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Daybreakers – Wenn sich vampirischer Blutdurst nicht stillen lässt

01 Apr

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Daybreakers

Horror // Auch Vampire sind zum Selbstmord fähig: Ein junges Mädchen erträgt sein Leid – und das der Menschheit? – nicht mehr und setzt sich deshalb morgens in den Sonnenaufgang. Erbarmungslos verrichten die Sonnenstrahlen ihr tödliches Werk.

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Hämatologe Edward sucht nach einem Blut-Ersatz

Doch es ist nur eine Minderheit der Vampire, der ihr Dasein und die Behandlung der verbleibenden Menschen durch die herrschenden Vampire so schwer auf dem Gemüt lastet. Wir schreiben das Jahr 2019. Zehn Jahre zuvor hat eine Vampirfledermaus eine Pandemie ausgelöst, die einen Großteil der Menschheit zu Vampiren mutieren ließ.

Nachts sind alle Vampire blau

Die Kreaturen der Nacht haben die Zivilisation übernommen und an ein Leben fern des Sonnenlichts angepasst. Tagsüber, wenn die Sonne gleißend am Himmel steht, ruht man und hat sich in seine fensterlosen Wohnsitze zurückgezogen. Die U-Bahnnetze unter den Städten sind gut ausgebaut, Untergrund-Pfade ermöglichen die Fortbewegung zu Fuß.

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Konzernboss Bromley lässt sich ein Schlückchen munden

Unverwundbar sind die Vampire keineswegs. Nicht nur Sonnenstrahlen töten sie, auch ein Holzpflock oder -pfeil ins Herz befreit sie von ihrem irdischen Dasein. Und menschliches Blut ist ihr Lebenselixier. Zu geringer Konsum führt zu fatalen Mangelerscheinungen: Ein erstes Symptom sind spitze Ohren. Im weiteren Verlauf degeneriert ein Vampir ohne Blutnachschub bald zu einem sogenannten Subsider, einem tollwütigen Wesen, das nur noch von der Gier nach Blut angetrieben wird.

Blutspenden als Lebensaufgabe

Die restlichen Menschen werden gejagt und in riesigen Hallen in einem Dämmerzustand als permanente Blutspender gehalten, bis man ihnen den letzten Tropfen ausgepresst hat. Ethische Debatten darüber finden zwar statt, aber im Grunde schert sich die große Mehrzahl der Vampire nicht um die Art, der sie selbst einmal angehört hat. Ihre neue Lebensform steht vor ganz anderen Problemen: Die Vampir-Überbevölkerung führt zu Ernährungsproblemen. Immer weniger Menschen werden gefangen, der Blutnachschub versiegt, mehr und mehr Subsider tummeln sich unter den Städten.

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Die Engpässe bei der Blutversorgung verursachen Aufruhr

Das erhöht den Zeitdruck auf Edward Dalton (Ethan Hawke). Der Chef-Hämatologe des Pharma-Unternehmens Bromley Marks sucht mit seinem Team nach einem Blut-Ersatz, der die Vampire ernährt und die Degeneration zu Subsiders stoppt. Firmenboss Charles Bromley (Sam Neill) will endlich Ergebnisse sehen, doch ein Versuch am lebenden Objekt endet für den Freiwilligen fatal und für die Umstehenden unappetitlich. Dalton, der sich seine Menschlichkeit bewahrt hat, trifft eines Abends nach einem Verkehrsunfall auf eine Gruppe versprengter Menschen um die aparte Audrey Bennett (Claudia Karvan). Die führt Edward zu Lionel „Elvis“ Cormac (Willem Dafoe), der behauptet, einst ein Vampir gewesen zu sein. Hoffnung für die Menschheit?

