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V/H/S – Viral: Das Band ist zerrissen

23 Mrz

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V/H/S – Viral

Gastrezension von Andreas Eckenfels

Episoden-Horror // Etwas ungläubig schaue ich aufs Cover: Während Teil 1 der Horror-Anthologie-Reihe in Found-Footage-Technik in Deutschland ab 18 und der zweite Teil hierzulande nur gekürzt erhältlich war, ist der dritte „V/H/S“-Teil tatsächlich ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben. Naja, es geht schließlich auch ums Gruseln – das kann auch ohne extreme Blutbäder funktionieren.

Virale Videos verbreiten das Böse

Die Rahmenhandlung, in der die drei Episoden eingebettet sind, bildet unter dem Titel „Vicious Circles“ eine wilde Verfolgungsjagd durch die nächtlichen Straßen von Los Angeles. Die Polizei rast einem Eiswagen hinterher, zahlreiche Jugendliche filmen das Ereignis mit Smartphones, Videokameras und sonstigen audiovisuellen Aufnahmegeräten. Um das beste Bild einzufangen, werden selbst hohe Mauern erklommen, von denen man aber – autsch – tief stürzen kann. Mitten im Selfie-Wahn übersieht man auch mal gern den fließenden Verkehr und wird von einem Krankenwagen einige Meter auf der Straße mitgeschleppt. Was tut man nicht alles, um auf YouTube und Co. die meisten Klicks zu ergattern? Mittendrin durchs Gewusel radelt Kev (Patrick Lawrie) dessen Freundin verschwunden ist. Was Iris (Emilia Zoryan) widerfahren ist, erfahren wir am Ende von „V/H/S: Viral“.

Auf den Smartphones der Jugendlichen werden immer wieder Schreckensbilder verbreitet, die in die einzelnen Episoden einführen.

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Zauberer Dante muss seinem magischen Umhang regelmäßig Futter geben

Houdinis gefräßiger Mantel

Die erste Geschichte „Dante the Great“ erzählt vom erfolgreichen Zauberer Dante (Justin Welborn), der seinen Ruhm einem Umhang verdankt, der angeblich mal dem großen Entfesselungskünstler Harry Houdini gehört hat. Doch der magische Mantel muss permanent gefüttert werden, sonst setzt er sich zur Wehr. Ein hoher Verschleiß von Assistentinnen ist die Folge – bis Dantes neueste Mitarbeiterin Scarlett (Emmy Argo) dem Treiben auf die Schliche kommt. Regie führte Gregg Bishop, der 2008 die Zombiekomödie „Dance of the Dead“ inszeniert hat.

Andere Welten

Komplett in spanischer Sprache ist der zweite Beitrag „Parallel Monsters“ von Nacho Vigalondo („Open Windows“). Alfonso (Gustavo Salmerón) hat eine Apparatur erfunden, mit der man in eine Parallelwelt reisen kann. Er stößt direkt auf sein zweites Ich. Dieser Alfonso hat das gleiche Gerät gebaut. Beide beschließen, für 15 Minuten die Seiten zu tauschen und sich in der Welt des anderen umzuschauen.

Skate or Die

Für die letzte Episode „Bonestorm“ zeichnen Aaron Moorehead und Justin Benson verantwortlich. Die beiden Regisseure haben 2012 den kontrovers aufgenommenen Horrorthriller „Resolution – Cabin of Death“ vorgelegt. Schauplatz von „Bonestorm“ ist Mexiko: Drei Jugendliche fahren mit ihren Skateboards durch die Straßen, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. In „Jackass“-Manier stellen sie sich schmerzhaften Mutproben oder prügeln sich auf den Skateranlagen mit verfeindeten Teenies. Auf einem abgelegenen Gelände stoßen sie unvermittelt auf eine sonderbare Gruppe, die anscheinend einem satanischen Kult angehört.

