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Inherent Vice – Natürliche Mängel: Bogart als Inspiration

09 Feb

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Inherent Vice

Kinostart: 12. Februar 2015

Gastrezension von Simon Kyprianou

Krimikomödie // In einer äußerst witzigen Gesprächsrunde nach einer Vorführung von „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ fragte jemand, ob Howard Hawks’ „Tote schlafen fest“ („The Big Sleep“) mit Humphrey Bogart eine der Inspirationen für Paul Thomas Anderson gewesen sei. Der Regisseur bejahte und sagte, obwohl er „Tote schlafen fest“ schon etliche Male gesehen habe, habe er die komplexe Handlung nie recht verstanden, aber darum gehe es auch nicht. Es gehe darum, dem Helden auf seinem Weg zuzusehen, wissen zu wollen, was als nächstes passiert.

Joaquin Phoenix als kiffender Privatschnüffler

So in etwa ist es auch mit „Inherent Vice – Natürliche Mängel“. Wir treten eine endlose Reise ins Herz der Paranoia an, blicken in den Abgrund von Verschwörung und Verbrechen – erleben die verrückte Welt des dauerbekifften Doc Sportello (Joaquin Phoenix). Doc ist Privatdetektiv und im Los Angeles der 70er auf einer irren Suche nach dem Bauunternehmer Mickey (Eric Roberts) und seiner Ex-Freundin Shasta (Katherine Waterston).

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Von einem Gespräch …

Es ist ein Dialogfilm im besten Sinne, ein Film der sich von Gespräch zu Gespräch entwickelt. Ständig trifft Doc auf neue Personen, die ihm neue Informationen liefern, oft widersprüchlich zum vorher Gesagten. Von Minute zu Minute wird alles undurchsichtiger und unverständlicher. Bald schon verliert man – wie in „Tote schlafen fest“ – den Überblick und ist gefangen in hitziger Ungewissheit.

Die Liebe in Zeiten der Kriminalität

Das Schönste an dem Film aber ist, dass er im Kern eine Liebesgeschichte ist, was der Regisseur auch betont hat. Anderson inszeniert sie unheimlich zärtlich. Die Liebe ist die Konstante in dieser verrückten, unübersichtlichen Welt, zwischen all den Verbrechen und Lügen. „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ taucht ein in diese Welt, macht sie lebendig.

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… geht’s gleich zum nächsten

Die Besetzung ist himmlisch, vor allem Joaquin Phoenix, der nach „The Master“ auch in der zweiten Zusammenarbeit mit Paul Thomas Anderson aufblüht. Aber auch alle anderen spielen wunderbar: Owen Wilson, Benicio del Toro, Josh Brolin, Reese Witherspoon, Eric Roberts.

Nah an der Romanvorlage von Thomas Pynchon

Am ehesten vergleichbar ist der Wahnsinn dieses Films vielleicht mit Robert Altmans „Der Tod kennt keine Wiederkehr“. Der Film hält sich im Großen und Ganzen recht genau an Thomas Pynchons Romanvorlage, was ihn manchmal etwas ausbremst und ihm über kurze Strecken immer wieder Dynamik nimmt.

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Der Joint darf nicht fehlen

„Inherent Vice“ ist nicht Paul Thomas Andersons beste Arbeit, aber trotzdem ein großartiger Film. Aber das weiß der gute Mann ja auch selbst: I have a feeling, one of those gut feelings, that I’ll make pretty good movies the rest of my life. And maybe I’ll make some clunkers, maybe I’ll make some winners, but I guess the way that I really feel is that “Magnolia” is, for better or worse, the best movie I’ll ever make.

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Doc (l.) begegnet schrägen Typen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Joaquin Phoenix sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 148 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Inherent Vice
USA 2014
Regie: Paul Thomas Anderson
Drehbuch: Paul Thomas Anderson, nach einem Roman von Thomas Pynchon
Besetzung: Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Owen Wilson, Reese Witherspoon, Jeannie Berlin, Eric Roberts, Serena Scott Thomas
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2014 Warner Bros. Ent.

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