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Cobbler – Der Schuhmagier: Absurditäten-Zirkus mit herrlichem Adam Sandler

18 Mai

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The Cobbler

Von Simon Kyprianou

Komödie // Max Simkin (Adam Sandler) schlurft müde durch die Straßen, geht nur noch lustlos seinem Beruf als Schuhmacher in dem altehrwürdigen Familienbetrieb in New York nach. Seine einzigen menschlichen Beziehungen sind die zu Frisör Jimmy (Steve Buscemi) und die zu seiner Mutter (Lynn Cohen). Als eines Tages seine Nähmaschine kaputtgeht, sucht er im Keller seines Ladens nach Ersatz. Er findet ein altes Gerät, das per Hand betrieben wird.

In den Schuhen der anderen

Bald stellt sich heraus, dass die Maschine keine gewöhnliche ist: Sobald Max die mit ihr besohlten Schuhe trägt, nimmt er die Gestalt des Eigentümers der Schuhe an. Schnell findet der Schuhmacher Gefallen daran, doch ehe er sich versieht, landet er mitten in einem Verbrechen: Elaine Greenawalt (Ellen Barkin) will die kleinen Leute aus ihren Wohnungen und Geschäften vertreiben, um das Stadtbild zu verjüngen und selbst viel Geld zu verdienen. Dabei wendet sie jeden noch so schmutzigen Trick an.

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Im Keller steht eine wundersame Maschine …

Adam Sandler wird viel gescholten, gerade von der Filmkritik, wird oft missverstanden und unterschätzt. Dabei hat sein Komödienkino gerade in den letzten vier, fünf Jahren, zu einer ganz eigenen, eigentümlichen und radikalen Form gefunden – etwa bei „Kindsköpfe 2“, der ja gar nichts mehr erzählt, in dem es um nichts geht, schlicht um den Ablauf eines gewöhnlichen Tages und die Party am Abend. Ein kleines, absurdes Universum, eine Nicht-Geschichte ohne Ziel und Substanz, ohne männliche Selbstbehauptung.

Da werden keine Konventionen gebrochen, nur um am Ende reumütig wieder zu ihnen zurückzukehren wie bei der „Hangover“-Trilogie. Es ist schlicht der pure Wille zum alltäglichen Ultraquatsch. Auch der große Regisseur Paul Thomas Anderson, selbst inbrünstiger Fan von Sandler und seinen Filmen, hat mit Sandler gearbeitet und ihm in „Punch-Drunk Love“ vielleicht die wunderbarste Rolle seines Lebens gegeben und damit einen Film gedreht, der die Essenz des Schauspielers Adam Sandler begreift und ihr ein Denkmal setzt.

Flucht vor dem eigenen Ich

„The Cobbler“ kennt keine Genre-Grenzen, mal ist er herrliche Quatsch-Komödie, mal zärtliches Drama, mal Krimi und auch immer wieder ein unfassbarer Absurditäten-Zirkus. Aber im Inneren ist es eigentlich ein tieftrauriger Film – ein Film über einen unglücklichen Menschen, der unzufrieden mit sich selbst ist und am liebsten vor seinem eigenen Leben fliehen will.

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… die Max’ Leben verändert

Das Hineinschlüpfen in die verschiedenen Rollen ist natürlich eher Hilfeschrei denn Segen und zugleich ein zutiefst kinematographischer Gedanke. In jede Rolle bringt Adam Sandler etwas Geerdetes mit, eine tiefe Melancholie und Trauer, eine Unzufriedenheit mit sich selbst, den Wunsch nach Veränderung. Vor allem Paul Thomas Anderson spielte virtuos damit, aber auch Thomas McCarthy weiß in „The Cobbler“ etwas damit anzufangen. Dabei dringt der Regisseur in abgründige Stufen des Humors vor: Vergewaltigungsfantasien, krude romantische Abendessen mit der eigenen Mutter im Körper des eigenen Vaters – all das gibt es hier zu sehen, so absonderlich es auch sein mag, denn Grenzen des Humors setzt sich „The Cobbler“ wahrlich keine.

Sandler spielt beinahe immer geerdete, bürgerliche Rollen, so auch hier. Mehr noch, hier verteidigt er das Bürgertum sogar, McCarthy erhebt es zum eigenständigen Thema. Großes Schauspiel gibt es von Adam Sandler. Von den deutschen Kinos leider verschmäht, ist „The Cobbler“ ein weiterer kleiner Höhepunkt im Sandler-Werk. „Kindsköpfe 3“ darf gern kommen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Dustin Hoffman sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 19. Mai 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Cobbler
USA 2014
Regie: Thomas McCarthy
Drehbuch: Thomas McCarthy, Paul Sado
Besetzung: Adam Sandler, Method Man, Adam B. Shapiro, Ellen Barkin, Steve Buscemi, Lynn Cohen, Dustin Hoffman, Evan Neumann, Melonie Diaz, Allen Lewis Rickman, Dan Stevens, Craig Walker, Adrian Black, Donnie Keshawarz
Zusatzmaterial: Behind the Scenes, Alternativer Trailer, Originaltrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

Fotos, Packshots & Trailer: © 2015 Ascot Elite Home Entertainment

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