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David Fincher (V): Verblendung – Schade um die Trilogie

30 Apr

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The Girl with the Dragon Tattoo

Gastrezension von Simon Kyprianou

Krimidrama // Der Journalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) ist am Ende. Er hat einen Artikel gegen die Machenschaften des Unternehmers Wennerström geschrieben und wurde dafür von Wennerström nach Strich und Faden verklagt. Die Beziehung zu seiner Tochter ist entfremdet. Blomkvist will einige Zeit untertauchen, um Gras über sein Scheitern wachsen zu lassen. Er nimmt ein Angebot von Henrik Vanger (Christopher Plummer) an. Dessen Großnichte Harriet verschwand im Sommer 1966. Nach all den Jahren will Vanger endlich Gewissheit haben und engagiert Blomkvist, auf seine Insel zu kommen, wo beinahe die gesamte Familie Vanger lebt. Dort soll der Journalist das Rätsel um Harriet lösen.

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Blomkvist (2. v. r.) unter Druck

Im Gegenzug verspricht Vanger Blomkvist Unterlagen, die Wennerströms Machenschaften eindeutig beweisen. Die Familie Vanger ist größtenteils zerstritten, manche Familienmitglieder sind obendrein geradezu beängstigend wunderlich, wie zum Beispiel Martin Vanger (Stellan Skarsgård). Darum besorgt sich Blomqvist Hilfe in Form der jungen Hackerin Lisbeth Salander (Rooney Mara).

US-Verfilmung des Romans von Stieg Larsson

Ein Franchise für Erwachsene drehen, das wollte David Fincher mit seinem Film „Verblendung“ erreichen, der als erster Teil einer Trilogie geplant war, zu der es nun anscheinend doch nicht kommen wird, wie Rooney Mara kürzlich bedauernd verlauten ließ. Schade eigentlich, denn „Verblendung“ war ein vielversprechender Grundstein für das Projekt, Stieg Larssons bereits 2009 in Europa verfilmte Romantrilogie in den USA erneut umzusetzen.

„Verblendung“ lässt sich vielleicht am ehesten mit David Finchers früherem Krimidrama „Zodiac“ vergleichen. Die Ähnlichkeiten sind groß: schöne Bilder von klarer Kälte, Langsamkeit, Präzision – alles in beiden Filmen zu bemerken. „Verblendung“ lässt sich treiben von Szenen der Recherche, Bildern von Laptop-Desktops, Internetseiten und schwelgt in seiner Präzision, in seiner Langsamkeit, in seiner kühlen Schönheit, in seinen bedrohlichen Naturbildern.

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Der Journalist tut sich mit der Hackerin Lisbeth Salander zusammen

Tristesse, Kälte und Schmerz

Die Beziehung zwischen seinen gegensätzlichen Protagonisten Blomkvist und Salander zeichnet Fincher äußerst behutsam, buchstabiert sie aber nie wirklich aus, sondern belässt sie diffus und fragil. Vergebens sucht man formale Spielereien, wie sie früher oft bei Fincher zu finden waren. Nur ganz am Ende lässt er kurz von dem kontemplativen, kalten Gestus ab und lässt Stellan Skarsgård in einer herrlich homoerotischen Szene Daniel Craig foltern, während im Hintergrund Enyas ewig vor sich hin plätscherndes „Orinoco Flow“ läuft. Ansonsten aber ist „Verblendung“ ein strenger, trister Thriller, der nur Kälte und Schmerz für seine Figuren übrig hat.

Rooney Mara ist fantastisch, gibt sich mit der körperlichen Wandlung die sie für die Rolle vollzogen hat, keineswegs zufrieden, sondern spielt Lisbeth mit großer Präzision und Körperlichkeit. Schade, dass die Trilogie nach derzeitigen Informationen nicht zustande kommen wird, aber „Verblendung“ ist ein abgeschlossenes Werk, auch ohne Fortsetzungen ein herrlicher Thriller.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von David Fincher sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Roone Mara unter Schauspielerinnen.

Veröffentlichung: 24. Mai 2012 als Blu-ray und DVD

Länge: 158 Min. (Blu-ray), 152 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Originaltitel: The Girl with the Dragon Tattoo
USA/SWE/NOR 2011
Regie: David Fincher
Drehbuch: Steven Zaillian, nach dem Roman von Stieg Larsson
Besetzung: Rooney Mara, Daniel Craig, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård, Steven Berkoff, Robin Wright, Yorick van Wageningen, Joely Richardson, Geraldine James, Goran Visnjic, Donald Sumpter
Zusatzmaterial: Audiokommentar von David Fincher, nur Blu-ray: Interviews, Proben, Probeaufnahmen u. v. m.
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Verblendung-8

Lisbeth riskiert bei ihren Recherchen viel

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2011 Sony Pictures Home Entertainment / Columbia Pictures Industries, Inc. / Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc. All Rights Reserved.

 

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