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Der Babadook – Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

06 Mai

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The Babadook

Kinostart: 7. Mai 2015

Gastrezension von Andreas Eckenfels

Horror // „Ich habe noch nie einen derart furchteinflößenden Film gesehen.“ Diese großen Worte stammen von „Der Exorzist“-Regisseur William Friedkin und prangen auf dem Kinoplakat von „Der Babadook“. Daneben hat sich ebenfalls Horror-Autor Stephen King positiv über den Film geäußert; die britische Zeitschrift Empire schrieb sogar, das Erstlingswerk von Regisseurin Jennifer Kent sei der beste Horrorfilm des Jahres.

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Hat sich da ein Monster im Schrank versteckt?

Vielleicht waren es diese Vorschusslorbeeren, die bei mir die Erwartungshaltung enorm hoch setzten. Nach dem Abspann machte sich trotz der sehr gelungenen Atmosphäre etwas Ernüchterung breit. Man sollte bei „Der Babadook“ keinen reinen Horrorfilm erwarten, sondern mehr ein Psychodrama im Stil der Polanski-Klassiker „Rosemarys Baby“ und „Ekel“.

Tragisches Schicksal

Am Tag von Samuels (Noah Wiseman) Geburt, starb sein Vater auf dem Weg zum Krankenhaus. Sechs Jahre später hat Krankenpflegerin Amelia (Essie Davis) den Tod ihres Mannes noch immer nicht überwunden; auch mit ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter kommt sie kaum zurecht. Sie leidet unter Schlaflosigkeit und Samuel ist kaum zu bändigen. Ihr Sohn liebt Zauberer und verfügt über eine lebhafte Fantasie.

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Samuel liebt fantastische Geschichten

Jeden Abend muss der ängstliche Junge mit seiner Mutter unter dem Bett und im Schrank nachsehen, ob da nicht das Monster aus seinen Träumen lauert. Die obligatorische Gute-Nacht-Geschichte darf natürlich nicht fehlen. Dabei stoßen die beiden auf das Buch „Mister Babadook“, das Samuel mit seinen angsteinflößenden Bildern zusätzlich verstört. Während ihr Sohn das Wesen nicht mehr aus seinen Kopf bekommt, fühlt auch Amelia eine zunehmende Bedrohung. Versteckt sich der Babadook in den dunklen Winkeln ihres Hauses?

Das Unheimliche lauert überall

Keine Frage, „Der Babadook“ ist ein extrem stimmungsvoller Gruselfilm geworden, der geschickt mit verschiedenen Urängsten spielt. Regisseurin Jennifer Kent setzt dabei auf klassische Horror-Elemente, verzichtet auf große Schockmomente, lässt das Unheimliche viel mehr still und leise unter unsere Haut krabbeln. Das Spiel mit Licht und Schatten erinnert an die Stummfilmzeit des deutschen Expressionismus. Auch das Mitmach-Bilderbuch „Mister Babadook“ ist herrlich gestaltet. Wenn eine teuflische Stimme sich als der „Ba-ba-dook“ ankündigt und es auf der Tonspur an allen Ecken und Enden klopft und kratzt, gelingen ordentliche Gänsehautmomente.

Trauer und Wahnsinn

Der psychische Horror innerhalb der kleinen Familie ist von Beginn an greifbar. Amelia scheint ihr eigenes Kind zu verabscheuen, weil Samuel sie stets an den Unfall-Tod ihres Mannes erinnert. Umso extremer sucht der Junge die Aufmerksamkeit und Liebe seiner Mutter.

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Der Junge rüstet sich gegen den Babadook

Kinder-Hasser sollten Abstand halten, denn anfangs kann Samuel mit seiner Hyperaktivität nicht nur Amelia an den Rand des Wahnsinns treiben. Essie Davis überzeugt als überstrapazierte Mutter, bei der die Nerven blank liegen. Auch der zum Drehzeitpunkt gerade mal sieben Jahre alte Noah Wiseman macht seine Sache beängstigend gut.

Trotz dieser perfekten Voraussetzungen hätte ich mir eine etwas atemlosere Inszenierung und mehr Radikalität gewünscht. Eine Zuspitzung der Ereignisse zum großen Finale fehlt. Auch hätte ich gern mehr über dieses unheimliche Wesen Babadook erfahren. Hier gingen Jennifer Kent in ihrem eigenen Drehbuch etwas die Ideen aus. Also: kein Horrorfilm des Jahres, aber immerhin ein starkes Debüt. Man darf auf weitere Projekte der australischen Regisseurin gespannt sein.

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Auch Amelia glaubt langsam an die Existenz des Babadook

Länge: 93 Min.
Altersfreigabe: FSK ab 16
Originaltitel: The Babadook
AUS/KAN 2014
Regie: Jennifer Kent
Drehbuch: Jennifer Kent
Besetzung: Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall, Hayley McElhinney, Barbara West
Verleih: capelight pictures

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels
Filmplakat & Fotos: © 2015 capelight pictures

 

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