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Brian Keene: Tief begraben (Buchrezension)

19 Apr

Keene-Tief_begraben-Cover

Entombed

Horror // Ein Ich-Erzähler namens Pete, der sich mit einigen Zeitgenossen in einem Atombunker verschanzt? Sonderbarer Zufall, dass diese Prämisse schon bei Nate Kenyons Horrorroman „Sparrow Rock – Der schleichende Tod“ zu bemerken war, den ich erst kürzlich gelesen und rezensiert habe.

Zombies belagern Atombunker

In Brian Keenes „Tief begraben“ ist Pete Führer in einem zu einem Museum umfunktionierten ehemaligen Atombunker, der sich unter einem Hotel in West Virginia befindet. In dem Bunker hat er sich mit etwas über 20 anderen Personen verschanzt, um „Hamelns Rache“ zu umgehen, wie die Zombie-Pandemie genannt wird – sie war von Ratten auf Menschen übergesprungen.

Keene-Entombed-Cover

An Wasser herrscht zwar kein Mangel, weitere Lebensmittel befinden sich aber nicht in dem Bunker. Pete ist Außenseiter in der Gruppe, beteiligt sich auch nicht an der Abstimmung darüber, ob ein Mitglied der Gruppe getötet und gegessen werden soll. Die Abstimmung fällt einstimmig aus, und die Gruppe wählt sogleich das Opfer: Pete. Der ist verständlicherweise unwillig, sich verspeisen zu lassen, und holt zum Gegenschlag aus. Die vor den Türen des Bunkers herumlungernden Zombies sind für die Gruppe der Eingeschlossenen nun das kleinste Problem. Pete auf der einen und die Übrigen auf der anderen Seite schenken sich nichts, die Verrohung erfolgt schnell.

In der Welt von „Totes Meer“

„Tief begraben“ spielt im gleichen Zombie-Universum wie Keenes Roman „Totes Meer“, dessen US-Erstveröffentlichung von 2007 datiert. Keene merkt allerdings zu Beginn des Buchs an – und ich kann das bestätigen –: Da es sich jedoch um keine direkte Fortsetzung handelt, kann man beide Werke genießen, ohne das jeweils andere zu kennen.

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Im Innern von „Entombed“ – Illustration von Glenn Chadbourne

Hier wie dort überschreitet die Zombie-Infektion Artengrenzen, sie greift auf Menschen und etliche Tierarten über. In „Tief begraben“ spielen die Untoten allerdings bald nur noch eine nachgeordnete Rolle. Breiten Raum nimmt Petes mit mörderischer Entschlossenheit geführter Überlebenskampf gegen den Rest der Gruppe ein. Das ist brutal und fesselnd.

Zombie-Horror ohne Kompromisse

Es ist ein hartes Stück Horrorliteratur, das Keene uns da vorsetzt, gewohnt brillant geschrieben und ohne Rücksicht auf Verluste, was die blutigen Details angeht. Insgesamt ist es in meiner Einschätzung allerdings sein schwächster Zombieroman. Das mag daran liegen, dass er dem Genre in diesem Fall keine neuen Aspekte hinzufügt. War „Totes Meer“ noch überaus originell in seinem Einsatz zombifizierter Tiere bis hin zur Flucht über den Ozean und dem Finale auf der Bohrinsel, so spielt dies in „Tief begraben“ letztlich keine große Rolle. Auch Keenes mittlerweile aus vier Bänden bestehender „The Rising“-Zyklus bietet einen originellen Ansatz, was ja bei der ausufernden Zahl von Zombieromanen und -filmen gar nicht einfach ist.

Keene-Entombes-Signatur

Die abblätternde Zivilisationstünche innerhalb einer eingepferchten Gruppe Überlebender in „Tief begraben“ bis hin zum Kannibalismus ist kein neues Motiv. Dennoch ist der Roman natürlich überaus lesenswert und eine Bereicherung für jedes gut geführte Zombieregal.

Erstmals erschienen ist „Entombed“, so der Originaltitel, 2011 in einer limitierten, nummerierten und signierten Edition von Camelot Books, hervorragend illustriert von Glenn Chadbourne. Wohl dem, der sich sein Exemplar sichern konnte (hüstel).

