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The Warriors – Walter Hills herausragende Gang-Action im Big Apple

01 Feb

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The Warriors

Von Simon Kyprianou

Actionthriller // Schon der Anfang von „The Warriors“ ist virtuoses Kino: In Parallelmontagen zeigt uns Walter Hill, wie die verschiedenen Straßengangs, unter ihnen auch die titelgebenden Warriors, aus allen Vierteln von New York City mit der U-Bahn zu einem Treffen fahren, wie sie sich durch die U-Bahn-Stationen pöbeln, in ihren uniformartigen Outfits. Beim Treffen angekommen ruft Cyrus, Boss der Gang Riffs und selbsternannter Anführer aller Straßenbanden, die Herrschaft der Gangs über die Stadt aus. Es kommt anders: Luther, Anführer der Rogues, erschießt Cyrus aus der Menge heraus und schiebt die Tat den Warriors in die Schuhe. Deren Boss Cleon wird kurzerhand gelyncht. Unter der Führung von Swan (Michael Beck) müssen die verbliebenen Warriors von der Bronx zurück in ihr heimisches Viertel Coney Island fliehen, gejagt von allen anderen Gangs und der Polizei.

New York City als Kriegsgebiet

Hill inszeniert New York City wie ein Kriegsgebiet. Die Nacht ist schier endlos, die Dunkelheit verschluckt die Menschen und die triste, zerfallende Stadt scheint nur noch vom allgegenwärtigen Neonlicht zusammengehalten zu werden. „The Warriors“ ist ein urbaner Western, die Großstadt ist eine Welt der Gewalt. Es ist eine traurige Welt, regiert von Verbrecherbanden, ohne Perspektive, durch die sich die Warriors kämpfen müssen. Das ist auch knallharte Sozialkritik, die Walter Hill ganz beiläufig und ohne erhobenen Zeigefinger liefert.

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Noch führt Cyrus das große Wort

„The Warriors“ ist ein Kino der Bewegung, eine Elends-Odyssee durch eine bedrohliche Welt, wie so oft bei Walter Hill, beispielsweise im Vietnam-Verarbeitungs-Film „Die letzten Amerikaner“ oder auch „The Driver“. Walter Hills Kino ist zwar sehr amerikanisch, niemals aber pathetisch. Die Figuren sind sehr amerikanisch: Klar konturiert, pragmatisch. Amerika selbst aber ist für Hill dennoch stets mehr Fluch als Segen.

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Sündenböcke: die Warriors

Dabei zeigt der Regisseur aber auch, wie wenig Unterschied das Leben in den Gangs, das Leben an der Gesellschaft vorbei doch eigentlich macht. Wie die Bankiers in ihren Anzügen und die Arbeiter in ihren Overalls haben auch die Gangs Kleidungsvorschriften, nach denen man sich richten muss. Das Leben in den Gangs inszeniert Hill keinesfalls als Freiheits-Utopie, es ist genau so einengend wie jedes andere Leben auch. Die fantasievollen Outfits der Gangs machen im Übrigen durchaus einen Teil der Faszination des Films aus.

Brachiale Action

Hills Regie ist treibend, die ständige Bewegung lässt „The Warriors“ zu einem kinetischen, schnellen Film werden, der niemals still steht. Das lässt die Flucht der Warriors gehetzt und verzweifelt und die Jagd auf sie unerbittlich wirken. Die brachialen Actionszenen und der flirrende Soundtrack tun das Ihre dazu.

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Auf dem Heimweg lauern auch die Baseball Furies

Es ist aber auch ein sehnsuchtsvoller Film, Swan lernt eine Frau kennen, Mercy (Deborah Van Valkenburgh in ihrem ersten Film). Er will ausbrechen, aus der Welt der Gangs und aus New York, ja aus den USA, die Flucht durch New York wird zur Suche nach Erlösung, sie wollen raus aus dem amerikanischen Albtraum. Das Ende, am Strand von Coney Island, mit einem Vergnügungspark im Hintergrund, hat dann schon beinahe etwas Melodramatisches, etwas Erlösendes, es scheint, als seien die Warriors endlich aufgewacht aus ihrem Albtraum.

