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Archiv für den Monat Februar 2015

The Timber – Vorbild Sergio Corbucci

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The Timber

Gastrezension von Simon Kyprianou

Western // Jebediah Seagrave ist der Chef einer Goldsucher-Verbrecherbande, die in den Bergen ihr Unwesen treibt. Auf seine Fersen setzen sich zwei ungewöhnliche Kopfgeldjäger: seine beiden Söhne Samuel (Josh Peck) und Wyatt (James Ransone), die Jebediah verlassen hatte, als sie noch Kinder waren. Die beiden verschuldeten Brüder wollen mit dem Kopfgeld ihr Haus vor der Bank retten. Samuel ist zudem gerade erst Vater geworden und muss seine Frau Lisa (Elisa Lasowski) und sein Kind versorgen. So machen sich Samuel und Wyatt auf die gefährliche Reise in die Berge.

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Wyatt ahnt, dass es keine leichte Mission wird

Mit „The Timber“ knüpft Regisseur Anthony O’Brian inhaltlich an ein großes Vorbild an: an Sergio Corbuccis hintersinnige Kapitalismus-Kritik „Leichen pflastern seinen Weg“ von 1968. Wie Corbucci nutzt O’Brian das Motiv des Schnees, das die Landschaft in einen apokalyptischen, menschenfeindlichen Elendsort verwandelt. Dieser Ort steht sinnbildlich für das Verbrechen, die Gier und den Hass, der die Welt umhüllt. Wie bei Corbucci gibt es ein Terror-System, das sich im ungestraften Rausch der Gewalt befindet und dabei die kleinen Leute reihenweise leiden lässt.

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Prompt wird’s auch schon gefährlich

Von bestechender Schönheit sind die großartigen Bilder, die die verschneite Welt zu einer hypnotischen Eishölle werden lassen. Was den während eines harten Winters in Rumänien entstandenen Film aber trotz seiner ohnehin knappen 85 Minuten ausbremst, ist seine holprige Dramaturgie, die Gedanken, Beziehungen und Motive oft unwirsch abbricht und nicht zu Ende führt. Es ist die Narration, an der „Timber“ immer wieder zerbricht.

Sehr gut gelingt es O’Brian aber, die kalte Welt der Goldgräberei und das karge Überleben im ewigen Winter zu zeigen. Die Figuren bleiben geheimnisvoll, unnahbar, sie und überhaupt der Film wirken unwirsch, kalt und hart. Die Schauspieler unterstützen das, spielen rau und aggressiv.

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Die eiskalte Landschaft macht es den Menschen schwer

Anzusiedeln ist der teilweise durchwachsene aber jedenfalls interessante „The Timber“ irgendwo zwischen den Naturhöllen von Werner Herzog und den Ideologiefilmen von Sergio Corbucci. O’Brian hat mit „Timber“ erst sein zweites Werk vorgelegt. Von ihm dürfen wir noch einiges erwarten.

Veröffentlichung: 27. Februar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 82 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Timber
USA 2015
Regie: Anthony O’Brien
Drehbuch: Steve Allrich, Anthony O’Brien, Colin Ossiander
Besetzung: James Ransone, Elisa Lasowski, Mark Caven, David Bailie, Attila Árpa, Shaun O’Hagan, Josh Peck, Elisa Lasowski, William Gaunt
Zusatzmaterial: Making-of, Trailer
Vertrieb: WVG Medien GmbH

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Mit Jebediah ist nicht gut Kirschen essen

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 WVG Medien GmbH

 

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The Face of Love – Liebe hat viele Gesichter: Der Doppelgänger des toten Gemahls

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The Face of Love

Liebesdrama // Im Urlaub in Mexiko stirbt Nikkis (Annette Bening) geliebter Ehemann Garret (Ed Harris). Fortan lebt sie in Trauer, fühlt sie sich permanent an ihn erinnert. Erst recht, als sie fünf Jahre später bei einem Spontanbesuch in einer Kunstgalerie einen Mann zu sehen glaubt, der wie Garret aussieht. In den folgenden Wochen lässt sie sich dauerhaft in der Galerie nieder, bis sie den Mann eines Tages endlich wiedersieht und verfolgt. Tom Young (erneut Ed Harris) lehrt Malerei an einem College. Nikki heuert ihn als Privatlehrer an. Bald kommen die beiden einander näher. Doch auch Tom trägt die Last seines Lebens mit sich herum.

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Der letzte gemeinsame Urlaub: Nikki und Garret

Als Nikkis Nachbar und guter Freund Roger, der aber mehr sein will, ist der im August 2014 verstorbene Robin Williams zu sehen. „The Face of Love“ ist schon 2013 entstanden und in Deutschland gar nicht erst ins Kino gekommen. Was nach dem Kennenlernen von Nikki und Tom anfangs wie eine zarte Liebesgeschichte wirkt, entwickelt sich im Verlauf zum intensiven Psychodrama. Denn selbstverständlich richtet es ein Gefühlschaos an, sich als trauernde Witwe einem Mann zu nähern, der dem Toten wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Und welche Grundlage hat eine Liebe, die darauf beruht?

