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David Fincher (IV): House of Cards – Die komplette erste Season: Macht ist alles

30 Mrz

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House of Cards – Season One

Weshalb wird eine Serien-Rezension Teil dieser Reihe? David Fincher hat die beiden ersten Episoden inszeniert.

Von Simon Kyprianou

Drama-Serie // Ein neuer US-Präsident wird gewählt. Demokrat Francis Underwood (Kevin Spacey) freut sich auf den Posten des Außenministers, den das neue Staatsoberhaupt Garrett Walker (Michael Gill) ihm versprochen hat. Doch er bekommt ihn nicht – Underwood soll weiterhin Abgeordnete auf Kurs halten. So beschließt Frank, von nun an mit seiner Frau Claire (Robin Wright) alles dafür zu tun um zu sabotieren, zu tricksen und Macht zu erlangen.

TV-Serien als Gegenpol zum einfallslosen Hollywood-Kino

Was die seit Jahren neu aufkeimende Serienkultur so anziehend und interessant gemacht hat, war, dass sie der Stagnation des Kinos angenehm entgegengewirkt hat. Das Kino – speziell das aus Hollywood – scheint sich in den vergangenen Jahren etwas verloren zu haben, in Prequels, Sequels, Reboots, Remakes. Mit den omnipräsenten Superheldenfilmen ist obendrein eine unangenehme Infantilisierung des Kinos zu beobachten.

Großartige Serien wie „Breaking Bad“, „The Wire“ und jüngst „True Detective“ wirkten dem entgegen, waren frische, eigenständige Stoffe, die das in sich vereint haben, was man am Kino zuletzt so vermisst hat: Komplexität, Ästhetik, hervorragend geschriebene Figuren, hervorragendes Schauspiel.

Von der Leinwand ins Serienuniversum

Mittlerweile kann man jedoch auch in der Serienkultur Remake- und Reboot-Erscheinungen beobachten. Aus Kinofilmen wie „Fargo“ und „From Dusk Till Dawn“ werden Serien gemacht, Miniserien aus den 90ern wie „Ein Kartenhaus“ werden größer angelegte Serien. Ob das positiv oder eher negativ ist, bleibt abzuwarten. „House of Cards“ jedenfalls erzählt in seiner ersten Staffel relativ genau die Geschichte des BBC-Originals nach, umgemünzt auf US-Politik. Die Figurenkonstellation ist nahezu identisch.

Ausführliche Darstellung des politischen Alltags

„House of Cards“ nutzt seine Länge, sich mehr auf die Figuren zu konzentrieren, den zermürbenden politischen Alltag nachzuzeichnen und tiefer in Details zu gehen. Das führt nur selten zu Stillstand, oder narrativer Lähmung, meist ist es ganz wunderbar. So ist Folge drei ein schönes Beispiel für zermürbendes politisches Klein-Klein. In Folge acht wird die Narration vollständig fallen gelassen. In einem virtuos geschlagenen erzählerischen Haken wird der Fokus auf Franks Charakter gelegt.

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Machtgeil: die Eheleute Underwood

Auch werden Figuren ausgebaut, die im Original kaum Raum hatten. Francis’ Ehefrau Claire wird so zu einer zentralen Figur, sogar zu einer der am besten geschriebenen Figuren, die wunderbar an ihrem ambivalenten Charakter zerbricht. Sie schwankt zwischen den Extremen, schwankt zwischen den Männern und zwischen den Städten.

Ein Königsdrama wie von Shakespeare

Geschrieben, gespielt und inszeniert ist die erste Staffel durchgehend einwandfrei. In den ersten beiden Episoden verleiht David Fincher als Regisseur der Serie dabei die kühle, präzise Eleganz, die sie sich durchweg bewahrt. Bewusst angelehnt an Königsdramen à la Shakespeare, ist „House of Cards“ in der GB- wie in der US-Version gleichermaßen ein beeindruckendes politisches Melodram.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von David Fincher sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Mahershala Ali und Kevin Spacey in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 17. Dezember 2013 als 4-fach-Blu-ray, 9. Januar 2015 als 4-fach-DVD

Länge: 674 Min. (Blu-ray), 647 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Türkisch, Hindi
Originaltitel: House of Cards – Season One
USA 2013
Regie: David Fincher, James Foley, Joel Schumacher, Charles McDougall, Carl Franklin, Allen Coulter
Drehbuch: diverse
Besetzung: Kevin Spacey, Michael Gill, Robin Wright, Michael Kelly, Nathan Darrow, Mahershala Ali, Michael Gill, Kate Mara
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Sony Pictures Home Entertainment

 

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