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Clint Eastwood (III): Heartbreak Ridge – Unter diesem Ausbilder will doch jeder dienen … oder?

21 Feb

Heartbreak_Ridge-Cover

Heartbreak Ridge

Kriegs-Action // In einer gut gefüllten Gefängniszelle: Ein nicht mehr allzu junger Mann erzählt den übrigen Insassen Geschichten aus seiner Zeit bei den US-Marines, von Nutten in Vietnam und anderen Erlebnissen. Ein vollschlanker Streithammel unter den Zuhörern äußert, keine Soldaten zu mögen. Die Reaktion von Gunnery Sergeant Thomas Highway (Clint Eastwood) – das ist der Erzählende: „Pass auf! Ich bin hinterhältig, unausgeschlafen und fies. Ich fresse grundsätzlich nur Stacheldraht und pisse Napalm.“ Der Dicke passt nicht auf, er lernt seine Lektion.

Vom Angeklagten zum Ausbilder

Sergeant Highway muss sich wegen einiger alkoholbedingter Disziplinlosigkeiten vor Gericht verantworten. Weil der hochdekorierte Soldat im Kampf große Verdienste erworben hat, kommt er mit einem blauen Auge davon. Dennoch ist er – auch altersbedingt – als US-Marine auf dem Abstellgleis, und das befördert ihn zurück in seine alte Aufklärungseinheit: Als Ausbilder übernimmt Highway eine Schar neuer Rekruten.

Ein echter Sauhaufen

Der einiges gewohnte Recke merkt schnell, dass er es mit einem völlig lustlosen Haufen zu tun hat. Unter ihnen: der Schönling Fragetti (Vincent Irizarry), die großspurige Labertasche Stitch (Mario Van Peebles), Muskelprotz „Schwede“ (Peter Koch) und andere Faulenzer. Die Rekruten merken ihrerseits schnell, dass mit ihrem neuen Ausbildungssergeant nicht gut Kirschen essen ist. Highway hingegen bekommt es mit seinem ehrgeizigen Vorgesetzten Major Powers (Everett McGill) zu tun, der zwar noch keinen Kampfeinsatz vorzuweisen, dafür aber einen Stock verschluckt hat.

„Ich hab’ mehr Bier gesoffen und mehr Blut gepisst und mehr Weiber genagelt … als ihr hohlen Nüsse zusammen.“ Mit diesen zarten Worten führt sich Gunnery Sergeant Highway gleich passend bei seinen neuen Schützlingen ein. Derlei coole und lässige Texte ziehen sich durch den gesamten Film, der auf eine politisch nicht immer ganz korrekte Weise viel Spaß macht.

Machismo rulez!

Viel Testosteron ist da im Spiel, Eastwood spielt seine ganze Virilität aus. Wer da nicht als Kerl nach dem Film etwas breitbeiniger vom Sofa aufsteht, dem ist auch nicht zu helfen. Dabei empfiehlt sich die Original-Sprachfassung. Zwar ist Eastwoods etatmäßige deutsche Synchronstimme nicht schlecht, Eastwood selbst hat sich aber für seinen Ausbilder-„Job“ scheint’s noch etwas heruntergestimmt. Das ist übertrieben, aber herrlich.

Das Geschehen ist vorhersehbar – egal. Ausbildungsszenen wie in „Heartbreak Ridge“ hat man schon oft gesehen, aber wenn sie so augenzwinkernd inszeniert sind wie in diesem Fall (die T-Shirts beim Morgenappell!), schaut man sich das als Freund zünftiger Kriegs-Action gern an. Klar auch, dass sich die Schinderei der Rekruten am Ende auszahlt – sie dient dem Überleben im Kampfeinsatz, als es an die Invasion Grenadas geht. Ebenso klar, dass die Nachwuchs-Marines merken, was sie an ihrem Ausbilder haben. Aber an etwas militärischem Pathos ist noch niemand zugrunde gegangen.

Parole: Action!

Der bessere und weit anspruchsvollere Film um eine militärische Grundausbildung nebst anschließendem Kampfeinsatz ist zweifellos Stanley Kubricks ein Jahr später entstandener „Full Metal Jacket“. Allerdings ist der Vergleich unfair, denn Clint Eastwood wollte einfach einen Testosteron-geschwängerten Actionstreifen mit ein paar ironischen Untertönen inszenieren. Und das ist ihm ganz vorzüglich gelungen – besser jedenfalls, als er seine Intentionen beim kommenden Kriegsdrama „American Sniper“ umgesetzt hat, der trotz seiner Oscar-Nominierungen doch zu einiger Kritik Anlass gibt (Rezension folgt).

Der Titel „Heartbreak Ridge“ – zu deutsch etwa „Anhöhe des Leidens“ – bezieht sich auf die Schlacht von Heartbreak Ridge, eine Großoffensive der UNO im Koreakrieg 1951.

1988 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert, wurde „Heartbreak Ridge“ im Sommer 2013 vom Index gestrichen, erhielt in der Folge sogar eine Altersfreigabe ab 16 Jahren.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von oder mit Clint Eastwood sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 4. Juni 2010 als Blu-ray (mit FSK-18-Freigabe, Neuauflage ungekürzt mit FSK-16-Freigabe)

Länge: 130 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Italienisch, Spanisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch
Originaltitel: Heartbreak Ridge
USA 1986
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: James Carabatsos
Besetzung: Clint Eastwood, Mario Van Peebles, Marsha Mason, Everett McGill, Moses Gunn, Peter Koch, Bo Svenson, Boyd Gaines, Arlen Dean Snyder, Vincent Irizarry
Zusatzmaterial: US-Kinotrailer
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2014 Warner Home Video

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