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The Immigrant – Auch die Neue Welt ist kein Paradies

29 Jan

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The Immigrant

Gastrezension von Simon Kyprianou

Drama // Die erste Einstellung von „The Immigrant“ zeigt die Freiheitsstatue im milchigen Morgennebel. Sie steht für die Hoffnungen und Träume, die all die Leute haben, die aus Europa kurz nach dem Ersten Weltkrieg in die Neue Welt fliehen. Dann zoomt die Kamera zurück, wir bemerken, dass wir uns auf einem Schiff befinden, die traumartige Aura der Freiheitsstatue wird gebrochen.

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Bruno gibt vor, Neuankömmling Ewa helfen zu wollen

Die eine in Quarantäne, die andere in die Prostitution

Auf dem Schiff herrschen Elend, Krankheit und Gewalt. In Ellis Island angekommen, versuchen die Schwestern Ewa (Marion Cotillard) und Magda (Angela Sarafyan) in die USA einzureisen, aber Magda muss für sechs Monate in Quarantäne, da sie sich bei der Überfahrt Tuberkulose zugezogen hat. Ewa fällt in die Hände von Bruno Weiss (Joaquin Phoenix), der ein Theaterensemble mit „leichten Mädchen“ leitet. Mit Prostitution kann, beziehungsweise muss sie sich etwas dazuverdienen, denn die Behandlungskosten für ihre Schwester sind hoch. Dazu verliebt sie sich noch in Brunos Cousin, den Magier Orlando (Jeremy Renner).

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Ewa leidet unter der Prostitution

Die Grandezza dieses Films liegt natürlich in den Schauspielern. Die für „Zwei Tage, eine Nacht“ gerade mit ihrer zweiten Oscar-Nominierung bedachte Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard („La vie en rose“) und der schon drei Mal Oscar-nominierte Joaquin Phoenix gehören fraglos zu den Besten ihrer Zunft und spielen auch grandios. Oft arbeitet Regisseur James Gray mit langen, starren Einstellungen auf ebenso starre Blicke seiner Schauspieler, dann wirken sie wie leidende Statuen.

Vielschichtige Figuren

Auch das Drehbuch ist brillant, es schafft vielschichtige, komplexe Figuren. Es gibt in „The Immigrant“ keine klaren Feindbilder. Bruno treibt Ewa und andere Mädchen zwar in die Prostitution, aber er ist ein verzweifelter Charakter, ein zärtlicher Mensch, rettungslos in Ewa verliebt. Wie alle anderen ist auch er nur auf der Suche nach Erlösung. Auch Ewa ist eine fein geschriebene Rolle, am Anfang vielleicht etwas zu passiv, zum Ende aber dann äußerst gelungen. Die religiöse Schuld wegen der Prostitution, wegen Diebstahl – um zu überleben – rafft sie langsam dahin, lässt sie zerbrechen und innerlich erkalten.

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Verliebt: Ewa und Magier Orlando

Absolut fantastisch ist das Set-Design: herrliche Studiokulissen des alten New York, düstere Hinterhöfe, die aussehen als seien sie einer apokalyptischen Welt entsprungen, kleine, karge Apartments und eine wundervolle Kirche. Die Welt scheint lebendig, scheint authentisch.

Es mangelt etwas an starken Bildern

Ein Manko ist jedoch James Grays Regie, die zwar durchaus versiert, aber auch einfallslos und beliebig erscheint. Er bebildert diese Geschichte etwas simpel, etwas lieblos, starke für sich sprechende Bilder gibt es selten. Die Schlussszene beispielsweise ist sehr gut, ebenso die erste Szene, in der Orlando zu sehen ist. Dort gewinnt Grays Inszenierung immer wieder für kurze Momente Kraft. Man hätte sich aber einen besseren Regisseur gewünscht, Paul Thomas Anderson oder Martin Scorsese beispielsweise.

„The Immigrant“ ist trotzdem ein sehr gelungener Film, der völlig in seine Zeit eintaucht – eine Charakterstudie verlorener Menschen und eine Chronik von allgegenwärtigem Leid.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Marion Cotillard sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet, Filme mit Joaquin Phoenix und/oder Jeremy Renner in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 30. Januar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 117 Min. (Blu-ray), 113 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: The Immigrant
USA 2013
Regie: James Gray
Drehbuch: James Gray, Ric Menello
Besetzung: Marion Cotillard, Joaquin Phoenix, Jeremy Renner, Dagmara Dominczyk, Jicky Schnee, Angela Sarafyan, Maja Wampuszyc, Ilia Volok, Antoni Corone, Adam Rothenberg
Zusatzmaterial: Trailer, Wendecover
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

Fotos, Packshot & Trailer: © 2015 Universum Film

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