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David Cronenberg (III): Maps to the Stars – Wenn die Menschlichkeit abhanden kommt

01 Mrz

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Maps to the Stars

Gastrezension von Simon Kyprianou

Drama // Ein Episodenfilm: In Hollywood kreuzen sich die Wege des Selbsthilfegurus Dr. Stafford Weiss (John Cusack), seiner aus Inzest entstandenen Kinder Agatha (Mia Wasikowska) und Benjie (Evan Bird), der alternden Schauspielerin mit Mutterkomplexen Havana Segrand (Julianne Moore) und des Chauffeurs Jerome (Robert Pattinson). Aus ihren Schicksalen zeichnet David Cronenberg eine unerbittliche Groteske.

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Hilfe zur Selbsthilfe: Dr. Weiss

Wird David Cronenberg zum Pessimisten?

Cronenbergs Werk ist dominiert von Gesellschaftsanalysen und Eskapismusfantasien. Trotz all dem Exzess und der Gewalt in seinen Filmen war es immer ein tief humanistisches Kino, voller Verständnis und voller Menschlichkeit. Spätestens seit „Cosmopolis“ und nun auch in „Maps to the Stars“ – beide auch Analysen der modernen Gesellschaft – ist diese Menschlichkeit in Cronenbergs Werk beinahe ganz verloren gegangen. Er ist härter und radikaler geworden, vielleicht auch pessimistischer.

Die Bilder sind oberflächlich, genau wie die Figuren, da ist keine Tiefe mehr vorhanden, nichts Wahrhaftiges mehr – genau darum gibt es auch keine Menschlichkeit mehr. Die Figuren sind Unmenschen geworden. Man kann sich ihnen nicht mehr annähern und erst recht kein Verständnis mehr für sie aufbringen.

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Gealtert – Hannas Zukunft steht in den Sternen

Der Tod verliert an Bedeutung

Cronenbergs Kino war immer durchzogen von organischen, ausufernden Splatter-Effekten. Die Szene in „Maps to the Stars“ in der sich eine der Figuren selbst anzündet, realisiert mit grotesk miserablen CGI-Effekten, ist vielleicht die Essenz des Films: Nicht einmal mehr der Tod, der exzessive Untergang, der für Cronenbergs Werk immer so bedeutend war, der für ihn immer eine tragische Wahrhaftigkeit hatte, bedeutet jetzt noch etwas. Der Tod ist heute nur noch ein schlechter Computereffekt.

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hat Cronenbergs Werk im Alter nichts an Härte und Bestimmtheit eingebüßt, „Maps to the Stars“ ist der radikalste und beste Film den man sich hat wünschen können. Cronenberg entlarvt die Karte zu den Sternen (in Hollywood übrigens Touristen-Stadtpläne, in der Wohnorte von Stars markiert sind) brutal als Fake, schaut in die Herzen von ausgebrannten, kaputten Menschen und inszeniert eine aberwitzig bittere Groteske.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von David Cronenberg sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Julianne Moore in der Rubrik Schauspielerinnen und Filme mit John Cusack in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 3. März 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 112 Min. (Blu-ray), 107 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Maps to the Stars
KAN/USA/D/F 2014
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: Bruce Wagner
Besetzung: Julianne Moore, Mia Wasikowska, Robert Pattinson, John Cusack, Evan Bird, Olivia Williams, Sarah Gadon, Justin Kelly, Niamh Wilson, Gord Rand
Zusatzmaterial: Interviews mit David Cronenberg, Julianne Moore, Mia Wasikowska, John Cusack, Robert Pattinson, Olivia Williams, Evan Bird, Bruce Wagner, Martin Katz, B-Roll, Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

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Jerome hält sich als Chauffeur über Wasser

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2014 Ascot Elite Home Entertainment

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Eine Antwort zu “David Cronenberg (III): Maps to the Stars – Wenn die Menschlichkeit abhanden kommt

  1. franziska-t

    2015/03/01 at 09:41

    Ich bin kein Cronenberg-Experte, aber wenigstens kann ich zu dem Film etwas sagen. MAPS TO THE STARS ist herrlich bitterböse und man hat das starke Gefühl, dass es da draußen tatsächlich irgendwo so durchgeknallte Leute gibt. Mein Highlight war der Freudentanz von Juliane Moore. Hier meine Kritik: https://filmkompass.wordpress.com/2014/09/25/maps-to-the-stars-omu-2014/ Ich freu mich immer über Kommentare.

     

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