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Mörderspinnen – William Shatner gegen das Kleingetier

26 Mai

Moerderspinnen-Cover

Kingdom of the Spiders

Von Volker Schönenberger

Horror // Endlich wieder da! Wer will schon 20 Euro für eine herkömmliche DVD ausgeben? „Mörderspinnen“ hat seine Fangemeinde, die im Handel lange vergriffene DVD von 2004 ist in den einschlägigen Gebrauchtwarenkanälen einfach zu teuer gewesen. Lobenswert, dass Koch Media sie nun wiederveröffentlicht, wenn auch ohne nennenswerte Neubearbeitung. Auf eine Blu-ray hat der Vertrieb gleich ganz verzichtet, aus was für Gründen auch immer.

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Spinnen …

Das erste Opfer ist ein Kalb, das für Farmer Walter Colby (Woody Strode) einen Preis bei einer Viehschau gewinnen sollte. Tierarzt Robert „Rack“ Hansen (William Shatner) findet keine Todesursache und schickt deshalb eine Blutprobe zur Untersuchung. Bald trifft die Entomologin Diane Ashley (Tiffany Bolling) ein, denn im Blut des Tiers fand sich ein Spinnengift in hoher Dosis. Colby berichtet daraufhin von einem großen Spinnenhügel in der Nähe seiner Farm. Doch das Abbrennen des Hügels bannt das Unheil keineswegs. Bald bricht es mit voller Wucht über das ländliche Verde Valley in Arizona herein.

Macho William Shatner als Tierarzt

William Shatner darf in „Mörderspinnen“ mit Inbrunst sein Macho-Image pflegen. Das beginnt mit der Szene, in der die eintreffende Diane Ashley den Tierarzt für einen Tankwart hält und von ihm spaßeshalber in dem Glauben gelassen wird. Logisch, dass seine anfangs zurückgewiesenen Annäherungsversuche später von Erfolg gekrönt sind – wer kann Captain Kirk schon widerstehen?

Die Spinnen-Apokalypse

Diese bisweilen unfreiwillig komisch anmutenden Szenen geben dem Film in Verbindung mit der Countrymusik eine Leichtigkeit, die einen reizvollen Kontrast zu dem Grauen bildet, das den Ort heimsucht, und das zum Finale geradezu apokalyptische Ausmaße annimmt. Das letzte Bild des Films ist zwar einerseits albern, andererseits in seiner Konsequenz geradezu sensationell. Als ich den Film irgendwann in den 80ern als Jugendlicher zum ersten und bis zur jetzigen Sichtung letzten Mal schaute, war ich jedenfalls am Ende nachhaltig beeindruckt. Ganz so sehr ging es mir nun beim zweiten Mal nicht mehr, ihre Horror-Wirkung entfalten die „Mörderspinnen“ aber nach wie vor.

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… und Spinnen …

Dass der Mensch für die Spinnenattacken letztlich selbst die Verantwortung trägt, darf in einem solchen Film natürlich nicht unerwähnt bleiben: Der massenhafte Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln habe die Spinnen ihrer Nahrungsgrundlage beraubt, der Angriff auf Säugetiere und Menschen sei da nur die logische Folge – so die etwas krude These, an der wir uns im Tierhorror-Genre aber nicht stören. Das in den 70er-Jahren aufkommende Umweltbewusstsein schimmert in diesem ebenso wie in anderen Filmen der Ära schon durch.

Vorbilder „Die Vögel“ und „Der weiße Hai“

Hitchcocks „Die Vögel“ und Spielbergs „Der weiße Hai“ standen in mancherlei Hinsicht ebenso Pate wie die alten Horrofilme der 50er-Jahre, wie auch Autor Stephen Lodge im Interview im Bonusmaterial der DVD erwähnt. Die Monstren sind keine Fabelwesen, sondern in der Natur vorkommende Kreaturen.

