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Poltergeist – Leistungsschau der 80er-Tricktechnik

27 Mai

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Poltergeist

Horror // Echte Skelette sind nun mal preiswerter – nehmen wir doch die statt der aus Plastik! Dass die Verwendung menschlicher Gerippe in der herrlichen Swimmingpool-Szene den Poltergeist-Fluch ausgelöst haben, dürfen abergläubische Menschen gern glauben. Aus Respekt vor den Toten will ich allerdings nicht weiter auf den angeblichen Fluch eingehen. Konzentrieren wir uns auf den Film, der Horror sollte ausreichen.

Von wegen Schlafwandeln

Ist ihre fünfjährige Tochter Carol Anne (Heather O’Rourke) eine Schlafwandlerin? Anfangs schieben Diane und Steven Freeling (JoBeth Williams, Craig T. Nelson) die seltsamen Ereignisse in ihrem Eigenheim auf normale Ursachen. Dass es in dem neuen Fertighaus paranormal zugeht, wird der Familie bald darauf klar. Gläser zerspringen, Besteck verbiegt sich, Stühle rücken.

Eines Nachts versucht der Baum vor dem Kinderzimmer, Carol Annes älteren Bruder Robbie (Oliver Robins) zu greifen und zu verschlingen. Während die Eltern und die ältere Schwester Dana (Domimique Dunne) ihrem Sohn zu Hilfe eilen, verschwindet allerdings Carol Anne spurlos. Über den Fernseher können die Freelings ihre Stimme hören.

Hat Steven Spielberg Regisseur Tobe Hooper ausgebootet?

Was hat Produzent Steven Spielberg wohl erwartet, als er Tobe Hooper anheuerte, „Poltergeist“ zu inszenieren? Dass er vom Regisseur von „The Texas Chainsaw Massacre“ keinen glattgebügelten Mainstream-Horror fürs Nachmittags-Blockbusterkino bekommen würde, hätte ihm klar sein müssen. „Hey, Tobe, denk dran, dass den auch Familien schauen sollen.“ Merkst du selbst, Steven, nicht wahr? Und dann mit Hoopers Arbeit unzufrieden sein und ihn von der Postproduktion ausschließen – tss tss tss, nicht die feine Art.

Trotz dieser – von mir mangels Insiderkenntnis überspitzt dargestellten – Querelen ist aus „Poltergeist“ ein guter und effektvoller Horrorschocker geworden, wenn auch zweifellos weit mehr ein Spielberg-Film als ein Hooper-Film. Man könnte sogar argwöhnen, Hooper habe als Strohmann auf dem Regiestuhl gesessen, weil sich Spielberg im Vertrag zu „E.T. – Der Außerirdische“ verpflichtet hatte, parallel keine andere Regiearbeit zu übernehmen. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

Horror für die Familie

Fans harten Horrors werden bei „Poltergeist“ nur müde lächeln. Als gruseliges Action-Spektakel für die Familie funktioniert das Original aber nach wie vor, wobei die FSK-16-Freigabe nicht ganz von ungefähr kommt. Die jüngeren Familienmitglieder würden sich am Ende doch zu sehr fürchten. Die Story ist simpel, umso bombastischer sind die Effekte. Was die Tricks angeht, ist der Film eine Hollywood-Leistungsschau der 80er-Jahre, nicht viel mehr, aber immerhin auch nicht weniger. Die Familie Freeling ist dabei sympathisch genug, sodass man gern mit ihr mitfiebert. Als Pflichtfilm in gut sortierten Horrorregalen sehe ich „Poltergeist“ nicht, dafür schielt er zu sehr auf ein breites Publikum. Aber es war schön, ihn anlässlich des Kinostarts des Remakes mal wieder gesehen zu haben.

Fortsetzungen und Remake

„Poltergeist“ zog ein ganzes Franchise nach sich: „Poltergeist II – Die andere Seite“ wartete 1986 immerhin noch mit vier der Freelings inklusive der Originaldarsteller auf, in „Poltergeist III – Die dunkle Seite des Bösen“ war allerdings nur noch Heather O’Rourke als Carol Anne Freeling zu sehen. Beide Fortsetzungen konnten weder beim Einspielergebnis noch bei der Qualität dem ersten Film das Wasser reichen. Das Remake ist die logische und zwangsläufige Folge, die nur den Gesetzen Hollywoods gehorcht. Angesichts der Fülle an Horror-Remakes seit der Jahrtausendwende mag man sich fast wundern, dass es bis 2015 gedauert hat. Die TV-Serie „Poltergeist – Die unheimliche Macht“, die es von 1996 bis 1999 immerhin auf vier Staffeln gebracht hat, hat außer dem Namen und der paranormalen Thematik keinen Zusammenhang mit dem Kinofilm.

Zur Rezension des Remakes geht’s auch hier. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Steven Spielberg sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 25. Juni 2015 als Blu-ray im Steelbook, 16. Oktober 2008 als Blu-ray, 12. Oktober 2007 als 25th Anniversary Edition DVD, 23. Februar 2000 als DVD

Länge: 114 Min. (Blu-ray), 110 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Poltergeist
USA 1982
Regie: Tobe Hooper
Drehbuch: Steven Spielberg, Michael Grais, Mark Victor
Besetzung: JoBeth Williams, Heather O’Rourke, Craig T. Nelson, Beatrice Straight, Dominique Dunne, Oliver Robins, Richard Lawson, Zelda Rubinstein, James Karen, Dirk Blocker
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Warner Home Video

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Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Packshots: © Warner Home Video

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