Digital ist nicht besser

Eins vorweg: Keine einzige Episode verbreitet echten Horror. Der Mantel aus der Zauberergeschichte erinnert an die gefräßige Pflanze Audrey 2 aus „Der kleine Horrorladen“ und wirkt deshalb auch unfreiwillig komisch. Die SF-Episode beginnt vielversprechend, die Stimmung wird aber am Ende durch billige Effekte zerstört. Die Skater werden viel zu lang beim Herumfahren gezeigt. Bis das Grauen Einzug hält, hat man schon das Interesse verloren. Die Rahmengeschichte „Vicious Circles“ von Marcel Sarmiento („Deadgirl“) bietet mit einigen absurden Momenten noch die interessantesten Ansätze.

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Doch seine neue Assistentin Scarlett kommt Dante auf die Schliche

Zu viel Fokus auf Technik, zu wenig auf Story

War in den ersten zwei Teilen der Reihe noch wirklich die abgenudelte Qualität der Video-Bänder in die Found-Footage-Bilder eingearbeitet, regieren nun klar kalkulierte Schnitte. Zwar wird mit PC-Kameras, Handys, Überwachungskameras und vielen weiteren Geräten wesentlich vielfältiger als bisher aus allen möglichen Winkeln gefilmt. Doch die digitalen Aufnahmen wirken viel zu glatt inszeniert. Es scheint so, als ob sich die Regisseure viel mehr Gedanken um die Technik statt um die Geschichten gemacht haben – bei den klar erkennbaren Mini-Produktionskosten eindeutig die falsche Entscheidung.

Zusatzepisode nur im limitierten Mediabook

Eine weitere, etwa 15-minütige Episode mit dem Titel „Gorgeous Vortex“ von Todd Lincoln („Apparition – Dunkle Erscheinung“) war aus Zeitgründen aus der Kinofassung entfernt worden. Sie ist ausschließlich im 2-Disc Limited Edition Mediabook erhältlich und vermutlich recht brutal, weshalb OFDb Filmworks auf die Vorlage bei der FSK verzichtet hat und das Mediabook ungeprüft in den Handel bringt. Die auf 3000 Exemplare begrenzte Edition stand leider nicht zur Rezension zur Verfügung.

Veröffentlichung: 24. März 2015 als Blu-ray und DVD und 2-Disc Limited Edition Mediabook

Länge: 81 Min. (Blu-ray), 77 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK ab 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: V/H/S: Viral
USA 2014
Regie: Marcel Sarmiento (Episode „Vicious Circles“), Gregg Bishop (Episode „Dante the Great“), Nacho Vigalondo (Episode „Parallel Monsters“), Aaron Moorehead, Justin Benson (Episode „Bonestorm“)
Drehbuch: T.J. Cimfel, David White und Marcel Sarmiento (Episode „Vicious Circles“), Gregg Bishop (Episode „Dante the Great“), Justin Benson (Episode „Bonestorm“)
Besetzung: Patrick Lawrie, Emilia Zoryan (Episode „Vicious Circles“), Justin Welborn, Emmy Argo (Episode „Dante the Great“), Gustavo Salmerón (Episode „Parallel Monsters“), Nick Blanco (Episode „Bonestorm“)
Zusatzmaterial: Making-of zu „Dante the Great“ und „Bonestorm“, Trailer, Wendecover
Vertrieb: OFDb Filmworks / Ascot Elite Home Entertainment

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„Bonestorm“: Merkwürdige Gestalten machen sich über arme Skater her

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshots: © 2015 OFDb Filmworks

 
 

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3 Antworten zu “V/H/S – Viral: Das Band ist zerrissen

  1. motionpicturemaniacs

    2015/03/23 at 17:33

    Gute Review! Hab jetzt richtig Bock auf den Film, trotz der Kritik.

     
    • Andreas Eckenfels

      2015/03/23 at 19:04

      Danke! S-VHS hat mir bisher am besten gefallen. Der dritte ist meiner Meinung nach leider der schwächste Teil der Reihe.

       
      • motionpicturemaniacs

        2015/03/23 at 20:07

        Ich hab bisher nur den ersten gesehen und war damals richtig geschockt. Gucken gerne und öfter mal Horror, aber so was hatte ich noch nie gesehen. Mag das VHS-Konzept ganz gerne und muss daher unbedingt die Nachfolger angucken.

         

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