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Whiplash – Im Folterkeller des Musikunterrichts

16 Feb

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Whiplash

Kinostart: 19. Februar 2015

Von Simon Kyprianou

Drama // Schwarzes Bild, monotone Trommelschläge aus dem Off – erst nach einer kurzen Weile sehen wir ein Bild. Andrew Neyman (Miles Teller) sitzt am Schlagzeug und übt. Kurz darauf begegnet ihm zum ersten Mal Terence Fletcher (J. K. Simmons), der ihn nur wenig später in seine Jazzband an der renommiertesten Musikhochschule von New York einführt – vorerst als Auswechsel-Mann. Zwischen dem Lehrer mit seinen geradezu faschistischen Unterrichtsmethoden und dem talentierten Schüler beginnt bald ein unbarmherziger Machtkampf.

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Talent und Leidenschaft machen Andrew kaputt

„Whiplash“ heißt zu deutsch Peitschenhieb – ein äußerst treffender Titel für eine schmerzhafte und unangenehme Film-Erfahrung, die Damian Chazelle auf den Zuschauer einprasseln lässt. Es ist das Remake seines eigenen Kurzfilms, für den der Regisseur 2013 beim Sundance Film Festival mit dem Kurzfilmpreis prämiert worden war.

Freiwillig unter der Knute des Schinders

Mit Andrew und Terence inszeniert Damian Chazelle zwei fragwürdige, ambivalente Figuren, die beide keinerlei Projektionsfläche für den Zuschauer bieten. Der eine ist ein Schinder, geradezu ein musikalischer Drill Sergeant, der glaubt, der Zweck heilige die Mittel. Der andere lässt sich freiwillig von diesem faschistoiden Lehrer foltern, gibt dafür leichtfertig sein Leben auf, verprellt gar das Mädchen (Melissa Benoist), das in ihn verliebt ist, in das er ebenfalls verliebt ist – opfert sie für seine Karriere. Zwei schwer greifbare Figuren also, deren zärtliche und menschliche Seiten Chazelle zwar nicht leugnet, die er aber durchgehend distanziert und kritisch betrachtet.

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Terence brüllt seinen Schüler zusammen

Nach all der Folter und all den Verletzungen gibt es am Ende diesen einen Moment, den sich die beiden Kämpfenden so lange herbeigesehnt haben, das perfekte Konzert. Aber Chazelle lässt ihn uns nicht genießen, lässt es nicht als wirklichen Erfolg stehen. Denn der untragbare Preis, den wir für diesen Moment zahlen müssen, der Verlust der Menschlichkeit, Verlust der Moral, er lässt diesen Moment wertlos erscheinen.

Verdiente Preise, nicht nur für J. K. Simmons

Chazelles Inszenierung ist stilisiert und mitreißend, seine Ausleuchtung unheilvoll schattig, sein Schnitt furios. Er treibt den Film so unbarmherzig an wie Terence Andrew am Schlagzeug. Auch die Schauspieler sind fantastisch, vor allem J. K. Simmons, der ewige Nebendarsteller, der hier sein Talent vollends ausspielt und dafür jüngst völlig zu Recht den Golden Globe sowie den Screen Actors Guild Award als bester Nebendarsteller gewonnen hat und als Favorit ins Oscar-Rennen geht. Drei Tage nach dem deutschen Kinostart erfahren wir mehr.

Ein fantastischer und sehr schmerzhafter Film, die zahlreichen Preise sind hoch verdient.

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Kurze private Glücksmomente halten nicht lange vor

Länge: 107 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Whiplash
USA 2014
Regie: Damien Chazelle
Drehbuch: Damien Chazelle
Besetzung: Miles Teller, J. K. Simmons, Melissa Benoist, Paul Reiser, Austin Stowell, Nate Lang, Chris Mulkey, Suanne Spoke, Charlie Ian, Jayson Blair
Verleih: Sony Pictures Releasing GmbH

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2015 Sony Pictures Releasing GmbH

 

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