RSS

The Descent – Abgrund des Grauens: Horror, der die Nerven zerfetzt

15 Jan

The_Descent-Cover

The Descent

Gastrezension von Simon Kyprianou

Horror-Action // Nach dem Unfalltod von Kind und Ehemann ist Sarah (Shauna Macdonald) am Boden zerstört, ein fragiles Wrack. Ein Jahr später wollen ihre Freundinnen, die Trauernde etwas ablenken, eine gemeinsame Höhlentour soll Zerstreuung bringen. Doch in der Tiefe lauert das Böse.

Parallelen zu „Wenn die Gondeln Trauer tragen“

Wenn die Freundinnen in „The Descent – Abgrund des Grauens“ das unerforschte Höhlensystem betreten, dann erinnert das ein wenig daran, wie sich Donald Sutherland und Julie Christie in „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ in den labyrinthischen Gassen von Venedig verirren. Der Gang in die Höhle, in die Dunkelheit nach dem Verlust des Kindes – ebenfalls eine Parallele zu Nicolas Roegs Horrordrama – ist der Abstieg ins eigene Unterbewusstsein, in die Untiefen der eigenen Seele. Dort kann niemand klar sehen, die Dunkelheit erstickt alles, dort kann sich niemand orientieren, dort fällt ständig alles in sich zusammen und doch kommen dort all die schmutzigen Geheimnisse und Lebenslügen ans Licht. Nichts kann sich mehr im Verborgenen halten. Es ist die Konfrontation mit dem eigenen Schmerz und der eigenen Trauer.

Survival-Horror, wie er sein soll

Dabei ist „The Descent – Abgrund des Grauens“ auch großartig inszenierter und gespielter Survival-Horror, der sich nach einer furios geschnittenen, epileptischen Eröffnungsszene und einer minimalistisch dunklen, bedrohlichen ersten Hälfte zum Ende hin immer irrsinnigerer Ästhetik bedient und seine Protagonistin zur blutdürstigen Amazone erhebt. Höhepunkt von Marshalls Ästhetik ist ihre Flucht aus der Höhle in einer Scherenschnitt-artigen, hoch emotionalen, ganz und gar wunderbaren Szene zum Schluss.

Geheimnisvolles Finale

Mit herrlicher Effizienz schöpft Regisseur Neil Marshall den düsteren, ins rötliche Licht der Knicklichter gehüllten Höhlenschauplatz aus, inszeniert beklemmende Suspense und brachiale Gewalt. Das Ende ist dann ebenso zweideutig und geheimnisvoll wie das Ende von Roegs „Wenn die Gondeln Trauer tragen“. Man mag sich kaum vorstellen, dass es zu einem derart runden, in sich geschlossenen Film – sicher einem der besten Horrorfilme der vergangenen 20 Jahre – eine Fortsetzung gibt.

Neil Marshall bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Dog Soldiers (2002)
The Descent – Abgrund des Grauens (2005)

Veröffentlichung: 9. Oktober 2009 als Blu-ray, 2. Juni 2008 als DVD (FSK 18), 12. Oktober 2006 als DVD (FSK 16), 29. Oktober 2010 auch jeweils in Kombination mit „The Descent 2 – Die Jagd geht weiter“

Länge: 100 Min. (Blu-ray), 96 Min. (DVD FSK 18), 94 Min. (DVD FSK 16)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch
Originaltitel: The Descent
GB 2005
Regie: Neil Marshall
Drehbuch: Neil Marshall
Besetzung: Shauna Macdonald, Natalie Mendoza, Alex Reid, Saskia Mulder, MyAnna Buring, Nora-Jane Noone, Oliver Milburn
Zusatzmaterial: Making-of, deleted Scenes, Outtakes, Hinter den Kulissen, Storyboard-Vergleich, Trailer & TV-Spots, Audiokommentar von Regisseur Neil Marshall und den Hauptdarstellerinnen, Audiokommentar von Regisseur Neil Marshall und der Crew
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Packshot: © 2015 Universum Film

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: