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Jupiter Ascending – Augenwischerei

04 Feb

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Jupiter Ascending

Kinostart: 5. Februar 2015

Von Matthias Holm

SF-Abenteuer // Kurz vor der Jahrtausendwende schlug ein Film an den Kassen ein, der sich bis heute als stilbildendes Meisterwerk etabliert hat: „Matrix“ gelang es, mit seiner Vermischung aus tollen Effekten und einer visionären Story um gebeugte und virtuelle Realität Publikum und Kritiker gleichermaßen zu begeistern. Nach zwei mäßigen Fortsetzungen, dem filmgewordenen LSD-Trip „Speed Racer“ und der deutschen Koproduktion „Cloud Atlas“ versuchen die Wachowskis nun mit geballter Starpower, den ersten großen Blockbuster des Jahres 2015 zu liefern.

Von der Putzfrau zur Weltenherrscherin

Die junge Jupiter Jones (Mila Kunis) ist nicht unbedingt zufrieden mit ihrem Leben. Als Tochter einer russischen Immigrantin putzt sie jeden Tag die Domizile der Reichen und Schönen. Der triste Alltag hat ein Ende, als Caine (Channing Tatum) in ihr Leben tritt. Der gutaussehende Mann ist ein Alien – und soll Jupiter zu seinem Auftraggeber bringen. Jupiter ist nämlich die Reinkarnation einer Königin der Außerirdischen. Doch deren Nachfahren denken gar nicht daran, ihre Besitztümer an die rechtmäßige Herrscherin zu geben. Besonders der missgünstige Balem (Eddie Redmayne) will unbedingt selbst auf den Thron.

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Jupiter ist von königlichem Blut

Das Drehbuch der Wachowskis hat durchaus gute Ideen. Unsterblichkeit durch DNA-Manipulation oder die Herkunft der Menschheit sind Beispiele dafür, dass „Jupiter Ascending“ viel Potenzial hat. Doch während in der „Matrix“ alle Fäden konsequent zu Ende gedacht wurden und das Geschehen auch eine philosophische Komponente trug, bleibt „Jupiter Ascending“ fast schon unangenehm oberflächlich. Beinahe hat man die Vermutung, dass die Geschwister mit mehr als einem Auge auf das Mainstream-Publikum geschielt haben.

Die Frau – ohne männliche Unterstützung geht gar nichts

Ein fader Beigeschmack bleibt auch für mich als Videospieler: Es gab in letzter Zeit viele Diskussionen wegen der Video-Reihe „Tropes vs. Women in Videogames“ bei YouTube, in denen Anita Sarkeesian die fehlende Gleichberechtigung von Mann und Frau in Videospielen kritisiert. Ein Punkt, den sie anführt, ist die berühmte „Damsel in Distress“, die Prinzessin in Nöten. Genau dieser Punkt wird in „Jupiter Ascending“ ausgereizt bis zum Gehtnichtmehr. Obwohl Jupiter eigentlich eine starke Hauptfigur sein soll, gelingt es ihr nie, sich allein aus misslicher Lage zu befreien – immer muss sie von Caine gerettet werden. Eine starke, unabhängige Frau sieht anders aus.

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Ein mächtiger Raumgleiter

Ein Hochgenuss ist die Optik des Films. Auch wenn die 3D-Effekte zu vernachlässigen sind – das Design und die Schauwerte sind atemberaubend. Besonders die außerirdische Technik sieht einfach gut aus. Eine großartige Szene ist dabei Jupiters Versuch, an die Besitztümer aus ihren vorherigen Leben zu kommen: Während das restliche Design auf Hochglanz poliert ist, wirkt die Alien-Behörde wie eine Zukunftsvariante des Hauses, das verrückt macht aus „Asterix erobert Rom“. In dieser Sequenz hat übrigens Regie-Meister Terry Gilliam einen Gastauftritt.

Mehr Schein als Sein

Das Problem von „Jupiter Ascending“: Es ist ein typischer „Style-over-Substance“-Film. Und in solchen Filmen kommen die Schauspieler selten gut weg. Schwer enttäuscht bin ich vom Oscar-nominierten Eddie Redmayne. Auch wenn er in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ eine tolle Performance als Stephen Hawking abliefert – als Bösewicht eignet er sich überhaupt nicht. Auch Channing Tatum („Foxcatcher“), der zuletzt mehr für seine schauspielerischen Fähigkeiten als für seinen Körper gelobt wird, tut den gesamten Film über nichts anderes als finster in die Kamera zu gucken. Und Mila Kunis? Sieht gut aus und hinterlässt auch keinen bleibenden Eindruck. Sean Beans Nebenrolle als Caines Freund lässt sich mit dem Wort „überflüssig“ wohl am besten beschreiben.

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Caine (l.) und Stinger

Eine Geschichte, die nicht ansatzweise an ihre Grenzen geht, mittelmäßige Schauspiel-Leistungen und eine grandiose Optik – „Jupiter Ascending“ ist leider keine zweite „Matrix“ geworden. Wer allerdings mal den Kopf abschalten und sich berauschen lassen möchte – dafür ist dieser Film immer noch eine bessere Wahl als die „Transformers“-Reihe.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sean Bean, Eddie Redmayne und Channing Tatum sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 127 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Jupiter Ascending
USA 2015
Regie: Andy Wachowski, Lana Wachowski
Drehbuch: Andy Wachowski, Lana Wachowski
Besetzung: Channing Tatum, Mila Kunis, Eddie Redmayne, Sean Bean, James D’Arcy, Douglas Booth, Gugu Mbatha-Raw, Tuppence Middleton, Charlotte Beaumont, Maria Doyle Kennedy
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2015 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2015 Warner Bros. Ent.

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