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Teenage Mutant Ninja Turtles – Zielgruppen verfehlt

10 Mrz

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Teenage Mutant Ninja Turtles

Gastrezension von Matthias Holm

Fantasy-Action // Was war das für ein Aufreger, als Michael Bay ankündigte, eine Neuauflage der von Fans verehrten „Teenage Mutant Ninja Turtles“ zu produzieren. Der Shitstorm, wie man das in Internetzeiten so schön nennt, ebbte von der Ankündigung bis zur Veröffentlichung nicht ab. Erst wollte der Meister des Krach-Bumm-Kinos den Ursprung der Kampf-Schildkröten ändern und sie zu Aliens machen, dann kam auch noch der erste Trailer.

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Lasst sie nah an euch ran!

Um es nett auszudrücken: Das Design der Turtles hat nicht jedem gefallen. Kann der Film nun alle diese negativen Vorzeichen abstreifen und unterhaltsame Minuten bescheren? Um die Antwort vorwegzunehmen: Das kann er durchaus – allerdings sollte man dafür entweder nicht älter als zehn Jahre sein oder eine Horde Kumpels um sich geschart haben.

Kanalisations-Kröten retten Reporterin

Die ehrgeizige Reporterin April O’Neal (Megan Fox) will unbedingt über die Überfälle des mysteriösen Foot-Clans in New York berichten, doch stattdessen schickt ihre Chefin Bernadette Thompson (Whoopi Goldberg) sie und den Kameramann Vernon Fenwick (Will Arnett) zu bescheuerten Yoga-Lehrern. Eines Abends wird sie jedoch vom Foot-Clan als Geisel genommen – und von vier mutierten Risenschildkröten gerettet. Leonardo (Pete Ploszek), Raphael (Alan Ritchson), Donatello (Jeremy Howard) und Michaelangelo (Noel Fisher) leben in der Kanalisation und wurden von der Ratte Splinter (Danny Woodburn) zu Ninjas ausgebildet. Doch der Foot-Clan und ihr Meister Shredder (Tohoru Masamune) sind bereits hinter den Schildkröten-Kämpfern her.

Ja, der Plot klingt blöd. Aber das war er auch schon bei den originalen Turtles. Warum man allerdings die Herkunftsgeschichte der Schildkröten so verändert, dass sich jeder Zuschauer ab 13 die Hände vor den Kopf schlägt, bleibt schleierhaft. So viele Zufälle sind einfach nur unglaubwürdig und ärgerlich. Auch der Geschichtsverlauf bietet keine Überraschungen. Es reiht sich eine schematische Plot-Entwicklung an die andere. Das wäre alles zu verkraften, hätte der Film nicht die meisten offensichtlichen Fehler aller Zeiten.

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April O’Neal hilft den Turtles

Es würde den Umfang des Textes sprengen, würde ich alle aufzählen. Nur ein paar prägnante Beispiele. April O’Neal möchte die Geschichte über die mutierten Schildkröten natürlich ihrer Chefin verkaufen. Sie hat sogar ein Foto, auf dem zwei der Kämpfer verschwommen zu sehen sind. Doch statt dieses Foto auszudrucken, zeigt sie Fotos von normalen Schildkröten – und sagt, die sehen heute anders aus.

Komme was wolle: Der Zahnstocher bleibt im Mund!

Anderes Beispiel: Während eines Kampfes stürzen Gesteinsbrocken auf Raphael. Als er sich befreien kann, hat er natürlich noch seinen Zahnstocher im Mund, das sieht immerhin cool aus. Wenn man in diesem Moment auf Pause drückt, sieht man, dass seine Sonnenbrille von den Trümmern anscheinend nicht beschädigt wurde. Jedoch hat besagte Brille in der nächsten Szene ein Loch im Glas – auf welcher Seite kann man nicht genau sagen, da diese immer wechseln.

Man könnte jetzt sagen, das sei Erbsenzählerei. Aber diese Fehler fallen so auf, weil es sie einfach en masse gibt. Für eine nicht ganz ernst gemeinte Aufzählug aller Fehler sei auf ein Video des YouTube-Kanals CinemaSins verwiesen.

Nebenbei sieht der Film auch nicht besonders gut aus. Meister Splinter sieht aus wie ein übergroßer Nacktmull, die Actionsequenzen überbieten in ihrer Künstlichkeit sogar noch die Transformers – wobei auch bei den Turtles vieles einfach unübersichtlich geschnitten worden ist. Und Shredders Rüstung ist der Gipfel der Lächerlichkeit. War diese in der Zeichtrickserie noch einfach gehalten, sieht der Oberbösewicht hier aus wie ein wandelndes Schweizer Taschenmesser.

