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Ill Manors – Stadt der Gewalt: Plan Bs geniales Regiedebüt

31 Mai

Ill_Manors-Cover

Gastrezension von Anja Rohde

Krimidrama // Benjamin Paul Drew wächst im Londoner Stadtteil Forest Gate in schwierigen Familienverhältnissen auf, bringt sich das Gitarrespielen bei, schreibt und singt erst R&B, wendet sich dann dem Hip-Hop zu. Mit 23 Jahren bringt er unter dem Künstlernamen Plan B sein erstes, vier Jahre später sein zweites Album heraus, welches Nummer 1 in Großbritannien wird. Dies ist nicht die Geschichte des Films, sondern die Karriere des Autoren und Regisseurs von „Ill Manors“.

Ill Manors Still (5)

Aaron (Riz Ahmed) hat ein Poster von Robert „Taxi Driver“ De Niro in seinem Zimmer

Ben Drew ist ein Ausnahmekünstler. Schon seine Musik und seine Texte zeigen das hohe Maß an Kreativität, das in diesem jungen Kopf steckt. Beim Filmemachen setzt er noch einen drauf. Der in Drews altem Viertel spielende Episodenfilm sprüht vor Energie und Authentizität.

Ill Manors Still (4)

Noch verkauft Gangleader Marcel (Nick Sagar, l.) nur Drogen

„Ill Manors“ zeigt ein paar wenige Tage im Leben sechs junger Menschen, die versuchen, in einer Umgebung aus Drogen, Gewalt und Missbrauch zu überleben. Das Publikum begleitet die Dealer, Prostituierten, Kleinkriminellen und Mörder durch die nächtlichen Straßen Londons. Wie die Protagonisten bekommen auch die Zuschauer zu spüren, dass jede Aktion eine Reaktion nach sich zieht; und dass der Versuch, das Richtige zu tun, nicht immer ins richtige Ergebnis mündet.

Ganz nah an den Figuren

Die Erzählstränge um die Hauptfiguren sind auf verschiedene Weise miteinander verwoben. Die Filmstruktur folgt nicht immer klassischen Drehbuchregeln; Drew nutzt Rückblenden, versetzte Handlungsstränge und Szenen in Zeitlupe oder mit Handykamera-Optik, um das Filmpublikum schmerzvoll nah an die einzelnen Schicksale heranzulassen – und das auf hervorragende Art.

Ill Manors Still (3)

Lee Allen in seiner ersten Filmrolle als Drogendealer Chris

Den Soundtrack kann man schon ohne Film sehr gut hören. Aber wie genial die Musik wirklich gelungen ist, merkt man erst in Kombination mit dem bewegten Bild. Jede Figur hat von Plan B einen Song bekommen. Diese Themen ziehen sich, mit teilweise moderierendem Rap-Gesang, durch den Film. Selten ist mir Filmmusik so oft positiv aufgefallen wie hier, normalerweise merke ich nur mit Wohlgefallen, wenn die Musik nicht stört.

Ill Manors Still (2)

Keef Coggins, Ben Drews Patenonkel, spielt den Drogendealer Kirby (l.)

Drew hat sein Ensemble aus erfahrenen Schauspielern und Laiendarstellern zusammengestellt. Den Unterschied merkt das Publikum nicht. Die Protagonisten agieren natürlich und glaubwürdig, was die nahezu dokumentarische Authentizität verstärkt. Wenn die filmische Perspektive von der einen zur anderen Hauptfigur springt, dabei aber dieselbe Geschichte erzählt oder den Hintergrund zu einer Handlung beleuchtet, springt das Publikum mit – in die tiefen Abgründe dieses schonungslosen Milieus.

Mit eigenem Geld gedreht

Ein erstaunlicher Fakt ist das niedrige Budget: Mit nur 100.000 Pfund, zur Hälfte aus eigener Tasche, hat Ben Drew einen großen Film gemacht, den man so schnell nicht vergisst.

Ill Manors Still (1)

Punkrockpoet John Cooper Clarke in einer Gastrolle als John Cooper Clarke

Definitv kein Feelgood-Movie, aber auch nicht immer düster. Es gibt sie, die kleinen, hoffnungsvollen Momente, und es gibt Lebendigkeit, Kreativität. Aber vor allem gibt es große Geschichten über tragische Schicksale in einer kaum als menschlich zu bezeichnenden Gesellschaft.

Veröffentlichung: 20. Februar 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 125 Min. (Blu-ray), 121 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Ill Manors
GB 2012
Regie: Ben Drew
Drehbuch: Ben Drew
Besetzung: Riz Ahmed, Ed Skrein, Natalie Press, Anouska Mond, Mem Ferda, Keith Coggins, Lee Allen, Nick Sagar, Ryan De La Cruz
Zusatzmaterial: Making-of, Interviews, geschnittene Szenen, Original Kinotrailer
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Anja Rohde
Fotos & Packshot: © 2014 Koch Media

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