Feines Vampirszenario

Es ist eine schöne neue Welt für Vampire, die in „Daybreakers“ in kühlen, in düsterem Blauton gehaltenen Bildern entworfen wird. Der private wie berufliche Alltag der Blutsauger wirkt durchdacht und clever aufgezogen. Einzelne Logiklöcher lassen sich nicht vermeiden – wer ein solches übernatürliches Szenario vollständig logisch erschaffen kann, werfe den ersten Stein. Kritisch angemerkt sei allerdings: Die Rückverwandlung von Vampir in Mensch ist zwar spektakulär inszeniert, wirkt aber etwas an den Haaren herbeigezogen und willkürlich. Natürlich hat man bei Fantasiegestalten – wie Vampire es nun mal sind – alle Freiheiten, Elemente und Eigenschaften dazuzudichten. Aber etwas mehr Brainstorming im Vorfeld der Produktion, dann hätte doch sicher jemand eine weniger absurde Idee gehabt.

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Misstrauisch: Audrey will nicht als Blutspenderin enden

Auch die Effekte gefallen – die Regie führenden Spierig Brothers haben da teilweise selbst digitale Hand angelegt. Freunde blutigen Vampirgemetzels kommen auf ihre Kosten.

Nieder mit den Pharmakonzernen!

Für Kritik am Kapitalismus im Allgemeinen und an der Pharmaindustrie im Besonderen bin ich immer zu haben. Sie ist in Gestalt des mächtigen Konzerns Bromley Marks und ihres ebenso scheinheiligen wie skrupellosen Bosses nicht eben feinfühlig formuliert, aber das passt schon.

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Elvis (l.) und Edward gehen in den Untergrund

Minuspunkte gibt’s für den Soundtrack, der manche Szenen völlig ohne Not mit Pathos überzieht, das niemand braucht. Sind doch gute Schauspieler dabei, Ihr Spierig-Brüder, verlasst euch künftig ruhig mehr auf die, dann klappt’s auch so mit den Emotionen! Ein paar Einstellungen wirken arg gekünstelt drapiert. In Erinnerung geblieben ist speziell ein Stillleben, in dem Claudia Karvan auf einer Bank sitzt, Willem Dafoe cool neben ihr auf der Lehne und Ethan Hawke im Vordergrund hockend sinnstiftend vor sich hin blickt. Das verursacht unfreiwillige Komik, die dem Film nicht gut zu Gesicht steht. Bisweilen hätte er sich zwar etwas weniger ernst nehmen können, aber das hätte schon bewusst geschehen müssen.

Mängel beim Storytelling

Der Zombiefilm „Undead“ markierte 2003 das trashige Langfilmdebüt der Regisseursbrüder Michael und Peter Spierig aus Australien. „Daybreakers“ und auch ihr jüngster Film „Predestination“ (2014) sind da schon deutlich ausgefeilter geraten. Szenarien mit kühler Atmosphäre entwerfen können sie gut, auch mit Effekten und Actionelementen gehen sie versiert um. Nun noch etwas an Feinheiten beim Storytelling feilen – sie verfilmen ihre eigenen Drehbücher, können das also gut beeinflussen – und intensiv über den gebotenen Einsatz von Musik nachdenken, dann steht einem weiteren Qualitätssprung beim nächsten Film nichts mehr im Wege. „Daybreakers“ hat dem Vampirgenre jedenfalls bei allen Mängeln ein paar neue Facetten hinzugefügt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Willem Dafoe und/oder Ethan Hawke sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 27. August 2010 als Blu-ray und DVD, 3. November 2011 als 3D Blu-ray (inkl. 2D-Version)

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Daybreakers
AUS/USA 2009
Regie: The Spierig Brothers
Drehbuch: The Spierig Brothers
Besetzung: Ethan Hawke, Willem Dafoe, Claudia Karvan, Sam Neill, Michael Dorman, Damien Garvey, Vince Colosimo
Zusatzmaterial: Audiokommentar der Regisseure, Storyboard-Version, Wendecover
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2010/2011 Tiberius Film

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