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… und Spinnen …

Die wie aus dem Nichts kommende Bedrohung weist in der Tat Ähnlichkeiten zu „Die Vögel“ auf. Ist in der „Weiße Hai“ die Sorge um den Tourismus Auslöser der Verharmlosung der Bedrohung seitens der Stadtherren, so ist es in „Mörderspinnen“ die bevorstehende Landwirtschaftsausstellung, die den Bürgermeister veranlasst, die Gefahr herunterzuspielen. Bekannte Versatzstücke also, die aber einen schönen Mix ergeben. Auch der 50er-Jahre-Horror ist zu bemerken. In den 50ern war es die Angst vor der atomaren Eskalation des Kalten Kriegs, die manchen Gruselfilmen einen Subtext gab, in den 70ern eben das aufkommende Bewusstsein um die Schädigung der Umwelt durch uns Menschen.

Dem Tierschutz zum Trotz: Echte Spinnen in großer Zahl

Den größten Reiz gewinnt der Film aber dadurch, dass bei den Dreharbeiten massenhaft echte Spinnen eingesetzt worden sind – 5.000 bis 10.000 Exemplare, wie wir im Bonusmaterial der DVD von Spinnentrainer Jim Brockett erfahren, der für die Tiere verantwortlich war. Angesichts verschärfter Tierschutzbestimmungen ist etwas Vergleichbares heute sicher nicht mehr möglich.

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… und Spinnen

Bei ihrer schieren Vielzahl ließen sich ein paar zermatschte Spinnen nicht vermeiden, wie Brockett auch einräumt. Da sich das nicht mehr rückgängig machen lässt, freuen wir uns einfach an den tollen Spinnenszenen. Wie mögen sich die Schauspieler dabei gefühlt haben? Auch ohne Spinnenphobie dürften viele Szenen Überwindung gekostet haben. Angeblich hat Tiffany Bolling ihre Hauptrolle erhalten, weil sie die einzige Frau war, die beim Vorsprechen angesichts einiger Spinnen cool blieb. Shatner wird sich mit seinem Kerl-Image sicher keine Blöße gegeben haben. Oder war er am Ende der größte Schisser?

Spinnenphobiker, schaut lieber weg!

Spinnenphobiker sollten „Mörderspinnen“ besser meiden, einige Szenen sind doch sehr intensiv geraten. Von Konfrontationstherapie halte ich ohnehin nichts. Wer bei Spinnen lediglich ein übliches und nicht krankhaftes Schaudern verspürt, darf für wohligen Grusel mit ein paar älteren Einflüssen gern hinschauen. „Mörderspinnen“ ist eine Perle des 70er-Jahre-Horrors, selten im Fernsehen, nun endlich wieder im Handel.

Eine interessante Personalie offenbart der Blick auf die Credits beim Schnitt: Cutter Steven Zaillian machte sich später als Drehbuchautor einen Namen, für sein Skript zu Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ erhielt er 1994 Oscar und Golden Globe.

Koch Media beginnt mit der Wiederveröffentlichung von „Mörderspinnen“ eine Reihe mit dem Titel „Creature Feature“. Als Teil 2 ist Joe Dantes „Piranhas“ von 1978 vorgesehen, der am 23. Juli erscheinen soll, auch als Blu-ray. Das weckt die Vorfreude. Die Reihe „Creature Feature“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Veröffentlichung: 28. Mai 2015 als DVD

Länge: 91 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Kingdom of the Spiders
USA 1977
Regie: John „Bud“ Cardos
Drehbuch: Richard Robinson, Alan Caillou, nach einer Originalgeschichte von Jeffrey M. Sneller und Stephen Lodge
Besetzung: William Shatner, Tiffany Bolling, Woody Strode, Lieux Dressler, David McLean, Natasha Ryan, Marcy Lafferty, Hoke Howell, Altovise Davis, Joe Ross
Zusatzmaterial: Audiokommentar, Interview mit William Shatner, Interview mit Autor Stephen Lodge, Der Spinnen-Trainer, Behind the Scenes, deutscher Trailer, englischer Trailer, Bildergalerie
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2015 Koch Media

 

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