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Sergio Leone (I): Todesmelodie – Ebenbürtiger Bestandteil der Amerika-Trilogie

17 Jan

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Mit diesem Beitrag beginnt bei „Die Nacht der lebenden Texte“ eine Rezensionsreihe über Sergio Leone. Ohne Anspruch auf ein vollständiges Abdecken seiner Filmografie und in loser zeitlicher Abfolge werden verschiedene Autoren die Arbeiten des italienischen Meisterregisseurs vorstellen.

Giù la testa

Von Simon Kyprianou

Western // Sergio Leones Amerika-Trilogie ist wesentlich politischer als die Dollar-Trilogie. Sie behandelt verschiedene Etappen im Aufbau, in der Entwicklung der USA, wobei Leone die Vereinigten Staaten als Mythos betrachtet. Aber Moment – „Todesmelodie“ spielt doch in Mexiko!? Ein scheinbarer Widerspruch, den wir selbst nicht aufklären konnten, weshalb wir uns die Freiheit genommen haben, den Filmwissenschaftler und Publizisten Marcus Stiglegger um ein paar erklärende Worte zu bitten, die er uns gern gegeben hat – hier sind sie:

Die Grenze zu Mexiko gilt noch heute als eine „last frontier“, das Borderland zwischen den USA und Mexiko ist Symbol einer permanenten identitären Bewährungsprobe. Auch fällt auf, wie viele Outlaws immer „nach Mexiko“ wollen, zum Beispiel bei Peckinpah. Mexiko ist für die USA das große Fremde und andere, das, was sie nicht sind oder sein wollen. Und die mexikanische Revolution ist diesbezüglich das Schlüsselereignis. Daher kann man das Bild von Mexiko durchaus als eine USA „ex negativo“ begreifen. Gerade von außen (Europa) betrachtet ergibt das Sinn.

Zurück zum Mythos: Ganz mythisch-märchenhaft sollten alle Teile „Es war einmal …“ im Titel tragen, was letztlich jedoch leider nur in Frankreich zum Tragen kam. Am deutlichsten wird der mythische Charakter in „Spiel mir das Lied vom Tod“. Dieser und der Trilogie-Abschluss „Es war einmal in Amerika“ sind wohl bei Weitem die bekanntesten Teile der Trilogie, „Todesmelodie“ stand immer etwas im Schatten dieser beiden – zu Unrecht.

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Mit Sprengstoff kennt sich Mallory aus

Leones politische Geschichte um den mexikanischen Bandit Juan Miranda (Rod Steiger) und den irischer Sprengstoff-Revoluzzer John H. Mallory (James Coburn), die in den Wirren der mexikanischen Revolution zusammenfinden, ist ein furioser Film. Juan und John reisen durch ein zerrissenes Land, sie erleben Ständeunterschiede, Revolutionskämpfe, Massenhinrichtungen und Terrorismus. Das ist grandioses Kino, eine politische Elendsreise und vor allem natürlich ein visueller Augenschmaus.

Makellos inszenierte Schusswechsel

Die für Leone typischen harten Schnitte von Totalen zu Close-Ups führen dem Zuschauer in ihrer Schönheit immer wieder Bedeutung und Wirkung von Montage vor Auge. Dann fängt Leone in seinem Revolutionsepos natürlich grandios gefilmte Actionszenen, Banküberfälle, Explosionen und makellos inszenierte Schusswechsel ein. Trotz seiner beachtlichen Lauflänge ist der Italowestern mit Druck und halsbrecherischem Tempo inszeniert und steht niemals still.

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Die wilde Meute ist bereit zum Kampf

Die großartigen Darsteller James Coburn und Rod Steiger tun ihr Übriges. Besonders zu erwähnen ist – wie wohl bei allen Leone Filmen – Ennio Morricones fabelhafter Soundtrack, den Leone wie immer exzessiv einsetzt und der seinen Filmen Seele einhaucht. Die Musik ist stets genau so melancholisch, dreckig und furios wie die Geschichten, die der jeweilige Film erzählt. „Todesmelodie“ ist ein großartiges Werk, das seinen beiden Trilogie-Genossen in nichts nachsteht – auf Blu-ray in durchweg guter Bildqualität.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Sergio Leone haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit James Coburn unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 31. Oktober 2014 als Blu-ray, 6. Juni 2014 als DVD

Länge: 157 Min. (Blu-ray), 147 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch u. a.
Originaltitel: Giù la testa
IT 1971
Regie: Sergio Leone
Drehbuch: Sergio Leone, Sergio Donati, Luciano Vincenzoni
Besetzung: Rod Steiger, James Coburn, Romolo Valli, Maria Monti, Rik Battaglia, Franco Graziosi, Antoine Saint-John, Giulio Battiferri
Zusatzmaterial: Kinotrailer, nur Blu-ray: Audiokommentar von Filmhistoriker Sir Christopher Frayling, Der Mythos der Revolution, Sergio Donati erinnert sich an „Todesmelodie“, Es war einmal in Italien, Die verschiedenen Versionen, Restaurierung auf italienische Art, Drehort-Vergleich, Radiospots
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

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Mallory (l.) und Miranda tummeln sich in den Wirren der Revolution

 

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshots: © 2014 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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