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Chappie – Maschine wird zum Gangster

05 Mrz

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Chappie

Kinostart: 4. März 2015

Gastrezension von Matthias Holm

Science-Fiction // 2015 verspricht ein gutes Jahr für Science-Fiction-Fans im Allgemeinen und Freunde von Robotern im Film im Besonderen zu werden: In Alex Garlands „Ex Machina“ scheint sich Domhnall Gleeson in eine Maschine zu verlieben, „Autómata“ mit Antonio Banderas zeigt, wie die Roboter langsam autonom und unabhängig von den Menschen werden. In „Avengers – Age of Ultron“ schließlich macht der unzerstörbare Bösewicht Ultron dem Heldenteam das Leben schwer. Das gegen Ende des Jahres in „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ auch der eine oder andere Roboter zu bestaunen sein wird, konnte man bereits im Trailer sehen.

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Die Scouts schützen die menschlichen Polizisten

Neill Blomkamp gibt sich selbstkritisch

Den Anfang für dieses Roboter-Jahr macht nun „Chappie“ des südafrikanischen Filmemachers Neill Blomkamp. Nach dem Erfolg seines Debüts „District 9“, welches gekonnt SF-Action mit Gesellschaftskritik kreuzte, war die Ernüchterung bei Blomkamps zweitem Film „Elysium“ groß – obwohl der Betreiber dieses Blogs den Film auf Platz 3 der besten Filme 2013 platzierte. Regisseur Blomkamp selbst hat eingeräumt, dass sein Drehbuch nicht gut genug war. Bei „Chappie“ handelt es sich oberflächlich wieder um einen Unterhaltungsfilm. Doch manchmal muss man nach der Sichtung eines Films noch ein bisschen nachdenken.

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Chappie sinniert über das Leben

2016 wird Südafrika von einer Welle der Kriminalität heimgesucht. Das kommt dem Rüstungskonzern von Michelle Bradley (Sigourney Weaver) gerade recht, denn ihr Angestellter Deon (Dev Patel) hat die Scouts entwickelt – fast unzerstörbare Roboter, die auf die Befehle der Polizisten gehorchen. Das missfällt Deons Arbeitskollege Vincent (Hugh Jackmann), der fürchtet, dass künstliche Intelligenz den Untergang der Menschen herbeiführen wird. Doch die Scouts sind erfolgreich und so werden die Gelder für Vincents Projekt gekürzt – ein von Menschen kontrollierter Roboter namens „Moose“. Deon allerdings will mehr: die Schaffung einer künstlichen Intelligenz, die sich selbst weiterentwickelt. Es wäre die erste ihrer Art – ein Roboter, der denkt und fühlt.

Muttergefühle für einen Roboter

Unmittelbar vor einem Test an einem ausrangierten Scout wird Deon entführt. Die Kriminellen Ninja, Yo-Landi (spielen sich quasi selbst) und Amerika (Jose Pablo Cantillo) wollen mit Hilfe des Erfinders die Scouts abstellen, um ungestört einen Geldtransport zu überfallen. Während der Unterhaltung mit den Gangstern gelingt es Deon, sein Programm in den beschädigten Scout zu schreiben. Damit ist Chappie (Sharlto Copley) geboren. Deon muss seine Schöpfung bei den Verbrechern lassen, da Ninja den Roboter für den Überfall nutzen will. Doch schon bald erwachen in seiner Partnerin Yo-Landi Muttergefühle – der Roboter muss nämlich, wie ein richtiges Kind, erstmal aufwachsen und eine Moralvorstellung entwickeln.

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Ninja und …

Die Gesellschaftskritik ist in „Chappie“ sehr versteckt. Man muss schon genau hingucken und -hören, um die feinen Untertöne zu entdecken. So bekommt Chappie von seinem Schöpfer Deon den Befehl, keine Verbrechen zu begehen. Doch Ninja umgeht diese Anweisung geschickt. Auch die Gegenüberstellung von künstlicher Intelligenz und von Menschen gesteuerten Maschinen wird grob angerissen.

Satirisches von „Die Antwoord“

Es hilft zu wissen, dass „Die Antwoord“, die Band von Ninja und Yo-Landi Vi$$er, eigentlich Satire ist. Generell hängt von den beiden vieles ab. Denn wer mit „Die Antwoord“ absolut nichts anfangen kann, der wird ein Problem mit dem Film haben. Schließlich sind die beiden es, die den Roboter großziehen. Wer vorher noch nie von der Band gehört hat, sollte sich vor dem Film zumindest einmal ein Live-Video angucken. Da Chappie bei Gangstern aufwächst, möchte er nach anfänglicher Angst genauso sein wie sein angeblicher Vater – samt auffälliger Goldkettchen. Hier zielt der Film auf die Lachmuskeln der Zuschauer. Es ist schon ziemlich absurd zu sehen, wie Ninja seinem Zögling beibringt, die Waffe richtig zu halten – wie ein richtiger Gangster natürlich schief. An Chappie sieht man wunderbar, wie ein Kind durch Erziehung auf unterschiedliche Bahnen gelenkt werden kann.

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… Yo-Landi ziehen den Roboter auf

Die restlichen Schauspieler wissen alle zu überzeugen. Vor allem Hugh Jackmann gibt als muskelbepackter Ex-Soldat und mittelts Overacting einen schönen Bösewicht ab. Doch am besten ist Sharlto Copley, obwohl man ihn nie sieht. Per Motion-Capture wurden seine Bewegungen auf Chappie übertragen. Die Entwicklung vom Baby zum Rowdy-Teenager zeigt er wunderbar – im Gang, in der Sprache, einfach in allem.

Ein Roboter wird zum Gangster erzogen – wer will, kann „Chappie“ einfach als oberflächliche Science-Fiction-Action konsumieren. Doch gute Satire und Gesellschaftskritik verbergen sich bekanntlich im Detail. So hinterlässt „Chappie“ direkt nach der Sichtung einen merkwürdigen Eindruck, beim genauen Nachdenken passt jedoch alles zusammen. Ein guter Start ins Roboter-Jahr.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Hugh Jackman sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 120 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Chappie
MEX/USA 2014
Regie: Neill Blomkamp
Drehbuch: Neill Blomkamp, Teri Tatchell
Besetzung: Sharlto Copley, Hugh Jackman, Sigourney Weaver, Dev Patel, Yo-Landi Vi$$er, Ninja, Jose Pablo Cantillo, Brandon Auret
Vertrieb: Sony Pictures Releasing GmbH

Copyright 2015 by Matthias Holm

Fotos, Packshot & Trailer: © 2015 Sony Pictures Releasing GmbH

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Ein Kommentar

Verfasst von - 2015/03/05 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Eine Antwort zu “Chappie – Maschine wird zum Gangster

  1. arisbuecherwelt

    2015/03/06 at 06:28

    Hallo 🙂
    Dein Beitrag war mal wieder super 🙂
    Und ich habe noch eine Überraschung für dich 🙂
    Ich würde dich gerne für den Liebster Award nominieren 🙂
    Alles dazu findest du da 🙂 https://arisbuecherwelt.wordpress.com/
    Liebe Grüße Ari ~

     

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