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Funktion Nr. 39: der Zahnstocher

Immerhin zünden ein paar Gags

Bei allem Gemecker muss man auch mal etwas Positives sagen: Auch wenn knapp 70 Prozent der Sprüche flach und unlustig sind – vor allem die, mit denen Michelangelo April angräbt – gibt es immer noch genügend Gags, die irgendwie zünden. Die besten Witze ergeben sich nicht aus der Handlung, sondern sind einfach kontextlos, wobei eine der Szenen sogar erst nach einem Teil des Abspanns kommt. Auch gibt es bei den Schauspielern keinen Totalausfall – Megan Fox macht halt das, was sie immer tut, Will Arnett ist der Sympathieträger des Films und William Fichtner gibt als Industrieller einen passablen Bösewicht.

„Teenage Mutant Ninja Turtles“ macht fast alles falsch. Die älteren Fans werden mit der debilen Neuauflage nichts anfangen können und die eigentlich angepeilte Zielgruppe darf, zumindest hier in Deutschland, den Film überhaupt nicht sehen. Aber: Sollte man ein Faible für Trash haben oder möchte man den Film mit Freunden niedermachen, lohnt es sich zumindest, ihn einmal aus der Videothek auszuleihen. Hoffen wir also, dass wir von einem Sequel verschont werden.

Veröffentlichung: 5. März 2015 als Blu-ray 3D (inkl. 2D-Version), Blu-ray und DVD

Länge: 101 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Hindi, Italienisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Niederländisch, Finnisch, Französisch, Hindi, Italienisch, Norwegisch, Spanisch, Schwedisch
Originaltitel: Teenage Mutant Ninja Turtles
USA 2014
Regie: Jonathan Liebesman
Drehbuch: Josh Appelbaum, André Nemec, Evan Daughetry
Besetzung: Megan Fox, Will Arnett, William Fichtner, Alan Ritchson, Noel Fisher, Pete Ploszek, Jeremy Howard, Tohoru Masamune, Whoopi Goldberg, Danny Woodburn
Zusatzmaterial: Digitale Realität, Direkt ins Gesicht! Es ist nicht einfach, grün zu sein, Evolutionäres Mash-up, nur Blu-ray: Die Turtles in 3D, Turtle Rock, erweitertes Ende, „Shell Shocked“-Musikvideo, Making-of von „Shell Shocked“
Vertrieb: Paramount Home Entertainment

Copyright 2015 by Matthias Holm

Fotos, Packshot & Trailer: © 2015 Paramount Home Entertainment

 
 

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4 Antworten zu “Teenage Mutant Ninja Turtles – Zielgruppen verfehlt

  1. Babo Hakuna Matata

    2015/03/11 at 19:46

    Für mich als alten Fan war es so ein bisschen wie in der Southpark-Folge zu den digitalen Reedits von George Lucas … Bay und sein Gehilfe Liebmann haben die Turtels böse in den Allerwertesten … und Splinter … omg … dieser tote Blick … und das Design der Turtles … fast wünscht man sich, dass Bays erste Idee mit den Turtels als Aliens durchgegangen wäre, damit es nicht so schmerzhaft ist … aaaaaaaah

     
  2. Ma-Go Filmtipps

    2015/03/10 at 15:34

    Ganz so schlimm fand ich den Film nicht. Ich gebe zu, dass ich selten einen so löchrigen Plot gesehen habe und die vier Brüder eher Teenage Mutant Prügel Turtles als „Ninjas“ waren. Aber als riesen Turtles-Fan habe ich mich aus nostalgischen Gründen eigentlich gut unterhalten gefühlt. Fakt ist, man muss sich geistig wieder in sein zehnjähriges Ich zurückversetzen. 😉 Sonst wird es echt albern und peinlich.

     
    • Matthias

      2015/03/11 at 13:20

      Tatsächlich habe ich den Film mit einem großen Turtles-Fan gesehen – der hat durchgehend den Kopf geschüttelt. Bei dem war von Nostalgie gar keine Spur. Zwar hatte ich auch als Zwölfjähriger Spaß an z. B. Van Helsing, aber sobald man auch nur einen Funken nachdenkt, fällt der Film auseinander. Und das geht, wie ich finde, nicht.

       
      • Ma-Go Filmtipps

        2015/03/11 at 16:08

        Das unterschreibe ich in 99 Prozent aller Fälle. Die Turtles haben aber anscheinend bei mir einen Bonus. 🙂

         

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