RSS

Sergio Leone (II): Die letzten Tage von Pompeji – Pompöser Vulkanausbruch

02 Mai

Die_letzten_Tage_von_Pompeji-Cover

Gli ultimi giorni di Pompei

Von Volker Schönenberger

Historien-Abenteuer // Paul W. S. Andersons 2014er-Schinken „Pompeii“ um den Ausbruch des Vesuv im Jahr 79. n. Chr. mit „Game of Thrones“-Star Kit Harington hat in seiner actionreichen Belanglosigkeit immerhin Lust gemacht, diesen alten Schinken zu sichten. Zwar auch nicht meisterhaft, ist er doch ein unterhaltsames Vehikel für Bodybuilder Steve Reeves und hat obendrein mit Christine Kaufmann auch eine holde deutsche Aktrice zu bieten.

Mal wieder Christenhatz

Von einem Feldzug kehrt Zenturio Glaucus (Reeves) siegreich ins heimatliche Pompeji zurück. Kaum angekommen, rettet er die junge Ione (Christine Kaufmann), deren Einspänner mit ihr durchgegangen ist. In der Villa seines Vaters erwartet Glaucus jedoch ein Schock: Das Gebäude ist geplündert, sein Vater und alle Bewohner sind ermordert worden, sogar die Kinder. Es ist nicht die einzige Mordtat, als vermeintlich Schuldige werden die Christen gejagt, eingekerkert, gefoltert und zum Tode in der Arena verurteilt. Und während ihnen übel mitgespielt wird, macht sich der Vesuv zum Ausbruch bereit.

Sandalen, Sandalen, wir wollen Sandalen!

An die Größe des ebenfalls die Christenverfolgung thematisierenden „Quo Vadis“-Meisterwerks von 1951 kommt „Die letzten Tage von Pompeji“ nicht heran. Dennoch ragt der Film weit aus der Masse billiger italienischer Sandalenfilme der 50er- und 60er-Jahre heraus. Sein Talent als Filmemacher konnte Leone eben schon damals nicht verbergen, auch wenn der eine oder andere Nahkampf ein wenig unbeholfen wirkt. Die Kostüme sind farbenfroh und prächtig, die Intrige gegen die Christen vermag zu fesseln. Der Ausbruch des Vesuv und das daran anschließende Chaos in Pompeji sind actionreich und tricktechnisch gelungen umgesetzt – das mag veraltet sein, hat aber deutlich mehr Charme als im oben erwähnten „Pompeii“.

Sergio Leone als Krankheitsvertretung

Weil Regisseur Mario Bonnard zu Beginn der Dreharbeiten erkrankte, übernahm Sergio Leone inoffiziell den Regiestuhl. Leone hatte auch am Drehbuch nach Edward George Bulwer-Lyttons Roman mitgeschrieben und war ohnehin als Second Unit Assistant Director vor Ort. Eine weitere interessante Personalie offenbart der Blick auf die Produzenten: Als Associate Producer fungiert kein Geringerer als Lucio Fulci, der später auf dem Regiestuhl so berüchtigte Zombiefilme wie „Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies“ und „Ein Zombie hing am Glockenseil“ verantwortet hat.

Stummfilm von 1913 im Bonusmaterial

Feine Sache: Auf der Bonus-Disc befindet sich Mario Caserinis 88-minütiger Stummfilm „Die letzten Tage von Pompeji“ von 1913. Weniger erfreulich ist allerdings die Menüführung beider DVDs. Ein nicht wegzuklickendes Intro lässt schon nichts Gutes ahnen. Das animierte Menü im grauenhaften Design führt obendrein viel zu langsam von einem Menüpunkt zum anderen. Schade um die ansonsten sehr schöne Edition, die mit einem ausgesprochen guten Bild aufwartet. Prima Film, prima Veröffentlichung.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Sergio Leone haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 15. August 2008 als Doppel-DVD

Länge: 88 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Gli ultimi giorni di Pompei
IT/SP/BRD 1959
Regie: Mario Bonnard, Sergio Leone (uncredited)
Drehbuch: Sergio Corbucci, Ennio De Concini, Luigi Emmanuele, Sergio Leone, Duccio Tessari, nach dem Roman von Edward George Bulwer-Lytton
Besetzung: Steve Reeves, Christine Kaufmann, Fernando Rey, Barbara Carroll, Anne-Marie Baumann, Mimmo Palmara, Guillermo Marín, Carlo Tamberlani, Mino Doro
Zusatzmaterial: Stummfilm „Die letzten Tage von Pompeji“ (1913) in neuer Bearbeitung (88. Min.), vorgelesene Texttafeln mit Biografien von Sergio Leone, Steve Reeves, Fernando Rey und Christine Kaufmann sowie über den Vesuv und Pompeji, Rezept für Tiramisu al Limone, Bildergalerie mit Fotos des Stummfilms, zehnminütige Doku über Vulkane, Trailershow, Schuber
Label/Vertrieb: Sunfilm (Tiberius Film)

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: