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Baymax – Riesiges Robowabohu: Klassisches Comic-Kino

19 Jan

Baymax-Plakat

Big Hero 6

Kinostart: 22. Januar 2015

Gastrezension von Matthias Holm

Computertrick-Abenteuer // Mit diesem Erfolg hat wohl niemand gerechnet: Nach dem bereits gut gelaufenen „Rapunzel – Neu verföhnt“ ging Disneys „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ komplett durch die Decke und wurde mal eben zum erfolgreichsten Animationsfilm überhaupt. Als Vorlage für den Nachfolger dieses Megahits hat sich Disney an etwas bedient, das aus unserer heutigen Kinokultur nicht mehr wegzudenken ist: einem Comic.

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Baymax schert sich nicht um Straßenschilder

Hiro ist ein Genie. Der Teenager mischt mit seinen selbst gebauten Robotern die Robo-Kampf-Szene in San Fransokyo auf. Damit dieses Genie nicht vollkommen aus der Bahn gerät, ermutigt Hiros Bruder Tadashi ihn, sich bei einer Elite-Uni einzuschreiben. Doch bei der Ausstellung, bei der die Bewerber ihre Kreationen der Universität vorstellen, kommt es zu einem Unfall, bei dem Tadashi stirbt. Der trauernde Hiro ist zu nichts mehr in der Lage, bis er per Zufall den von Tadashi entwickelten Roboter Baymax entdeckt. Darauf programmiert, den Menschen zu helfen, versucht Baymax fortan, Hiros Leid zu lindern. Doch die beiden sehen sich einer großen Gefahr ausgesetzt: Ein Mann in einer Kabuki-Maske überflutet mit Nano-Bots die Stadt und führt Übles im Schilde.

Aus Tokio und San Francisco wird San Fransokyo

Das klingt nicht unbedingt neu – und tatsächlich ist „Baymax – Riesiges Robowabohu“ eine Comic-Verfilmung der alten Schule geworden. Das heißt: Hier stehen die Action und die Schauwerte im Vordergrund. Vor allem die Stadt ist den Machern großartig gelungen. In jeder Ecke von San Fransokyo gibt es Kleinigkeiten zu entdecken – wer entdeckt zum Beispiel das Fahndungsplakat mit dem Bösewicht aus „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“? Natürlich handelt es sich bei der Stadt um eine Verschmelzung aus San Francisco und Tokio. So widersprüchlich das klingt, so wunderbar wurden diese beiden Welten miteinander vermengt – wie zum Beispiel in einem klassischen amerikanischen Diner mit japanischen Speisekarten.

Auch die Action sieht klasse aus. Auch wenn diverse Szenen zu hektisch geraten sind, behält der Zuschauer meist den Überblick über das Geschehen. Das ist auch nötig, denn Hiro, Baymax und ihre Freunde rasen mit unglaublichem Tempo durch die Stadt und kämpfen dabei gegen den Mann mit der Kabuki-Maske.

Figuren leider wenig durchdacht

Das größte Problem von „Baymax – Riesiges Robowabohu“: Die Figuren sind dem Drehbuch egal. Hiros Kumpanen werden derartig stumpf eingeführt, dass man bereits nach zehn Minuten weiß, was für Superanzüge sie im späteren Verlauf des Filmes bekommen. Dasselbe gilt für den Bösewicht. Es wird zwar immerhin lange geheim gehalten, wer hinter der Maske steckt, allerdings ist die Motivation ein Trick der Schreiber: Bis das Geheimnis um die Identität des Maskenmanns gelüftet ist, kann der Zuschauer gar nicht wissen, warum er so böse ist – dafür gibt es schlichtweg keine Hinweise.

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Hiro bringt dem Roboter Karate bei

Immerhin gibt es Baymax. Der große Roboter, der wie ein flauschiger Marshmallow aussieht, ist das Herzstück des Films. Als großer, weißer Ballon ist er zwar langsam und trottelig, wozu auch seine äußerst kindliche Art beiträgt, aber er hat das Herz am rechten Fleck. Umso schlimmer, dass Hiro den Roboter für seinen persönlichen Rachefeldzug umrüstet. Wenn der süße Roboter zur bösen Vernichtungsmaschine mit roten Terminator-Augen wird, ist das für kleinere Kinder nicht wirklich geeignet.

Nach „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ versucht Disney anscheinend einen ähnlichen Schritt wie Anfang der Jahrtausend-Wende mit „Atlantis – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“ und „Der Schatzplanet“: Verzicht auf Lieder sowie Themen, die auch Erwachsene abholen. Dabei ist zwar ein Stück unterhaltsames Kino rausgekommen, allerdings fühlt sich der Film aufgrund wenig interessanter Figuren und einer vorhersehbaren Story wie eine altbackene Comic-Verfilmung an. Das ist in Zeiten von innovativeren Animationsfilmen wie „The Lego Movie“ oder auch „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ sehr schade.

Länge: 102 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Big Hero 6
USA 2014
Regie: Don Hall, Chris Williams
Drehbuch: Jordan Roberts, Daniel Gerson, Robert L. Baird
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2015 by Matthias Holm

Filmplakat, Szenenbilder & Trailer: © 2014 2014 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 2015/01/19 in Film, Kino, Rezensionen

 

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3 Antworten zu “Baymax – Riesiges Robowabohu: Klassisches Comic-Kino

  1. Sir_Obvious

    2015/01/20 at 12:05

    Haha 😀 Doch, hast du ja ^^

     
  2. Sir_Obvious

    2015/01/20 at 12:04

    Ich war ziemlich begeistert, auch wenn ich ein paar Kritik-Punkte mit dir teile. Frozen empfinde ich im Vergleich nicht unbedingt innovativer … da spürt man meiner Meinung nach noch mehr Reißbrett.
    Was du vergessen hast zu erwähnen ist die Großartigkeit von San Frantokyo 😀 Die Idee finde ich absolut schön und gut umgesetzt.

     
    • Matthias

      2015/01/20 at 21:34

      Darüber hatten wir uns auch schon unterhalten, oder? 😀 Aber vielen Dank für den Kommentar, gut zu wissen, dass ich nicht der einzige bin, der das so sieht 🙂

       

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