Im Tal der verrückten Bären

Prima: Weil sich „Tief begraben“ recht schnell liest, wäre man mit dem Buch normalerweise recht schnell durch. Verleger Frank Festa hat aber kurzerhand zwei Erzählungen von Brian Keene dazugepackt. Die erste trägt den Titel „Im Tal der verrückten Bären“. Dabei handelt es sich um eine grimmige Bigfoot-Westerngeschichte, die der US-Verlag Cemetery Dance erstmals 2010 in einer limitierten und signierten Liebhaberausgabe mit dem Titel „Four Rode Out“ veröffentlicht hat. Diese Edition ist längst vergriffen, wenn ich mich recht entsinne, war sie das bereits bei Erscheinen, daher wird „Tief begraben“-Verleger Frank Festa mir den Hinweis darauf sicher ebenso nachsehen wie den auf „Entombed“. Ob im englischen Original oder als Bonus hinter „Tief begraben“, wenn sich die kleine Gruppe Outlaws mit ihren beiden Gespielinnen in einer Hütte im Wald verschanzt und sich die „verrückten Bären“ des Nachts zusammenrotten, ist Hochspannung garantiert – sie eskaliert dann auch schnell.

Keene-Entombed-Innenmotiv

Im Innern von „Entombed“ – Illustration von Glenn Chadbourne

Kuriosum am Rande: Eine der Figuren aus seiner Erzählung nannte Keene Vernon Stephens – offenkundig ein Tribut an seinen Schriftsteller-Kollegen Stephen Vernon, der für das erwähnte „Four Rode Out“ ebenfalls einen Beitrag geliefert hat. Die Charakterisierung von Vernon Stephens als denkbar unangenehmer, stinkender und ständig furzender Zeitgenosse deutet an, dass Brian Keene und Stephen Vernon beste Kumpels sind. Ansonsten müsste man bei einem Aufeinandertreffen der beiden Autoren wohl Schlimmes befürchten.

Die vergessene Schlucht der Verdammten

In der zweiten Geschichte mit dem Titel „Die vergessene Schlucht der Verdammten“ versetzt Keene den die Untoten-Pandemie auslösenden Hamelns-Rache-Erreger in den Wilden Westen. Sie ist erstmals 2010 in der Zombie-Anthologie „The Living Dead 2“ erschienen. Allerdings verlässt die sich auf der Flucht befindliche Gruppe von Überlebenden den Westen zeitig, wenn auch unfreiwillig: Man findet sich plötzlich in der Welt der Dinosaurier wieder. Wir erinnern uns: Hamelns Rache überschreitet Artengrenzen …

Keene-Cover

„Die vergessene Schlucht der Verdammten“ gefällt mit seiner Idee eines plötzlichen Zeit- oder Dimensionssprungs, der Figuren wie Leser erst einmal vor ein Rätsel stellt. Die Geschichte ist leider schneller vorbei als sie begonnen hat. Die Idee hat Lust gemacht, mehr wäre da mehr gewesen.

Keene-Backcover

Die beiden Erzählungen bringen das Buch somit auf mehr als 300 Seiten puren Horrors. Ein anständiges Preis-Leistungs-Verhältnis, an der literarischen Qualität von Brian Keene ist nichts auszusetzen. Denn auch wenn er mit „Tief begraben“ seine vorherigen Zombie-Romane nicht ganz erreicht, übertrifft er damit doch locker das Gros der übrigen Untoten-Autoren. Wer großartige Zombie-Romane lesen will, kommt an Brian Keene jedenfalls nicht vorbei (und an David Moody, dessen „Herbst“-Reihe ich wohl beizeiten auch einmal vorstellen muss).

Keene-Signaturen

Zur direkten Bestellmöglichkeit des Buchs beim Festa Verlag geht’s hier.

Autor: Brian Keene
Originaltitel (2011): Entombed
Deutsche Erstveröffentlichung: 27. September 2014
Übersetzung: Michael Krug
Verlag: Festa Verlag
Preis: 13,95 Euro

Keene-Living-Dead-2

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

 
 

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Eine Antwort zu “Brian Keene: Tief begraben (Buchrezension)

  1. Christian Weis

    2015/04/19 at 12:36

    O ja – hübsche Bücher für die Sammlung! 😀

     

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