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Foxtrot – Tödliches Inselparadies: Lieber Cognac als Natur

19 Mrz

Foxtrot-Cover

Foxtrot

Von Andreas Eckenfels

Drama // „Foxtrot – Tödliches Inselparadies“ verfügt über eine Starbesetzung und stammt von einem Regisseur, der in seiner mexikanischen Heimat als Ausnahmekünstler gilt. Dennoch ist das Drama aus dem Jahr 1976 fast in Vergessenheit geraten. Selbst in der Internet Movie Database sind gerade mal 124 Stimmen zu dem seltenen Film eingegangen (Stand März 2015). Nicht gerade ein gutes Zeichen …

Eine Frau, drei Männer und eine Waffe

Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs flüchtet der rumänische Graf Liviu (Peter O’Toole) mit seiner Frau Julia (Charlotte Rampling) auf eine unbewohnte Tropeninsel. Dort wollen sie fernab der Zivilisation ihr privilegiertes Leben in Ruhe fortführen. Vor Ort werden sie bereits von ihrem Freund Larson (Max von Sydow) und ihrem Diener Eusebio (Jorge Luke) erwartet, die bereits mit einigen Helfern provisorische Unterkünfte errichtet und Unmengen an feinsten Vorräten gebunkert haben. Die Tage im Paradies vergehen mit Zigarren, Essen, Trinken, Faulenzen, Musik, Kartenspiel und sogar Filmvorführungen.

Unerwarteter Besuch erscheint in Form von Livius Geschäftspartner Paul (Claudio Brook). Der Waffenhändler kommt per Schiff mit großer Gesellschaft für ein unbeschwertes Partywochenende. Auch das Erschießen von Wildtieren gehört zum Zeitvertreib der Gruppe, was Julia ebenso missfällt wie die Anwesenheit von Alexandra (Helene Rojo), der Ex-Geliebten des Grafen. Zum Abschied schenkt Paul Liviu ein Gewehr – das bis dahin einzige auf der Insel. Das scheinbare Paradies erhält einen weiteren Bruch, als das Versorgungsschiff nicht eintrifft. Die Vorräte gehen langsam zur Neige und die Spannungen zwischen den vier Inselbewohnern beginnen zu eskalieren.

Wann ist der Snob ein Mann?

Arturo Ripstein, der beim legendären Luis Buñuel in die Lehre ging, entwirft ein selten bissiges und häufig langatmiges gesellschaftskritisches Porträt vier unterschiedlicher Personen. Dem snobistischen Grafen verschafft ein gutes Glas Cognac mehr Befriedigung als die wunderbare Natur, die ihn umgibt. Schon beim Rudern klagt er über Blasen an den Fingern, und als Julia ihn auffordert, das Abschlachten der Tiere zu stoppen, meint der konfliktscheue Liviu achselzuckend, er könne das sowieso nicht mehr ändern. Kein Wunder also, dass Julia ständig seine Männlichkeit in Frage stellt. Im Gegensatz dazu steht sein ehemaliger Militär-Ausbilder Larson, der auf der Insel seinen Urinstinkten freien Lauf lässt. Eusebio kann seiner Bestimmung als höriger Diener kaum entfliehen. Die schöne Julia weiß, wie man Männer verführt. Dennoch ist sie stets eifersüchtig, wenn ihr Mann über seine Ex-Geliebten erzählt. Ist sie also doch aus Liebe und nicht wegen des Geldes mit Liviu zusammen?

Frank Sinatra bittet zum Tanz

„Jetzt gehört die Insel nicht mehr uns. Jetzt gehören wir der Insel!“ ist einer der typischen Sätze des Grafen, als die Vorräte langsam schwinden. Man merkt: Trotz der aussichtslosen Situation sind hier die Nerven nicht gerade aufs Äußerste gespannt. Der zunehmende Druck und die Verzweiflung innerhalb der Gruppe werden nie spürbar. Auch das Auflösen der Schranken zwischen Herrscher und Diener ist nicht auserzählt. Ripstein setzt zwar die Naturkulisse herrlich in Szene, die Vergangenheit seiner Figuren lässt er aber im Trüben, offenbar um eine mysteriöse Aura um sie zu erzeugen. Die einzige Frau auf der Insel ist dann natürlich auch der Auslöser für die finale Katastrophe. Doch dieser letzte Akt wirkt ebenso unmotiviert wie der komplette Film, bei dem sowohl zu Anfang als auch zum Ende der Song „Foxtrot“ von Frank Sinatra erklingt.

Wer sich für einen der Altstars oder den Regisseur interessiert, kann nun mit der ersten deutschen DVD-Veröffentlichung von Exklusive Media eine Lücke schließen. Der Film entpuppt sich allerdings nicht als Höhepunkt im Schaffen der beteiligten Akteure.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Max von Sydow haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 20. März 2015 als DVD

Länge: 87 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Foxtrot
MEX/GB 1976
Regie: Arturo Ripstein
Drehbuch: Arturo Ripstein, José Emilio Pacheco, H. A. L. Craig
Besetzung: Peter O’Toole, Charlotte Rampling, Max von Sydow, Claudio Brook, Jorge Luke, Helena Rojo
Zusatzmaterial: Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels
Packshot: © 2015 Exclusive Media / Al!ve AG

 

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