arbeit wichtig ist. Selbst ist er sich nicht wichtig, kein bisschen. Das schlägt sich auch in seinen Beziehungen nieder: Exfrau, Sohn, Arbeitskollegen – mit keinem kommt er gut klar, und niemand will näher mit ihm zu tun haben.

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Rose, Assad und Carl in ihrem Kellerbüro

Die einzige Ausnahme macht der syrische Hafez el-Assad (Fares Fares), Mitarbeiter in Mørcks Sonderdezernat Q für ungeklärte Verbrechen bei der Kripo Kopenhagen. Die beiden hatten sich in Teil eins der Reihe, „Erbarmen“ (2013), zusammengerauft und erfolgreich ermittelt – nun steht der zweite Fall an.

Doppelmord vor 20 Jahren

Ein zwanzig Jahre alter Doppelmord an einem jugendlichen Geschwisterpaar wurde seinerzeit schnell zu den Akten gelegt, weil ein einzelner Jugendlicher die Tat gestand. Die Untersuchungen um eine Clique Internatsschüler, die in dieser Zeit öfter durch Gewalttaten aufgefallen war, wurden nicht weiter verfolgt. Die Schüler von einst sind heute Mitglieder der dänischen Oberschicht – und mindestens genauso skrupellos wie damals.

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Internatsschüler auf der Suche nach Abenteuern …

Carl und Assad stoßen bei der Recherche auf den Notruf einer gewissen Kimmie (Sarah-Sofie Boussnina als ruchloser Teenager, Danica Curcic als gebrochene erwachsene Frau). Sie scheint eine wichtige Rolle bei der Tat und auch bei der Lösung des Falls zu spielen.

Lichterglanz nur in Rückblenden

Dicht und finster inszeniert Mikkel Nørgaard das gewalthaltige Drama. Grau und fahl sind die Szenen im heutigen Kopenhagen gehalten, nur die Rückblenden in die Teenagerzeit der Verdächtigen strahlen vor Licht und Luxus. Die eine oder andere lange Einstellung von großen, verrotzten oder traurig-angestrengten Gesichtern mag etwas pathetisch anmuten, andererseits ist bei einer derartigen Fülle an Gewaltszenen ein Moment Ruhe vielleicht auch ganz angenehm.

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… die in roher Gewalt endet

Die Krux an dicken Wälzern wie die von Jussi Adler Olsen ist, dass eine Verfilmung die Story verknappen, umschreiben und auch mal ganze Passagen streichen muss. Das „nach dem Roman von“ ist also wörtlich zu nehmen: Die ausufernden Jagdszenen sind auf ein Minimum geschrumpft, einige Erzählstränge fehlen oder passieren zu anderen Zeiten, die Assistentin Rose ist ganz anders gezeichnet als im Buch. Die brutale Teenager-Gang von sechs auf vier Personen zu reduzieren, ist sicher nicht die schlechteste Idee, werden doch sowieso in kürzester Zeit extrem viele Figuren eingeführt, einige davon obendrein in verschiedenen Altersstufen.

Hat der Drehbuchautor die Essenz des Romans erkannt?

Produzentin Louise Vesth sagt in einem Interview, es sei wichtig, „dass der Drehbuchautor in der Lage ist, die Essenz des Romans zu erkennen. Seine Aufgabe ist es zu entscheiden, was man übernimmt und was man wagt wegzulassen (…) Man muss seine eigene Sprache finden, es geht darum, die Essenz des Buches zu finden.“ Wie gut das gelungen ist, davon möge sich die Leserschaft selbst überzeugen. Am besten ist es wohl, man vergleicht nicht zu viel, sondern sieht Buch und Film als zwei verschiedene Kunstwerke an.

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Was hat Kimmie in ihrer Tasche?

Diejenigen, die das gedruckte Werk vor kurzem erst gelesen haben, werden also um ein ständiges „Das war aber im Buch anders“-Gefühl nicht drumrumkommen. Für die, die das ausblenden können, und für Fans des ersten Films ist „Schändung – Die Fasanentöter“ ein finsteres, spannendes, gewaltvolles Kinoerlebnis.

Die Verfilmung von „Erlösung“, des dritten Falls des Sonderdezernats Q, ist in Planung.

Länge: 119 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Fasandræberne
DK 2014
Regie: Mikkel Nørgaard
Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg, nach dem Roman von Jussi Adler-Olsen
Besetzung: David Dencik, Fares Fares, Pilou Asbæk, Nikolaj Lie Kaas, Sarah-Sofie Boussnina, Danica Curcic, Adam Ild Rohweder, Søren Pilmark, Morten Kirkskov
Verleih: NFP marketing & distribution

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Einfühlsam gegenüber Außenseitern: Carl bei Kimmie

Copyright 2015 by Anja Rohde
Filmplakat & Fotos: © 2015 NFP marketing & distribution

 

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