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Cold in July – Viel mehr als ein Rachethriller

12 Mrz

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Cold in July

Von Volker Schönenberger

Thriller // Mitten in der Nacht wird Richard Dane (Michael C. Hall) von seiner Frau Ann (Vinessa Shaw) geweckt. Das Geräusch splitternden Glases hat sie aufschrecken lassen. Richard holt seine Pistole hervor. Im Wohnzimmer stellt er einen Eindringling. Die Uhr schlägt, aus Richards Waffe fällt ein Schuss. Der Einbrecher sinkt zu Boden. Bei Licht bietet sich ein furchtbarer Anblick: Blut, Hirnmasse und Schädelsplitter des Eindringlings haben sich an der Wand und auf dem Sofa verteilt.

Ein Vater will Vergeltung

Richard hat einen Mann getötet, doch vorzuwerfen hat er sich nichts. Es war Notwehr. Auch für die Polizei ist der Fall klar. Der Einbrecher wird als der gesuchte Kriminelle Freddy Russell identifiziert. Für dessen Vater jedoch ist die Sache alles andere als klar: Ben Russell (Sam Shepard), Ex-Sträfling auf Bewährung, ist seinem Sohn zwar alles andere als ein Mustervater gewesen, dennoch brennt er vor Rachedurst. Nach der Beerdigung bleibt er im Ort, lässt sich sogar vor der Schule von Richards Sohn blicken.

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Michael erschießt einen Einbrecher …

Bis dorthin erweckt „Cold in July“ den Eindruck eines zwar fesselnden, aber letztlich gewöhnlichen Rachedramas um eine ehrbare Familie auf der einen und deren Bedrohung durch einen Schurken auf der anderen Seite. Als es zur Home Invasion durch Ben Russell kommt, nimmt die Polizei die Gefahr für die Familie Dane endlich ernst. Von diesem Zeitpunkt an nimmt der 1989 im Osten von Texas angesiedelte Film Fahrt auf – und schlägt eine ganz andere Richtung ein.

Düstere Story mit fesselnden Wendungen

Mit minimalistischem Synthie-Score suggestiv untermalt, trägt das tolle Schauspiel von Michael C. Hall („Dexter“, „Six Feet Under“) und Sam Shepard („Der Stoff aus dem die Helden sind“) als Kontrahenten den Film über das erste Drittel. Mit der dann folgenden Wendung gewinnt die Geschichte deutlich an Finesse. Etwas Comic Relief bringt das Auftauchen des großspurigen Privatdetektivs Jim Bob, gespielt von Don Johnson („Miami Vice“). Das tut auch Not, denn an Düsternis verliert die Story keineswegs – im Gegenteil.

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… und muss künftig um seine Lieben fürchten

„Cold in July“ hatte seine Premiere im Januar 2014 beim Sundance Film Festival und wurde auch in Cannes sowie in Deutschland beim Fantasy Filmfest gezeigt. Der Thriller weist eine ebenso schöne wie klare Dreiakt-Struktur auf, die durch interessante Wendungen vorangetrieben wird und in einen knackigen Showdown mündet. Man muss klassische Drehbuch-Prinzipien gar nicht verlassen, um einen originellen Plot zu präsentieren. Ein feines Krimidrama, das auf verschiedenen Ebenen sehr gut funktioniert und nachhaltig Eindruck hinterlässt.

Verfilmung eines Romans von Joe R. Lansdale

Regisseur Jim Mickle inszeniert zuvor unter anderem 2010 den dystopischen Vampir-Horrorfilm „Vampire Nation“ und 2013 das Kannibalenhorror-Remake „We Are What We Are“. Noch interessanter ist der Autor der Romanvorlage von „Cold in July“: Joe R. Lansdale ist mehrfacher Preisträger des Bram Stoker Awards. Seinen ersten Roman „Act of Love“ (1981, bei uns „Akt der Liebe“) hat er selbst auf meine Nachfrage als „Crime Novel“ bezeichnet, obwohl die beinharte Serienkillergeschichte mit Horrorelementen gespickt ist. Etwa zur selben Zeit entstanden die Romane „The Nightrunners“ (in Deutsch vergriffen) und der bei uns nie erschienene „Dead in the West“, erschienen aber später. Lansdale hat zu Beginn seiner Laufbahn verstärkt im Horrorgenre reüssiert, bevor er sich auch als Krimi-/Thrillerautor einen Namen machte. Der Texaner sieht sich allerdings nicht auf ein Genre beschränkt. Die wohl bekannteste Verfilmung eines seiner Werke ist die Horrorkomödie „Bubba Ho-tep“ (2002) mit Bruce Campbell.

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Ben Russell lauert vor der Schule

Viele von Lansdales Arbeiten harren noch der filmischen Umsetzung. Angesichts der konstanten Schwemme an Zombiefilmen verwundert es etwas, dass sein Untoten-Western „Dead in the West“ noch nicht adaptiert worden ist. Lansdales Roman „Cold in July“ ist in Deutschland erstmals 1997 unter dem Titel „Kalt brennt die Sonne über Texas“ erschienen. Eine Neuauflage vom März 2015 trägt den Titel „Die Kälte im Juli“.

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Jim Bob greift ein

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jim Mickle sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Nick Damici in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 5. März 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 106 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Cold in July
USA/F 2014
Regie: Jim Mickle
Drehbuch: Nick Damici, Jim Mickle, nach einem Roman von Joe R. Lansdale
Besetzung: Michael C. Hall, Sam Shepard, Don Johnson, Vinessa Shaw, Wyatt Russell, Bill Sage, Nick Damici
Zusatzmaterial (nur Blu-ray): Deleted Scenes
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

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Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Blu-ray-Packshot: © 2015 Universal Pictures Germany GmbH

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6 Antworten zu “Cold in July – Viel mehr als ein Rachethriller

  1. belmonte

    2015/04/11 at 23:40

    Habe den Film endlich gesehen. Könnte aus meiner Sicht etwas schneller sein. Trotzdem düster. Natürlich hat die Polizei auch mal wieder Dreck am Stecken. Ohne Don Johnson wäre der Film allerdings nur halb so sehenswert.

     
  2. Christian Weis

    2015/04/11 at 09:30

    Ich hab den Roman gelesen und inzwischen den Film auch gesehen, bei dem meiner Meinung nach leider Potential verschenkt wurde:

    https://schreibkramundbuecherwelten.wordpress.com/2015/04/11/die-kalte-im-juli/

     
    • V. Beautifulmountain

      2015/04/11 at 09:36

      Ich muss gestehen, dass der Roman zwar schon lange bei mir rumliegt, ich ihn aber noch nicht gelesen habe (der Ungelesen-Stapel bei Büchern bewegt sich auf ähnlicher Höhe wie der bei Filmen).

      Übrigens hab‘ ich gerade Lansdales Frühwerk AKT DER LIEBE gelesen (Buchrezension in Vorbereitung). Toller Serienkiller-Roman, wenn auch nicht ganz makellos.

       
  3. Wortman

    2015/03/12 at 08:04

    Sieht das so aus, als versucht Johnson nach 20 Jahren? ein filmisches Comeback?

     

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