RSS

The Captive – Nichts Neues bei Atom Egoyan

26 Jan

The_Captive-Cover

The Captive

Gastrezension von Simon Kyprianou

Thriller // Ein Vater sucht seine vor Jahren verschwundene Tochter Cassandra (Alexia Fast). Trotz der hoffnungsarmen Situation spürt Matthew (Ryan Reynolds), dass sie noch am Leben sein muss. Zwei Ermittler (Rosario Dawson, Scott Speedman) mischen auch mit.

The_Captive_Bild_02

Matthew sucht nach seiner Tochter

Atom Egoyan nervt langsam: „The Captive“ ist erneut eine Variation seines Lieblingsthemas, nämlich der Entführung (oder dem Tod) von Kindern und die Auswirkungen auf Eltern und Gesellschaft. In „Das süße Jenseits“ hat er das noch virtuos bedient. Doch Atom Egoyan kann mittlerweile anscheinend nicht mehr erzählen. Wie schon bei seinem letzten Film „Devil’s Knot – Im Schatten der Wahrheit“ plätschert die Handlung gemächlich vor sich hin, die beachtliche Laufzeit von fast zwei Stunden geht ganz schön ins Sitzfleisch.

Dabei gibt es nichts Erfreuliches an diesem Film. Die Figuren sind leere Hüllen, die durch die Handlung geistern, ohne dass sie je ausbuchstabiert werden, ohne dass ihr Leid je untersucht wird. Es sind kaum mehr Charaktere, nur noch Erfüllungsgehilfen für das Drehbuch, das ihnen keinen Raum lässt. Die Narration ist zäh und ungelenk, verliert sich in den überkompliziert und verstockt dargebotenen Zeitebenen, da gibt es keine Virtuosität, nur Kopfschmerzen.

The_Captive_Bild_04

Cassandra wird seit geraumer Zeit vermisst

Ryan Reynolds ist kraftlos und mit seiner Milchbubi-Attitüde auch grandios fehlbesetzt. Da gab es im Egoyans letztem Werk wenigstens noch den großartigen Colin Firth. Die quirlige Rosario Dawson sticht in „The Captive“ noch am meisten positiv hervor. Auch seine teils interessanten Kulissen, schön verschneite Landschaften, nutzt Egoyan denkbar wirkungslos. Kaum Vergnügliches zu verzeichnen also.

Am schlimmsten aber ist, dass Egoyan trotz der Dringlichkeit und der Schrecklichkeit seines Themas nichts daraus macht. Der Film berührt nicht, er entsetzt nicht, er verschreckt nicht. Egoyan kann nichts beim Zuschauer hervorrufen. Wie schon beim letzten Film: alles auf schlechtem Fernsehfilm-Niveau, viel verschenktes Potenzial und wenig Spannung. Schade, dass er sich nicht von den Filmen seiner Criterion-Liste inspirieren ließ, die er jüngst als ihn berührende Werke genannt hat.

The_Captive_Bild_06

Die Ermittler Jeffrey und Nicole sind uneins

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ryan Reynolds sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 27. Januar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 112 Min. (Blu-ray), 108 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Captive
KAN 2014
Regie: Atom Egoyan
Drehbuch: Atom Egoyan, David Fraser
Besetzung: Ryan Reynolds, Scott Speedman, Rosario Dawson, Mireille Enos, Kevin Durand, Aidan Shipley, Bruce Greenwood
Zusatzmaterial: Interviews, Originaltrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

The_Captive_Bild_05

Die Eltern sind verzweifelt

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Ascot Elite Home Entertainment

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: