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Archiv für den Monat April 2015

Moon 44 – Roland Emmerichs trashiger Abschied aus Deutschland

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Moon 44

Gastrezension von Simon Kyprianou

SF-Action // Roland Emmerich ist einer der wenigen deutschen Hollywood-Exporte, die sich auch auf Dauer halten konnten. Warum das so ist, darüber ließe sich sehr gut diskutieren, man kann sich auch darüber wundern, aber Emmerich hat immer wieder Geldgeber gefunden, immer wieder Finanziers für seine gigantischen Zerstörungsorgien wie „Independence Day“, „Godzilla“, „2012“ und „White House Down“. Von „Independence Day“ sind sogar zwei Fortsetzungen mit Emmerich auf dem Regiestuhl angekündigt. Bevor der Schwabe 1992 in Hollywood mit „Universal Soldier“ reüssierte, hinterließ er mit „Moon 44“ noch in Deutschland eine Duftmarke des Genrefilms, wenn auch eine etwas trashige.

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Ein ganzer Kerl: Agent Felix Stone

Im Jahr 2038 wird die Welt von Konzernen regiert, die erbittert Krieg gegeneinander führen. Die Konzerne besitzen Rohstoffmonde, die sie ausbeuten. Die Monde im Besitz der Galactic Mining Corporation werden immer wieder vom Konkurrenten Pyrite angegriffen und assimiliert. Nur noch Moon 44 ist übrig. Dort wird wohl der nächste Angriff von Pyrite erfolgen. Die Galactic Mining Corporation schickt Felix Stone (Michael Paré) unter falschem Vorwand auf Moon 44. Die Kommandeure (unter anderen Malcolm McDowell) empfangen den Undercover-Agent eher unfreundlich.

Versatzstücke von Science-Fiction-Klassikern

„Moon 44“ bedient sich reichlich bei den Großtaten des Science-Fiction-Genres, ein bisschen „Alien“, ganz viel „Aliens“, etwas „Blade Runner“ abgerundet mit einem Hauch „2001“. Hinzufügen tut er dem Genre nichts. Zwar wird der Film heute gern als Emmerichs Eintrittskarte nach Hollywood bezeichnet, doch der Filmemacher war sehr vorsichtig: keine Wagnisse, keine Ausschweifungen, keine Virtuosität.

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Stone (l.) ermittelt undercover auf Moon 44

Es ist Konfektionsware in übertrieben düsteren Bildern, die übertrieben zugenebelt sind. Auf Dauer wirkt das befremdlich. Auch sonst sind keine Überraschungen zu bemerken – altbekannte Story, altbekannte Figurentypen. Eigentlich ist „Moon 44“ also uninteressant, aber in seiner plumpen Trashigkeit doch nicht ohne Charme, von Michael Paré schön kaltschnäuzig gespielt. Einen Blick kann man getrost riskieren.

Michael Paré bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Das Philadelphia Experiment (1984)
Straßen in Flammen (1984)
Moon 44 (1990)
Bone Tomahawk (2015)
The Good, the Bad and the Dead (2015)
The Vatican Tapes (2015)
Abattoir – Er erwartet dich! (2016)

Veröffentlichung: 1. Mai 2015 als Blu-ray, 6. September 2013 als Blu-ray und DVD in der Roland Emmerich Collection, 19. Oktober 2004 als DVD (vergriffen)

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Moon 44
BRD 1990
Regie: Roland Emmerich
Drehbuch: Dean Heyde
Besetzung: Michael Paré, Lisa Eichhorn, Dean Devlin, Malcolm McDowell, Jochen Nickel, Brian Thompson, Stephen Geoffreys, Leon Rippy, Calvin Burke
Zusatzmaterial: Roland Emmerich – eine Hollywood-Karriere, Wendecover
Vertrieb: Universum Film (Blu-ray), Studiocanal Home Entertainment (DVD)

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Dreck am Stecken: Major Lee

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Universum Film

 

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David Fincher (V): Verblendung – Schade um die Trilogie

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The Girl with the Dragon Tattoo

Gastrezension von Simon Kyprianou

Krimidrama // Der Journalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) ist am Ende. Er hat einen Artikel gegen die Machenschaften des Unternehmers Wennerström geschrieben und wurde dafür von Wennerström nach Strich und Faden verklagt. Die Beziehung zu seiner Tochter ist entfremdet. Blomkvist will einige Zeit untertauchen, um Gras über sein Scheitern wachsen zu lassen. Er nimmt ein Angebot von Henrik Vanger (Christopher Plummer) an. Dessen Großnichte Harriet verschwand im Sommer 1966. Nach all den Jahren will Vanger endlich Gewissheit haben und engagiert Blomkvist, auf seine Insel zu kommen, wo beinahe die gesamte Familie Vanger lebt. Dort soll der Journalist das Rätsel um Harriet lösen.

