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Die geliebten Schwestern – War Schiller ein Filou?

20 Feb

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Die geliebten Schwestern

Gastrezension von Simon Kyprianou

Historiendrama // Am Ende des Films sagt Dominik Grafs Stimme aus dem Off, Caroline, eine der beiden titelgebenden Schwestern, habe in ihrer Biographie alle intimen Details ihres Lebens verschwiegen. Vor ihrem Tod habe sie zudem alle Dokumente verbrannt, die ihre Liaison mit Schiller bewiesen hätten. Damit macht er es klar: Der Film ist Spekulation, ist fiktiv, ist frei. Frei mit den Figuren und mit ihren Leben.

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Eines schönen Sommers beginnt die Ménage-à-trois

Diese Freiheit nutzt Dominik Graf exzessiv aus. Er mischt ihr aber auch immer wieder historische Präzision bei, etwa wenn er über Schillers Zeitschrift „Die Horen“ erzählt oder über dessen Haltung zur Französischen Revolution. Auch bei seinen Off-Kommentaren nutzt Graf diese Freiheit aus, denn sie sind mehr als nur Narration, sie sind wertend, interprtierend und gewichtend.

Aus dem Leben eines Dichters

Im Kern erzählt Graf die Geschichte von 19 Jahren im Leben von Dichter und Universitätsprofessor Friedrich Schiller (Florian Stetter), in denen er eine tragische Dreiecksbeziehung mit den beiden Schwestern Caroline von Beulwitz (Hannah Herzsprung) und Charlotte von Lengefeld (Henriette Confurius) führt. Es ist die Verfolgung der unüberwindbaren menschlichen, inneren und äußeren, gesellschaftlichen Hürden, die diese Liebesbeziehung unmöglich macht. Es ist die Chronik der tödlichen Dynamik dieser tragischen Liebe.

Mit behutsamer Dramaturgie erzählt Graf diese Geschichte, lässt sie aber immer wieder für kurze Momente ausufern: ein ewiger Liebesschwur an einem tosenden Wasserfall, gemeinsame Ausbrüche in Tränen. Wie üblich inszeniert mit wilden Schwenks und Zooms. Am Ende vermischen sich Schreie, Blut und Scherben zu einem Zeugnis des unterdrückten Hasses, der über all die Jahre aufgekommen ist und den Dominik Graf in einem herrlich explosiven Finale entlädt.

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Beide Schwestern empfinden Liebe für Schiller

Graf bringt den damals in Mode gewesenen Briefroman (siehe auch Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“) in eine filmische Form, „Die geliebten Schwestern“ ist ein Film, der sich über Briefwechsel voranentwickelt, die Graf wunderbar als theaterhafte Zuschaueransprachen inszeniert. Eine wundervolle Chronik, ein Film, der nicht an seinem Pomp und an seinen Kostümen erstickt, sondern eine lebendige, fantastisch gespielte Liebes- und Lebensgeschichte erzählt.

Kurzzeitig war der Film im Rennen um eine Nominierung für den Auslands-Oscar, es hat am Ende aber nicht geklappt. Schade, man hätte es Graf gewünscht, diesem unermüdlichen Kämpfer für den deutschen Film. Für die schöne Kameraführung gab‘s immerhin den Bayrischen Filmpreis. Während der diesjährigen Berlinale gab es zudem vom Verband der deutschen Filmkritik zwei weitere Preise: für den besten Schnitt und die beste Filmmusik 2014.

Dominik Graf bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Die Katze (1988)
Polizeiruf 110 – Der scharlachrote Engel (2005)
Polizeiruf 110 – Er sollte tot (2006, geplant)
Polizeiruf 110 – Cassandras Warnung (2011)
Polizeiruf 110 – Smoke on the Water (2014)
Die geliebten Schwestern (2014)
Zielfahnder – Flucht in die Karpaten (2016)

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Der beginnt voller Freude seine Universitäts-Karriere

Veröffentlichung: 20. Februar 2015 als Blu-ray (Director’s Cut und Kinofassung), DVD (Director’s Cut) und DVD (Kinofassung)

Länge: 170 Min. (Blu-ray, Director’s Cut), 140 Min. (Blu-ray, Kinofassung), 164 Min. (DVD, Director’s Cut), 134 Min. (DVD, Kinofassung)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Die geliebten Schwestern
D/A/CH 2014
Regie: Dominik Graf
Drehbuch: Dominik Graf
Besetzung: Hannah Herzsprung, Florian Stetter, Henriette Confurius, Claudia Messner, Ronald Zehrfeld, Andreas Pietschmann
Zusatzmaterial: Audiodeskription für Blinde & Sehbehinderte, nur Director’s Cut: Making-of, Audiokommentar von Regisseur Dominik Graf
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

Fotos, Packshot & Trailer: © 2014 Universum Film

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