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Roger will mehr

Da wir es mit drei großartigen Schauspielern zu tun haben, ist beeindruckendes Schauspiel garantiert. Die Prämisse leidet etwas an Unglaubwürdigkeit, Bening und Harris tragen das aber gekonnt über ein paar Klippen. Ein ganz großer Wurf ist das nicht, für einen berührenden Filmabend – vorzugsweise zu zweit – reicht das aber allemal.

„The Face of Love – Liebe hat viele Gesichter“ ist erst der zweite Langfilm von Arie Posin. Nach einem Kurzfilm mit dem Titel „Over My Dead Body“ (2002) inszenierte er 2005 die Tragikomödie „The Chumscrubber“ mit Jamie Bell, Ralph Fiennes und Glenn Close.

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Beim Privatunterricht: Tom und Nikki

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ed Harris und/oder Robin Williams sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 20. Februar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Face of Love
USA 2013
Regie: Arie Posin
Drehbuch: Matthew McDuffie, Arie Posin
Besetzung: Annette Bening, Ed Harris, Robin Williams, Jess Weixler, Linda Park, Jeffrey Vincent Parise, Amy Brenneman, Clyde Kusatsu
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

Fotos, Packshot & Trailer: © 2015 Universum Film

 

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Speak No Evil – Kinder, Kinder …

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Speak No Evil

Die Sefarwiter verbrannten ihre Kinder als Opfer für ihren Sonnengott Adramelech. (2. Buch der Könige 17.31)

Horror // Ein Mädchen in der Provinz schaut beunruhigt aus dem Fenster. Die Sorge ist berechtigt: Aus dem sandigen Boden schält sich ein finsteres Wesen, das ins Haus eindringt. Joey (Olivia Cavender) verschwindet spurlos. Ihre Mutter Anna (Gabrielle Stone) hatte sich derweil mit ihrem neuen Liebhaber Creighton (Carl Jensen) vergnügt und muss sich von der Polizei und ihrem Ex-Mann Dale (Mario Guzman) erst einmal Vorwürfe wegen Vernachlässigung gefallen lassen. Doch Joey ist nicht das einzige verschwundene Kind.

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Die Kinder kehren zurück …

„Speak No Evil“ hat seine beklemmenden Momente – und gar nicht mal so wenige. Gleich zu Beginn wird klar, dass wir es mit einem Dämonenfilm zu tun haben. Die Kreatur aus dem Erdreich entfaltet in der Eingangsszene ihre beängstigende Wirkung, taucht dann allerdings kaum noch auf. Atmosphärisch gut funktionieren auch eine Exorzismus-Sequenz und ungebildete Provinzler, die sich nicht anders zu helfen wissen als mit Verrohung, obgleich es in der Hinsicht auch etwas zu meckern gibt (siehe unten). Auch etwas gesplattert wird, und das gar nicht schlecht.

Zur Spoiler-Vermeidung einen Absatz überspringen

Viel mehr will ich gar nicht verraten, zwei Filme seien als Referenz herangezogen, deren Nennung allerdings viel andeutet, daher die Spoiler-Warnung: Drehbuchautor und Regisseur Roze (wieso heißt der so?) dürfte „Das Dorf der Verdammten“ und „Ein Kind zu töten …“ bzw. deren Remakes gesehen haben, auch wenn er deren Intensität nie erreicht. Die Szenen mit den Kindern hat er allerdings recht virtuos inszeniert, sowohl visuell als auch in Bezug auf das Sounddesign.

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… verspüren etwas Übelkeit …

Unglücklicherweise hat „Speak No Evil“ zwei große Mängel, die das Horrorvergnügen deutlich schmälern: Zum einen bekommen wir durch die Bank unterdurchschnittliches bis unterirdisches Schauspiel geboten. Kein einziger Akteur genügt Mindeststandards. Die Glaubwürdigkeit der Figuren ist zwar in billigen Horrorfilmen nicht unbedingt das wichtigste Element, aber wenn es denn arg zu schlecht wird, stört das doch sehr. Der Wechsel der Tonspur hilft da auch nicht weiter. Was aus den Mündern der Personen kommt, klingt im Original wie in der deutschen Synchronisation gleichermaßen mies.

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… und sind allgemein arg verändert

Zum anderen spielt der Film in einem heruntergekommenen White-Trash-Setting, reizt das aber nicht einmal annähernd aus. Hier ein Trailer, dort ein paar Baracken, leidlich intelligente Provinzler laufen herum – fertig ist die Wüstenlaube. In Kombination mit dem Exorzistenmotiv hätte das konsequenter inszeniert sein können. Da ist viel Potenzial verschenkt worden. Was bleibt, ist in Teilen ansprechender Kinder- und Dämonenhorror mit ein paar leider nicht nur kleinen Macken.

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Bekannte Körperhaltung

Veröffentlichung: 27. Februar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 74 Min. (Blu-ray), 71 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Speak No Evil
USA 2013
Regie: Roze
Drehbuch: Roze
Besetzung: Greg Bronson, Annalise Cavender, Elisabeth Cavender, Ian Cavender, Olivia Cavender, Kameron Cochrane, Sylvie Cohen, Michael Cortez, Madelynn Eldredge, Machelle Glassburn, Mario Guzman, Rob Hartz
Zusatzmaterial: Kinotrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Mad Dimension / Al!ve AG

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Ein sonderbares Ritual

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2015 Mad Dimension / Al!ve AG

 

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