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Blomkvist (2. v. r.) unter Druck

Im Gegenzug verspricht Vanger Blomkvist Unterlagen, die Wennerströms Machenschaften eindeutig beweisen. Die Familie Vanger ist größtenteils zerstritten, manche Familienmitglieder sind obendrein geradezu beängstigend wunderlich, wie zum Beispiel Martin Vanger (Stellan Skarsgård). Darum besorgt sich Blomqvist Hilfe in Form der jungen Hackerin Lisbeth Salander (Rooney Mara).

US-Verfilmung des Romans von Stieg Larsson

Ein Franchise für Erwachsene drehen, das wollte David Fincher mit seinem Film „Verblendung“ erreichen, der als erster Teil einer Trilogie geplant war, zu der es nun anscheinend doch nicht kommen wird, wie Rooney Mara kürzlich bedauernd verlauten ließ. Schade eigentlich, denn „Verblendung“ war ein vielversprechender Grundstein für das Projekt, Stieg Larssons bereits 2009 in Europa verfilmte Romantrilogie in den USA erneut umzusetzen.

„Verblendung“ lässt sich vielleicht am ehesten mit David Finchers früherem Krimidrama „Zodiac“ vergleichen. Die Ähnlichkeiten sind groß: schöne Bilder von klarer Kälte, Langsamkeit, Präzision – alles in beiden Filmen zu bemerken. „Verblendung“ lässt sich treiben von Szenen der Recherche, Bildern von Laptop-Desktops, Internetseiten und schwelgt in seiner Präzision, in seiner Langsamkeit, in seiner kühlen Schönheit, in seinen bedrohlichen Naturbildern.

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Der Journalist tut sich mit der Hackerin Lisbeth Salander zusammen

Tristesse, Kälte und Schmerz

Die Beziehung zwischen seinen gegensätzlichen Protagonisten Blomkvist und Salander zeichnet Fincher äußerst behutsam, buchstabiert sie aber nie wirklich aus, sondern belässt sie diffus und fragil. Vergebens sucht man formale Spielereien, wie sie früher oft bei Fincher zu finden waren. Nur ganz am Ende lässt er kurz von dem kontemplativen, kalten Gestus ab und lässt Stellan Skarsgård in einer herrlich homoerotischen Szene Daniel Craig foltern, während im Hintergrund Enyas ewig vor sich hin plätscherndes „Orinoco Flow“ läuft. Ansonsten aber ist „Verblendung“ ein strenger, trister Thriller, der nur Kälte und Schmerz für seine Figuren übrig hat.

Rooney Mara ist fantastisch, gibt sich mit der körperlichen Wandlung die sie für die Rolle vollzogen hat, keineswegs zufrieden, sondern spielt Lisbeth mit großer Präzision und Körperlichkeit. Schade, dass die Trilogie nach derzeitigen Informationen nicht zustande kommen wird, aber „Verblendung“ ist ein abgeschlossenes Werk, auch ohne Fortsetzungen ein herrlicher Thriller.

David Fincher bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Alien 3 (1992, geplant)
Sieben (1995)
Fight Club (1999, geplant)
Zodiac – Die Spur des Killers (geplant)
The Social Network (2010)
Verblendung (2011)
House of Cards – Die komplette erste Season (USA 2013)
Gone Girl – Das perfekte Opfer (2014)

Veröffentlichung: 24. Mai 2012 als Blu-ray und DVD

Länge: 158 Min. (Blu-ray), 152 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Originaltitel: The Girl with the Dragon Tattoo
USA/SWE/NOR 2011
Regie: David Fincher
Drehbuch: Steven Zaillian, nach dem Roman von Stieg Larsson
Besetzung: Rooney Mara, Daniel Craig, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård, Steven Berkoff, Robin Wright, Yorick van Wageningen, Joely Richardson, Geraldine James, Goran Visnjic, Donald Sumpter
Zusatzmaterial: Audiokommentar von David Fincher, nur Blu-ray: Interviews, Proben, Probeaufnahmen u. v. m.
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

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Lisbeth riskiert bei ihren Recherchen viel

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2011 Sony Pictures Home Entertainment / Columbia Pictures Industries, Inc. / Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc. All Rights Reserved.

 

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Houdini – Die komplette Serie: Flucht in Ketten

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Houdini

Gastrezension von Andreas Eckenfels

Miniserie // Es ist ein erstaunliches Phänomen in Hollywood: Nach dem großen Triumph des Oscargewinns geht es mit den Rollenangeboten steil bergab. Existiert dieser Oscarfluch wirklich? So geschehen bei Nicolas Cage („Leaving Las Vegas“), der sich jetzt mit Massenware wie zuletzt „Outcast – Die letzten Tempelritter“ über Wasser hält und bei Halle Berry („Monster’s Ball“), die bis auf die „X-Men“-Filme auch keine Kassenerfolge mehr vorweisen kann. Trifft es jetzt auch Adrien Brody? Nach seiner Oscarrolle in „Der Pianist“ scheint nur noch Wes Anderson („Grand Budapest Hotel“) auf ihn zu setzen. Schade – und unverständlich, denn ähnlich wie Nicolas Cage verfügt Adrien Brody über eine einzigartige Ausstrahlung, der man sich nicht entziehen kann.

