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Der große Crash – Margin Call: Der Finanzmarkt in all seiner Kälte

04 Apr

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Margin Call

Gastrezension von Simon Kyprianou

Drama // Entlassungswelle in einem New Yorker Bankhaus. Der junge Mitarbeiter Peter Sullivan (Zachary Quinto) erhält vom gerade gefeuerten Risikomanager Eric Dale (Stanley Tucci) einen USB-Stick mit brisanten Daten. Sie belegen, dass das Unternehmen auf toxischen Immobilienkreditbriefen sitzt, die es in den Ruin treiben können. Die Führungsetage um den Vorstandsvorsitzenden John Tuld (Jeremy Irons) und den Manager Jared Cohen (Simon Baker) beschließt, die Wertpapiere so schnell wie möglich abzustoßen, bevor der Markt Lunte riecht. Sullivans Bosse Will Emerson (Paul Bettany) und Sam Rogers (Kevin Spacey) haben zwar Skrupel, müssen aber den Kurs mittragen.

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Peter Sullivan entdeckt Brisantes

Sehr markant und bewusst lehnt J. C. Chandor sein Kinodebüt formell an die klassische Tragödie an, hält sich strikt an die Einheit von Zeit, Ort und Handlung. Die Figuren bewegen sich allesamt in den obersten Etagen gläserner Wolkenkratzer, weit unter ihnen schimmern die Lichter der Stadt. Mit den Wolkenkratzern symbolisiert Chandor die enorme Fallhöhe seiner Figuren, die ihnen durch den schwindelerregenden Ausblick auch stets bewusst ist. Chandor zeichnet mit kühler Präzision die Entstehung der Finanzkrise nach.

Die Finanzwelt bleibt unerklärbar

Die Figuren reden in der Sprache der Börsianer, der Sprache der Geschäftsmänner: Fachausdrücke, komplexe Mathematik, oft unverständlich. Oft verstehen nicht einmal die Figuren einander. Chandor umgeht Erklärungsversuche, er vermeidet es überhaupt, diese ganze Welt zu erklären. Sie ist nicht zu vereinfachen, nicht zu verstehen. Darum arbeitet er oft mit Unschärfen, denn niemand kann in dieser Welt klar sehen, niemand kann die Dinge begreifen.

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John Tuld agiert ohne Skrupel

Die Figuren sind Gefangene der Finanzwelt, Sklaven des Wertpapierhandels, die Kontrolle entgleitet ihnen, sie werden zu Marionetten des Marktes. Wer sich den Gesetzen des Marktes entziehen will, zerbricht. Am Ende aber wendet sich Chandor ab von den kalten, sinnlosen Tragödien der Finanzwelt und wendet sich den Menschen zu: Ein bitterlich weinender, gebrochener Kevin Spacey begräbt die Überreste des Lebens, das er für die Firma, für den Kapitalismus opfern musste. Ein schöneres und menschlicheres Schlussbild hätte es kaum geben können.

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Widerwillig schwört Sam Rogers seine Leute ein

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von J. C. Chandor sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jeremy Irons in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 24. Februar 2012 als Blu-ray und DVD

Länge: 109 Min. (Blu-ray), 102 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Margin Call
USA 2011
Regie: J. C. Chandor
Drehbuch: J. C. Chandor
Besetzung: Kevin Spacey, Zachary Quinto, Stanley Tucci, Paul Bettany, Mary McDonnell, Demi Moore, Simon Baker, Jeremy Irons, Penn Badgley
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Regisseur J. C. Chandor und Produzent Neal
Dodson, Interviews, Hinter den Kulissen, entfallene Szenen, Original Kinotrailer
Vertrieb: Koch Media

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Am Scheideweg: Jared Cohen und Sarah Robertson

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Koch Media

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Eine Antwort zu “Der große Crash – Margin Call: Der Finanzmarkt in all seiner Kälte

  1. der Schlüsselmacher

    2015/04/04 at 10:11

    Thx

     

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