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David Cronenberg (IV): Dead Zone – Eine der besten Stephen-King-Verfilmungen

19 Apr

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The Dead Zone

Gastrezension von Simon Kyprianou

It’s over. You’re finished. (Johnny Smith zu Greg Stillson)

Horrordrama // Versteckt Cronenberg die tiefe Menschlichkeit und Tragik seiner Filme meist unter einer Hülle aus Horror und Ekel, kommt „Dead Zone“ beinahe komplett ohne eine solche Hülle aus. Vielmehr ist der Film eine ruhig inszenierte, leise und zärtliche Charakterstudie, fernab von ausschweifendem Body-Horror.

Episoden eines zerstörten Lebens

Dominik Graf nannte ihn in seinem Buch „Schläft ein Lied in allen Dingen“ eine Art Episodenfilm. So kann man sich dem Film durchaus nähern, es ist ein Film über ein verschwendetes Leben, die einzelnen „Episoden“ sind die Abschnitte des Lebens, die Cronenberg am Zuschauer vorbeiziehen lässt.

Ein Unfall bringt den Lehrer Johnny Smith (Christopher Walken) ins Koma. Als er nach fünf Jahren im Koma wieder erwacht, steht er vor den Trümmern seines ehemaligen Lebens. Gesegnet beziehungsweise verflucht wurde Johnny auf mysteriöse Weise mit der Gabe, das Schicksal eines Menschen durch Berührung sehen zu können – und darauf Einfluss nehmen zu können.

Die Tragik des aus dem Koma Erwachten

Statt mit dieser Prämisse einen Genrefilm zu drehen, ist Cronenberg daran gelegen, die Tragik dieser Existenz zu untersuchen. Wir sehen Johnnys Leidensweg, die Beziehung zu seiner mittlerweile verheirateten Ex-Freundin Sarah (Brook Adams), zu seinem Vater und zu sich selbst. Trotzdem muss er am Ende die Welt vor dem durchgeknallten Politiker Greg Stillson (Martin Sheen) retten.

Wir sehen einem Mann zu, der ein Leben lebt, das ihm gar nicht mehr zu gehören scheint, das bis zur Unkenntlichkeit entstellt wurde und so eigentlich gar nicht mehr lebenswert ist. Cronenberg erkundet diese Tragödie langsam und behutsam, in einem Film der ist wie das Leben selbst: der sich jeder Gradlinigkeit verweigert, voller sanfter Zwischentöne, voller Umwege, voller verspielter Facetten.

Paraderolle für Christopher Walken

In düsteren, verschneiten Bildern fängt Cronenberg ungefilterte Menschlichkeit, erschütternde Tragik und den großen Christopher Walken in einer seiner besten Rollen ein, dessen sanftes, verzweifeltes Lächeln einem die Tränen in die Augen treibt. Das zarte, unglaublich tragische Meisterwerk gehört fraglos zu den besten Stephen-King-Adaptionen.

Stephen King bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Der dunkle Turm (2017)
11.22.63 – Der Anschlag (2016)
Mercy – Der Teufel kennt keine Gnade (2014)
Stephen King’s A Good Marriage (2014)
Carrie (2013)
Stephen Kings Stark – The Dark Half (1993)
Manchmal kommen sie wieder (1991)
Werwolf von Tarker Mills (1985)
Christine (1983)
Dead Zone (1983)
Shining (1980, geplant)
Carrie – Des Satans jüngste Tochter (1976)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von David Cronenberg sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, die mit Herbert Lom in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 1. Oktober 2009 (Filmconfect) und 2. Oktober 2002 (Marketing Film) als DVD

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Alternativtitel: Dead Zone – Der Attentäter
Originaltitel: The Dead Zone
USA 1983
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: Jeffrey Boam, nach dem Roman von Stephen King
Besetzung: Christopher Walken, Martin Sheen, Brooke Adams, Tom Skerritt, Herbert Lom, Anthony Zerbe, Colleen Dewhurst, Nicholas Campbell, Jackie Burroughs, Roberta Weiss
Zusatzmaterial Filmconfect: Biografie von Stephen King
Zusatzmaterial Marketing Film: Trailer, Biografien, Filmografien, Slideshow, Hintergrundinfos, Trailershow
Vertrieb: Filmconfect Home Entertainment GmbH (Rough Trade) / Marketing Film

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

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