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Houdini in Ketten gelegt

Muskelmann Houdini

Allein schon durch seine Physiognomie ist Brody perfekt für die Rolle des legendären Entfesslungskünstlers Harry Houdini (1874–1926) geeignet. Mit seinem gestählten Körper wirkt es, als könne er allein durch seine Muskelkraft die ihm angelegten Ketten zum Bersten bringen. Brodys Darstellung ist es auch zu verdanken, dass man sich von der zweiteiligen Miniserie über Houdinis Leben an einem Sonntagnachmittag verzaubern lassen kann.

Alle wollen Houdini sehen

Arme und Beine liegen in Ketten, dann geht es kopfüber in den Wassertank: Als furchtloser und skandalträchtiger Magier begeistert Harry Houdini (Adrien Brody) Anfang des 20. Jahrhunderts weltweit die Massen. Immer an seiner Seite: Ehefrau und Bühnenassisstentin Bess Houdini (Kristen Connolly) sowie Tüftler Jim Collins (Evan Jones), der für den Zauberer neue spektakuläre Tricks entwickelt. Durch seine Berühmtheit macht er Bekanntschaft mit Persönlichkeiten wie Kaiser Wilhelm II. (Gyula Mesterházy), den Romanovs oder Grigori Rasputin (Iván Kamarás).

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Team Houdini: Bess hilft auf der Bühne, Jim erfindet neue Zaubereien

Vor Beginn des Ersten Weltkriegs wird Houdini vom britischen Geheimdienst beauftragt, während einer Europa-Tournee zu spionieren. Am Ende seiner Karriere versucht er, die in Mode gekommenen spirituellen Geisterbeschwörer zu enttarnen – und legt sich dabei sogar mit „Sherlock Holmes“-Schöpfer Sir Arthur Conan Doyle (David Calder) an.

Vater und Sohn

Der deutsche Regisseur Uli Edel („Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“) inszenierte für den amerikanischen History Channel. Dabei gelang ihm die meistgesehene Miniserie im US-Kabel-TV 2014. Das Drehbuch schrieb „Star Trek“-Regisseur Nicholas Meyer. Es basiert auf der 1976 erschienen Biografie „Houdini – A Mind in Chains“, die wiederum von seinem Vater Bernhard C. Meyer stammt.

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Kopfüber in der Zwangsjacke

Trotz dieser geballten Fachkompetenz gelingt es „Houdini“ nicht ganz, hinter die Fassade des berühmten Zauberers zu blicken. Was trieb diesen Mann an, sich ohne Rücksicht auf seine eigene Gesundheit immer wieder aus ausweglosen Situationen zu befreien? Ein Vaterkomplex wird zu Beginn angedeutet, seine Mutter liebt er hingegen abgöttisch. Das Skript vernachlässigt ansonsten diese psychologische Ebene des Helden. Dafür stimmen die Schauwerte: Besonders die Ausstattung der komplett in Houdinis Geburtsort Budapest gedrehten Miniserie überzeugt.

Wie bei „CSI“

Bei der Erklärung einiger Zaubertricks, ist Edel sichtlich um Modernität bemüht. Ähnlich wie bei der Krimi-Serie „CSI“ lässt er uns mit Computer-Effekten in Houdinis Körper „schauen“, wie er etwa einen verschluckten Dietrich hochwürgt, um sich dann aus den Fesseln zu befreien oder wie seine Bauchdecke bebt, wenn Houdini einen Schlag in den muskulösen Magen erhält. Auch der Soundtrack wirkt häufig unpassend und reißt aus dem sonst sehr gelungenem Zeitporträt.

Magische Momente

Doch wenn der starke Brody als Houdini seine Tricks dem erstaunten Publikum vorführt, steigt die Spannungskurve auch vor dem TV immer wieder aufs Neue: Die Uhr tickt und tickt. Kommt der Zauberer wirklich lebend aus dem verschlossenen Safe raus, bevor ihm die Luft ausgeht? Kann er sich aus den Ketten rechtzeitig befreien? In diesen Momenten ist die Illusion von Houdinis zeitlosen Entertainer-Qualitäten perfekt und verständlich, warum er auch 90 Jahre nach seinem Tod immer wieder in der Popkultur auftaucht.

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Ist Houdini schneller als die Kanonenkugel?

Veröffentlichung: 16. April 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 174 Min. (Blu-ray), 166 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Houdini
USA/KAN 2014
Regie: Uli Edel
Drehbuch: Nicholas Meyer, Bernard C. Meyer
Besetzung: Adrien Brody, Kristen Connolly, Evan Jones, Tim Pigott-Smith, Tom Benedict Knight, Shaun Williamson, David Calder, Gyula Mesterházy, Iván Kamarás
Zusatzmaterial: Featurettes, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshots & Trailer: © 2015 Studiocanal Home Entertainment

 

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