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12 Uhr mittags – Formal wie inhaltlich meisterhaft

19 Mrz

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High Noon

Gastrezension von Simon Kyprianou

Western // Fred Zinnemanns „Zwölf Uhr mittags“ beginnt ruhig und langsam, harmonisch: Town Marshal Kane (Gary Cooper) heiratet seine Freundin Amy (Grace Kelly), und legt, wenn auch mit einem Rest Widerwillen, sein Amt nieder, um mit seiner Ehefrau die Stadt zu verlassen und ein ruhiges Leben zu führen. Doch dann trifft die Nachricht eintrifft, dass um 12 Uhr mittags der Gangster Frank Miller (Ian MacDonald) per Zug eintreffen wird, um mit Kane eine alte Rechnung zu begleichen. Drei Mitglieder aus Millers Bande (darunter Lee Van Cleef in seiner ersten Rolle) lungern bereits im Ort herum. Der Marshal beschließt zu bleiben, um sich den Verbrechern zu stellen. Er sucht Hilfe – aber niemand steht ihm bei.

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Noch ist alles eitel Sonnenschein

„Zwölf Uhr mittags“ ist kein Film über die Rettung eines Systems, das System interessiert Fred Zinnemann („Verdammt in alle Ewigkeit“) nicht. Darum darf Gary Cooper zum Ende hin seinen Marshalstern auch angewidert in den Staub werfen. Es ist ein Film über ein Individuum, und seine persönliche moralische Pflicht. An Staat und Gesellschaft hat Zinnemann kein Interesse, nur Menschen interessieren ihn. Dabei legt er seinen Film als Parabel über die McCarthy-Ära aus, deren Feindseligkeit, deren Isolation Cooper auf der Odyssee durch die Stadt zu spüren bekommt.

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Vergeblich sucht Marshal Kane (l.) nach Mitstreitern

Formal ist dieser Film wunderbar gelungen. Wie Zinnemann das Motiv der ablaufenden Zeit darstellt, wie er die Handlung innerhalb des städtischen Mikrokosmos auf kleine Einzelschauplätze zerlegt, ist großartig. Ebenso wunderbar sind seine nüchterne Schwarz-Weiß-Fotografie und das raue Schauspiel von Gay Cooper. Immer wieder gibt es Close-ups auf dessen gehetztes, verschrecktes Gesicht.

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Die Miller-Bande zieht in den Kampf

Durch die Einheit von Zeit, Ort und Handlung knüpft „12 Uhr mittags“ recht auffällig an die griechische Tragödie an, zeichnet ein unbarmherziges Sittenbild einer Gesellschaft. Es ist aber auch ein Film über die Unerbittlichkeit der Zeit, die gnadenlos davontreibt. Ein wundervoller Film, formal elegant und doch nüchtern, inhaltlich zornig und rasend. Eine politische Tragödie. Einer der besten Western, keine Frage.

Der Oscar als bester Hauptdarsteller war 1953 der verdiente Lohn für Gary Cooper, drei weitere Academy Awards erhielt der Film für den Schnitt, Dimitri Tiomkins Musik und Tiomkins und Ned Washingtons von Tex Ritter gesungenen Song „Do not Forsake Me, oh My Darlin‘“.

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Allein

Als bester Film nominiert, unterlag „12 Uhr mittags“ dem unpolitischen Zirkusspektakel „Die größte Schau der Welt“ von Cecil B. DeMille. Auch Zinnemann ging bei den Oscars leer aus, den Regie-Oscar erhielt John Ford für die brillante, aber ebenfalls unpolitische Komödie „Der Sieger“ mit John Wayne. Zinnemann hatte ein Jahr zuvor für „Benjy“ den Oscar in der Kategorie Kurz-Doku erhalten. Als Regisseur wurde er ein Jahr später erstmals mit dem Academy Award prämiert: für „Verdammt in alle Ewigkeit“. Einen weiteren Regie-Oscar erhielt er 1967 für „Ein Mann zu jeder Jahreszeit“. Das Historiendrama bescherte Zinnemann zudem den Oscar für den besten Film, da er auch als Produzent agierte.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Fred Zinnemann sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, solche mit Lon Chaney Jr. und/oder Gary Cooper in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 19. Februar 2015 als Blu-ray und DVD (Award Winning Collection), 18. Juli 2013 als Blu-ray, 1. November 1999 als DVD

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 80 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: High Noon
USA 1952
Regie: Fred Zinnemann
Drehbuch: Carl Foreman, nach einer Kurzgeschichte von John W. Cunningham
Besetzung: Gary Cooper, Grace Kelly, Thomas Mitchell, Lloyd Bridges, Lon Chaney Jr., Katy Jurado, Otto Kruger, Harry Morgan, Lee Van Cleef, Robert J. Wilke
Zusatzmaterial Blu-ray: Dokumentation „Inside High Noon“, The Making of „High Noon”, Song „Do not Forsake Me, oh My Darlin‘“ von Dimitri Tiomkin, gesungen von Tex Ritter, Trailer, Wendecover
Zusatzmaterial DVD: Starinfos Fred Zinnemann, Gary Cooper und Grace Kelly, Trailer, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshots: © 2013/2015 Studiocanal Home Entertainment

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