Wettlauf mit „The Wanderers“

Seinerzeit lieferte sich „The Warriors“ einen kurzen Wettlauf mit „The Wanderers – Terror in der Bronx“ von Philip Kaufman, ebenfalls ein großartiger Gang-Film. Um ihn an den Kinokassen abzuhängen, ließen die Produzenten von „The Warriors“ in der Postproduktion drei Teams am Schneidetisch arbeiten. Resultat: „The Warriors“ startete im Februar 1979 in den US-Kinos, „The Wanderers“ fünf Monate später.

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Keilerei auf der Herrentoilette

In einer kurzen Szene ist die 1992 für ihre Nebenrolle in „König der Fischer“ Oscar- und Golden-Globe-prämierte Mercedes Ruehl zu sehen: Als verdeckte Ermittlerin und sexy Lockvogel im Park nimmt sie einen der Warriors hoch, der ihr an die Wäsche will. Bei uns lange Zeit mit einer FSK-18-Freigabe versehen, ist „The Warriors“ 2013 auf FSK 12 heruntergestuft worden.

Director’s Cut nicht bei uns

In Deutschland nicht veröffentlicht: Walter Hills 76 Sekunden längerer Director’s Cut (siehe den Schnittbericht), der hauptsächlich um einige Überblendungen im Comic-Stil erweitert wurde – ein nettes Gimmick, mehr nicht. Prägnantester Unterschied: Der Director’s Cut enthält eine Eingangssequenz, die den Film in einen Kontext zur Schlacht bei Kunaxa und dem „Zug der Zehntausend“ um 401 v. Chr. setzt.

Blu-ray nur in Großbritannien und den USA

Der Film funktioniert zwar auch in der Kinofassung ganz wunderbar, dennoch: Wer auf die deutsche Synchronisation verzichten kann, greife in Großbritannien oder den USA zu – in Deutschland gibt’s „The Warriors“ lediglich auf DVD. Die Blu-ray bietet ein herausragendes Bild.

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Showdown am Strand – Swan zeigt seine Qualitäten

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Walter Hill sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 3. Januar 2014 als DVD

Länge: 89 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: The Warriors
USA 1979
Regie: Walter Hill
Drehbuch: Walter Hill, David Shaber, nach einem Roman von Sol Yurick
Besetzung: Michael Beck, James Remar, Dorsey Wright, Brian Tyler, David Harris, Deborah Van Valkenburgh, Tom McKitterick, Marcelino Sánchez, Terry Michos, David Patrick Kelly, Lynne Thigpen, Mercedes Ruehl
Zusatzmaterial: Kinotrailer
Vertrieb: Paramount Home Entertainment

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2014 Paramount Home Entertainment

 
 

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4 Antworten zu “The Warriors – Walter Hills herausragende Gang-Action im Big Apple

  1. buschlee

    2015/05/20 at 01:56

    Danke für den tollen Beitrag. Hat irgend jemand eine Info, von welchem Sprecher Swan synchronisiert wurde? Alle anderen wurden von namenhaften Sprechern der damaligen (bzw. heutigen) Zeit synchronisiert. Zu der deutschen Stimme von Michael Beck finde ich nirgends eine Angabe.

     
    • Simon Kyprianou.

      2015/05/28 at 22:40

      Tut mir leid, keine Ahnung. Und spontan auch keine Idee, wo man das zuverlässig in Erfahrung bringen könnte.

       
  2. friedlvongrimm

    2015/02/10 at 11:13

    Ein feiner Film, den ich sehr gerne im Double Feature mit „The Wanderers“ schaue. Das PlayStationspiel ist übrigens auch ganz nett.

     
    • V. Beautifulmountain

      2015/02/10 at 11:27

      THE WANDERERS ist in der Tat auch klasse. Der ist kürzlich in einem sehr schönen Mediabook erschienen, das ich mir gegönnt habe.

       

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